Pfeil nach unten

Historischer Pfad Leinfelden

Der historische Pfad Leinfelden bietet zwölf Tafeln interessante Aspekte zur Geschichte des Ortes, der 1269 seine erste Erwähnung fand, bis 1819 Verwaltungssitz des Stuttgarter Unteramts war und 1965 zur Stadt erhoben wurde.

Leinfelder Haus
Peter und Paul Kirche Leinfelden

Station L1: Altes Rathaus von Leinfelden

In einer Urkunde aus dem Jahr 1269 ist der Ort erstmals unter dem Namen „Lenginvelt“ bezeugt, was so viel wie „im langen Feld gelegen“ bedeutet. Es gilt als sicher, dass der im Ort lange Zeit betriebene Anbau von Lein (= Flachs) zu der Umbildung des Ortsnamens in „Leinfelden“ geführt hat.

Das alte Rathaus für die kleine Landgemeinde Leinfelden wurde wohl vor 1572 errichtet. Der Fachwerkbau mit angrenzender Scheune diente ursprünglich als Bauernhaus und wurde 1584 zum Rathaus umfunktioniert. Das Rathaus war auch Sitz des „Leinfelder Ämtleins“, einem Unteramt des Amtes Stuttgart, das bereits 1524 erstmals Erwähnung fand. Zu ihm zählten Oberaichen, Unteraichen, Leinfelden, Musberg, Stetten, Hof und Weidach sowie die Mühlen im Reichenbachtal. Der Vorsteher des Leinfelder Ämtleins war zugleich Schultheiß von Leinfelden. Der Schultheiß führte als Zeichen seiner Amtsgewalt einen hölzernen Stab. Deshalb wurde er auch „Stabsschultheiß“ genannt. Verwaltungssitz des Ämtleins, das bis 1810 bzw. 1819 Bestand hatte, war Leinfelden.

Bei einem Luftangriff, der eigentlich der Landeshauptstadt Stuttgart galt, wurde in der Nacht vom 15. auf den 16. März 1944 die westlichen Filder von der britischen Royal Air Force bombardiert. In Leinfelden wurde unter anderem das Rathaus total zerstört, wobei das dort untergebrachte Gemeindearchiv gänzlich vernichtet wurde. Heute befindet sich an gleicher Stelle (Ecke Lengenfeld-/ Markomannenstraße) eine kleine Grünanlage.

Adresse:
Markomannenstraße 15
70771 Leinfelden-Echterdingen

Das alte Rathaus von Leinfelden
Das alte Rathaus von Leinfelden, Aufnahme 1914

Station L2: „Leinfelder Haus“

Bauhistorisch gesehen ist das Leinfelder Haus ein Fachwerkgebäude mit zwei tiefen gewölbten Kellern und einer Scheuer. Wahrscheinlich war es einmal der Hof eines reichen Bauern, wofür die Größe des Anwesens sowie das benachbarte Weberhäuschen und die eigene Wasserstelle sprechen. Die dendrochronologische Untersuchung aus dem Jahr 1992 setzte das Fälldatum der Eichen-, Tannen- und Fichtenhölzer auf den Sommer bzw. den Winter 1569; somit können wir davon ausgehen, dass das Haus bereits im Jahre 1570 errichtet wurde!

1807 bat der Bauer Jakob Stollsteimer, im Ortsweg 10 (der späteren Adolf-Hitler-Straße, dann Bergstraße, heute Lengenfeldstraße 24) einen Weinausschank betreiben zu dürfen. Daraufhin erfolgte ein Umbau des Hauses; an der Straßenfront wurde im Haus eine Wirtschaft, die „Sonne“, eingebaut, die bis 1824 bestand. In den Jahren 1905 und 1926 gab es weitere Umbauten. Es wurden unter anderem im Gastwirtschaftsraum Ziegelwände eingezogen, um so mehrere Zimmer zu erhalten. Das Haus überstand –  nach dem Dreißigjährigen Krieg – auch den 2. Weltkrieg als das größte unverputzte Fachwerkgebäude Leinfeldens. Nur die rückwärtig gelegene Scheuer war im Krieg zerstört worden.

Die Stadt Leinfelden-Echterdingen war seit 1975 Hauseigentümerin und erwarb 1987 die restlichen Anteile des Gebäudes. 1991 beschloss der Gemeinderat die Sanierung des Leinfelder Hauses mit einem Kostenaufwand von 1 Million D-Mark. Nachdem Regierungspräsidium und Landesdenkmalamt ihre Zustimmung zu den Plänen gegeben hatten, begann man 1992 mit den Sanierungsarbeiten.

Im Rahmen des 7. Bürgertreffs fand am 14. August 1993 die Einweihung des „Leinfelder Hauses“ statt. Das Haus wird seitdem betreut und bewirtschaftet vom Kultur-Förderkreis Leinfelden in Kooperation mit dem Wander- und Heimatverein Leinfelden.

Adresse:
Lengenfeldstraße 24
70771 Leinfelden-Echterdingen

Leinfelder Haus
Leinfelder Haus, um 1920

Station L3: Evangelische Peter-und-Paul-Kirche Leinfelden

Zwischen 1896 und 1897 baute man am Leinfelder Ortsrand eine evangelische Saalkirche. Der im Stil der Neugotik errichtete Backsteinbau mit spitzhaubigem Eingangsturm, polygonalem Chor und beige-roter Klinkerfassade wurde am 4. Juli 1897 geweiht und unter das Namenspatronat der Apostelfürsten Peter und Paul gestellt.

Im Jahr 1939 fanden im Kircheninneren Umbaumaßnahmen statt, die unter anderem zum Einbau eines provisorischen Gemeindesaals unter der Querempore führten. 1944 erlitt die Peter-und-Paul-Kirche – seit ihren Anfängen meist nur vereinfachend als „Leinfelder Kirche“ bezeichnet – bei einem Alliierten-Luftangriff im Dach- und Fensterbereich schwere Zerstörungen.

Nach diversen Reparaturarbeiten in den ersten Nachkriegsjahren errichtete man im Sommer 1950 kleine, turmflankierende Anbauten, die zusätzlichen Raum für Sakristei und eine Toilettenanlage schufen.

1962 fanden in der Peter-und-Paul-Kirche erstmals umfassendere Instandhaltungsarbeiten hinsichtlich der Innenbausubstanz und der Wand- bzw. Deckenbemalung statt. In diesem Zusammenhang wurde der Leinfelder Künstler Walter Schimpf damit beauftragt, figurale Deckenmalereien im Chorraumgewölbe auszuführen.

Nachdem der Kirchenbau Mitte der 1970er-Jahre unter Denkmalschutz gestellt worden war, kam es zwischen 1977 und 1980 zu umfangreichen Umbau- und Restaurierungsmaßnahmen. Diese umfassten neben dem Ausbau der Kirchenbänke und der Seitenempore auch die Komplettsanierung der glasierten Klinkerfassade sowie die Konservierung der ornamentalen Innenbemalung.

Adresse:
Kirchstraße 14
70771 Leinfelden-Echterdingen

Peter-und-Paul-Kirche
Blick auf die Apsis der Peter-und-Paul-Kirche, um 1902

Station L4: Alte Schule in Leinfelden

Nach der Auflösung des Leinfelder Ämtleins im Jahre 1819 dürften in Leinfelden wohl bald Bestrebungen eingesetzt haben, welche die schulische Trennung von Musberg zum Ziele hatten. Im Jahr 1837 fasste Leinfelden den Beschluss, sich vom Musberger Schulverband zu lösen. Mit einem Aufwand von 3.500 Gulden erstellte man 1838 am westlichen Ortsausgang „hinter dem Brunnen“ ein Schulhaus mit einem geräumigen Schulsaal und einer Lehrerwohnung. Gleichzeitig wurde ein Kirchenkonvent ins Leben gerufen, zu dessen Aufgaben die Förderung des örtlichen Schulwesens gehörte. Am 7. Januar 1839 zogen mit Christian Friedrich Schneider, einem Schulmeister aus Münster, 66 Schülerinnen und Schüler in das neugebaute Schulhaus ein.

Das alte Schulhaus an der Kirchstraße wurde im November 2003 abgerissen.

Adresse:
Kirchstraße 12
70771 Leinfelden-Echterdingen

Volksschulklasse mit Lehrer Christian Böhm
Volksschulklasse mit Lehrer Christian Böhm, Aufnahme 1913

Station L5: Jungsteinzeitliche Funde

ausgesetzt

Station L6: Leinfelden als Bahnknotenpunkt

Im Jahr 1897 erfolgte der Anschluss der südlichen Filder an den Schienenverkehr, und zwar mit dem Bau des Filderbahn-Streckenabschnitts Möhringen – Echterdingen – Bernhausen – Neuhausen. Allerdings berührte diese Linie Leinfelden noch nicht, denn sie verlief von Unteraichen in direkter Verbindung nach Echterdingen.

Erst 1920 wurde Leinfelden Station der neuen Filderbahn (Strecke Vaihingen – Leinfelden – Echterdingen – Neuhausen), und bekam einen eigenen Bahnhof. Der Verlauf der Trasse zwischen Leinfelden und Echterdingen entsprach dem der heutigen S-Bahn.

Entlang der Filderbahnlinie wurden viele Industriegebiete ausgewiesen. So siedelte sich in den Jahren 1924 bis 1927 die Trikotwarenfabrik Lang & Bumiller als erster Betrieb auf dem heutigen Gelände der Firma Robert Bosch in Leinfelden an.

Schließlich wurde Leinfelden der Bahnknotenpunkt für das Filder-Schönbuch-Gebiet. Anlass war die Fertigstellung der Neubaustrecke der Reichsbahn-Nebenbahnlinie Leinfelden-Waldenbuch durch das Siebenmühlental im Jahr 1928. Außerdem erhielt Leinfelden Anschluss an die elektrifizierte Stuttgarter Straßenbahnlinie Stuttgart-Möhringen – Echterdingen.

Der Personenverkehr auf den beiden Eisenbahnstrecken nach Neuhausen und Waldenbuch sowie von Leinfelden nach Vaihingen wurde 1956 eingestellt, der Güterverkehr im Jahr 1983.

Die Eröffnung der neuen Stadtbahnlinie U 5 erfolgte im Jahr 1990. Gleichzeitig wurde die Straßenbahnlinie nach Echterdingen eingestellt. Mit der Inbetriebnahme der S-Bahnlinien S 2 und S 3 über die 1993 neugebaute S-Bahn-Station Leinfelden zum Flughafen bzw. zur Messe begann ein neues Zeitalter für den Nah- und Fernverkehr.

Adresse:
Bahnhofstraße 37
70771 Leinfelden-Echterdingen

Das Bahnhofsgebäude von 1920
Das Bahnhofsgebäude von 1920 wurde bei dem schweren Luftangriff der Alliierten im Jahr 1944 völlig zerstört und nach dem Krieg eingeschossig wiederaufgebaut, Aufnahme um 1930

Station L7: Rathaus, Brunnen und Feuerwehr

Der Bau eines neuen Rathauses für Leinfelden war nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs dringend notwendig, da das alte Rathaus an der Ecke Lengenfeld-/Markomannenstraße im Zweiten Weltkrieg durch einen Bombentreffer total zerstört worden war. Zwischenzeitlich wurden ein Schulsaal sowie ein Lehrerzimmer im Schulgebäude von 1937 als „Interimsrathaus“ zweckentfremdet.

Als Standort für das „neue“ Leinfelder Rathaus wurde das Neubaugebiet zwischen den alten Ortskernen Leinfeldens und Unteraichens bestimmt. Dem damaligen Zeitgeschmack des Heimatstils entsprechend wählte man für die Außengestaltung des Rathausneubaus eine unverputzte, eingeschossige Steinsockelzone sowie vorgeblendete Fachwerkimitationen im Bereich der Obergeschosse. Ein Glockentürmchen mit Wetterfahne bekrönte das Spitzgiebeldach. So präsentiert sich das Rathaus bis heute. Das „neue“ Rathaus wurde am 19. November 1949 nach einer Bauzeit von nur acht Monaten feierlich eingeweiht. Unter den Ehrengästen befanden sich Ministerpräsident Reinhold Maier und Innenminister Fritz Ulrich. Der Neubau war von Bürgermeister Gustav Egler energisch vorangetrieben worden. Aus finanziellen Gründen wurden die Räume im Erd- sowie im Untergeschoss zunächst vermietet, im Dachgeschoss brachte man Wohnungen unter. So entwickelte sich innerhalb von nur wenigen Jahren um das Rathaus ein neuer Ortsmittelpunkt.

Den Rathausplatz gestaltete man mit einem blumengeschmückten Röhrenbrunnen, der im Juni 1954 eingeweiht wurde.

Die dahinterliegenden Gebäude der Feuerwehr wurden am 27. Juni 1954, dem Kreisfeuerwehrtag, als neu gebautes Feuerwehrhaus der Freiwilligen Feuerwehr Leinfelden eingeweiht.

Adresse:
Marktstraße 1
70771 Leinfelden-Echterdingen

Einweihung des neuen Rathauses
Einweihung des neuen Rathauses am 19. November 1949

Station L8: Die Filderhalle Leinfelden

Mit der 1,2 Millionen D-Mark teuren Filderhalle von 1958 entstand in der Nähe zur Volksschule und der künftigen Mittelschule ein neues kulturelles Zentrum der späteren Stadt Leinfelden. Es handelte sich damals noch um eine typische Mehrzweckhalle mit Bühne, Orchestergraben, Umkleideräumen, Kegelbahnen, einem Foyer und einem Saal, der auch als Sporthalle nutzbar war, sowie einer Gaststätte.

Im März 1958 war die Bevölkerung aufgerufen, Namensvorschläge für die neue Gemeindehalle und die Gaststätte einzureichen. Im April entschied sich der Gemeinderat für die Bezeichnungen „Filder-Halle“ und „Hallen-Gaststätte“. Anlässlich der Einweihung von Filderhalle und Schulhauserweiterung fand von 31. Mai bis 2. Juni 1958 die „Leinfelder Festwoche“ statt. Dabei gab es neben dem Festakt, Konzerten, einem Kinderfest, einem Hallenhandballturnier, einem Tiroler Abend und einem Theaterabend sowie einem Werbekegeln auch die erste Leistungsschau des örtlichen Handwerks, des Handels und der Industrie.

Im August 1979 begann man, die Filderhalle umzubauen und zu erweitern. Der Große Saal wurde neu gestaltet und mit einer Galerie versehen. Hinzu kamen der Kleine Saal, die Erweiterung des Restaurants sowie eine Tiefgarage. Der 36 Millionen D-Mark teure Umbau nach Plänen des Architekten Günter Rohm wurde im Januar 1983 eröffnet. Im Januar 1989 zählte man eine Million Besucher, im Juni 2005 waren es bereits vier Millionen.

Ab dem Jahr 2017 erfolgte ein weiterer Umbau und die Erweiterung des Veranstaltungs- und Konferenz-Zentrums. So wurde der an die Filderhalle angrenzende Neubau errichtet. Es entstand ein 400 Quadratmeter großer Anbau mit Glasfront zum Stadtpark, der multifunktional als kleinere Seminar- oder Festräume oder aber als ein großer Saal genutzt werden kann, sowie eine neue Küche. Studio I und II wurden ebenfalls modernisiert. Auch der Außenbereich rund um den Anbau wurde neugestaltet. Nach zweijähriger Bauzeit konnte der Neubau am 23. Mai 2019 offiziell eingeweiht werden.

Adresse:
Bahnhofstraße 61
70771 Leinfelden-Echterdingen

Die Filderhalle Leinfelden bei der Eröffnung
Die Filderhalle Leinfelden bei der Eröffnung im Jahr 1958

Station L9: Gartenhallenbad Leinfelden

Für die „Volksgesundheit“ war in der Nachkriegszeit weder Raum noch Geld vorhanden. Privates Dusch- und Badevergnügen war naturgemäß äußerst selten. Öffentliche Bademöglichkeiten boten im Zweiwochenrhythmus die Schulen in Musberg und Echterdingen oder das „Gemeindebad“ im alten Leinfelder Schulgebäude von 1937, in das nach der Schulhauserweiterung vier Wannen- und fünf Brausebäder für die Öffentlichkeit geschaffen wurden. 1952 kostete dort eine halbstündige Benutzung 80 Pfennig. Da auch die Bademöglichkeiten in der näheren Umgebung sehr beschränkt waren, entschloss sich der Gemeinderat mit Unterstützung der Bürgerschaft zum Bau eines ganzjährig nutzbaren Hallenbads.

Nach den Planungen im Jahr 1960/61 erfolgte am 12. April 1962 der erste Spatenstich und am 30. August 1963 das Richtfest. Ab dem 29. Dezember 1964 war das Bad für die Öffentlichkeit freigegeben und zählte nach fünf Betriebsmonaten bereits 100.000 Badegäste. Die offizielle Einweihung des nun betitelten „Gartenhallenbades“ erfolgte am 17. Juli 1965 im Rahmen der einwöchigen Feier zur Stadterhebung Leinfeldens. Bereits drei Jahre später musste wegen steigender Betriebskosten der Eintrittspreis für Erwachsene von 1 D-Mark auf 1,30 D-Mark erhöht werden (Kinder von 0,50 auf 0,60 D-Mark). Dies tat aber der Beliebtheit des Bades keinen Abbruch. Durchschnittlich 786 Besucher täglich gönnten sich 1 Stunde Badevergnügen, zeitweise musste das Bad – vor allem an den Warmbadetagen – wegen Überfüllung geschlossen werden. In den Sommerferien lockte das Bad als Freibadersatz mit unbegrenzter Badezeit und einem Außenbereich, der für Sonnenbaden, Schach, Ballspiele oder zum Tischtennisspiel genutzt werden konnte. Ab 1977 wurde zusätzlich Wassergymnastik für Frauen angeboten.

In den 1970er-Jahren entstanden in den Nachbarstädten ebenfalls Hallen- und Freibäder, was sich in Leinfelden durch einen Besucherrückgang spürbar bemerkbar machte. So wurde ab September 1991 in fast zweijähriger Bauzeit das Bad von Grund auf saniert, in einigen Bereichen umgebaut und im Januar 1994 als „neues Bad mit modernem Angebot“ wiedereröffnet.

Adresse:
Stuttgarter Str. 76
70771 Leinfelden-Echterdingen

Das neu errichtete Hallenbad von Leinfelden
Das neu errichtete Hallenbad von Leinfelden, Aufnahme Willi Moegle 1964

Station L10: Schule in Leinfelden

Nachdem 1844 Unteraichen und 1897 Oberaichen ein eigenes Schulhaus bekommen hatten, dachte man doch recht bald über eine Zusammenlegung der nahe beieinanderliegenden Schulen in einem Hause nach. Erst nach der verwaltungsmäßigen Vereinigung der drei Teilgemeinden Leinfelden, Ober- und Unteraichen im Jahre 1926, wurden die drei Einklassenschulen vorerst organisatorisch zusammengefasst. Am 10. April 1937 weihte man auf Unteraicher Gemarkung ein neues Schulhaus ein, „an der Straße Unteraichen – Leinfelden, also zwischen den drei Ortsteilen Leinfelden, Unter- und Oberaichen und von jedem der Ortsteile leicht erreichbar“. Allerdings hatte es mit seinen drei Schulsälen und der Schulküche nur Platz für die Klassen 3 bis 8. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden ein Schulsaal sowie ein Lehrerzimmer bis zur Einweihung des neuen Rathauses im November 1949 als „Interimsrathaus“ zweckentfremdet. 250 Schüler mussten nun bei fünf Lehrkräften und einer Hauswirtschaftslehrerin in Klassen mit bis zu 70 Schülern in einen Schichtunterricht gehen, der einmal um 8 Uhr, anderntags um 13 Uhr begann.

Da man in den Jahren nach Ende des Zweiten Weltkriegs wegen Zuzugs von Heimatvertriebenen und der zunehmenden Industrieansiedlung mit einer steigenden Schülerzahl rechnete, wurde eine 12-klassige Schule geplant. Am 8. September 1951 fand die Einweihung des ersten Ergänzungsbaus statt, während der zweite Ergänzungsbau im Juni 1958 eingeweiht wurde.

Im November 1962 konnte der dritte und letzte Ergänzungsbau der Schule eingeweiht werden: Ein doppelstockiger Atriumbau mit eingeschossigen Anbauten für die Ortsbücherei und den Musiksaal, der zugleich als Aula diente. Das Gebäude beherbergte 14 Klassenräume, darunter sechs Klassen für den Mittelschulzug. Die neue Schule erhielt nun den Namen „Ludwig-Uhland-Schule“. Zum Schuljahr 1967/68 wurde die erste Sonderschulklasse an der Schule in Leinfelden eingerichtet.

Im September 2010 wurde die Ludwig-Uhland-Schule als Grund- und Werkrealschule eröffnet, die Hauptschulen an Lindach- und Zeppelinschule geschlossen. Im April 2011 konnten die Umbauarbeiten an der Ludwig-Uhland-Schule in Leinfelden abgeschlossen und die neue Schulbibliothek eingeweiht werden.

Adresse:
Bahnhofstraße 65
70771 Leinfelden-Echterdingen

Der 1937 eröffnete Schulbau
Der 1937 eröffnete neue Schulbau

Station L11: Stadtbrunnen

In den 1950er-Jahren wandelte sich Leinfelden von einem landwirtschaftlich geprägten Ort zu einer Industrie- und Wohngemeinde. Die rapide Entwicklung setzte 1955 bei einer Einwohnerzahl von 3.471 Einwohnern mit einem jährlichen Bevölkerungszuwachs von 500 bis 700 Einwohnern ein. Allein im Jahr 1963 war die Einwohnerzahl Leinfeldens von 8.300 auf 9.000 Einwohner gestiegen, was einen enormen Zuwachs von 7,78 Prozent bedeutete. Nachdem Leinfelden die 10.000-Einwohner-Marke erreicht hatte, war eine der wichtigsten Voraussetzungen zur Stadterhebung erfüllt. Am 26. April 1965 unterzeichnete schließlich der damalige Ministerpräsident Kurt Georg Kiesinger die Stadterhebungsurkunde.

Zur Erinnerung an die Stadterhebung sollte ein „Stadtbrunnen“ entstehen. Dazu wurde ein Spendenaufruf zum Bau eines „Stadtbrunnens mit Planschbecken“ herausgegeben, bei dem in relativ kurzer Zeit 50.000 D-Mark zusammenkamen. Der Entwurf des Brunnens stammt von Bildhauer Gottfried Gruner (1923-2011). Aus steinernen Kugeln und Quadern aus feldgrauem, allseits poliertem Fichtelgebirgsgranit entwickelt sich aus einer Grundplatte in Form eines stilisierten Hufeisens, dem Wappen der Stadt Leinfelden, eine abstrakte Skulptur aus tragenden und lastenden Formen, die zum einen an die Geschlossenheit einer Ortsgemeinschaft erinnert, gleichzeitig aber auch für die Offenheit der Leinfeldener Bürger spricht. Aus fünf Metern Höhe fließt das Wasser hinab in das Wasserbecken, in dem eine Inschriftenplatte auf die Stadterhebung und die Bürgerstiftung verweist. Der ursprünglich angedachte Platz für den Brunnen – in der Nähe des Kinderspielplatzes im neuen Stadtpark – wurde zugunsten der besseren Ansicht vor der heutigen IK-Realschule aufgegeben. Realisiert und eingeweiht wurde der Brunnen aber erst zur 700-Jahrfeier der Stadt Leinfelden im Juli 1969.

Adresse:
Stuttgarter Str. 65/1
70771 Leinfelden-Echterdingen

Einweihung des Stadtbrunnens
Einweihung des Stadtbrunnens am 11. Juli 1969 mit Bürgermeister Eckhard Laible und dem Künstler Gottfried Gruner

Station L 12: Katholische Kirche Sankt Peter und Paul

Leinfelden war seit der Reformation ein rein evangelisches Dorf. Erst mit dem Anwachsen der Gemeinde Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts nahm die Zahl der Leinfelder Katholiken stetig zu. Einen enormen Zuwachs erfuhr die Leinfelder Katholikengemeinde, die aus Ermangelung einer eigenen Kirche bis 1944 den Gottesdienst in Vaihingen besuchte, nach dem Zweiten Weltkrieg durch die Aufnahme von katholischen Heimatvertriebenen aus Ungarn und dem Sudetenland.

Im Jahr 1956, nachdem man zehn Jahre lang auf die Mitnutzung der evangelischen Gotteshäuser in Leinfelden und Musberg angewiesen war, entschied sich die Katholische Gemeinde Leinfelden zur Errichtung einer eigenen Kirche. So erbaute man 1957 im Weilerwald eine moderne, glockenturmflankierte Saalkirche mit Obergadenbelichtung, geradem Chorabschluss und großem Chor- und Portalfenster. Mosaizierte, farbexpressive Betonglasfenster des Leinfelder Künstlers Otto Habel ergänzten die Fensterausstattung im Bereich der rechten Längswand. Am 27. April 1958 wurde der Kirchenneubau durch Weihbischof Wilhelm Sedlmeier offiziell als „St. Peter und Paul“ geweiht.

Um den Gottesdienst entsprechend der neuen liturgischen Form „versus populum“ (dem Volk zugewandt) zelebrieren zu können, verlegte man 1967/68 den Altarbereich in die Mitte des Chores. Neben der Neugestaltung des Eingangsbereichs durch Otto Habel erneuerte man zudem die schlichthölzerne Kirchenausstattung durch Granit- und Bronzearbeiten des Musberger Bildhauers Gottfried Gruner.

1980 wurde eine zweimanualige und 12-registrige Orgel der Firma Kopetzki angeschafft; für das bisherige Portalfenster schuf Otto Habel eine abstrakte Betonglas-Variante, die im Jahr 1985 unter dem Titel „Pfingstwunder“ eingeweiht wurde. 1992 positionierte man im Chorraum einen neuen, nun ebenfalls aus Granit gefertigten Taufstein von Gottfried Gruner. In selben Jahr installierte man auch den Zyklus der goldenen Kreuzweg-Mosaike an der linken Längswand, den Otto Habel bereits 1961 – ursprünglich für St. Eberhard in Stuttgart – geschaffen hatte. 1996 wurde das Chorfenster des Altarraums durch ein abstrakt bemaltes Fensterwerk der Musberger Malerin und Glaskünstlerin Erika Megyeri („Akire“) ersetzt.

Adresse:
Dornbuschweg
70771 Leinfelden-Echterdingen

Katholische Kirche St. Peter und Paul
Katholische Kirche St. Peter und Paul, um 1960