Kreide, Staffelei, Wohnzimmer: Stadtarchiv zeigt Noldas Lebenswerk
Mit großem Besucherinteresse wurde am vergangenen Freitag die Sonderausstellung „100 Jahre Helmut Nolda. Autodidaktische Kunst zwischen Alltag, Politik und Gesellschaft" im Stadtarchiv eröffnet. Zahlreiche Gäste und die Familie des 2015 verstorbenen Echterdinger Künstlers waren gekommen.
Kunst als Ausgleich zum Beruf
Bürgermeister Dr. Carl-Gustav Kalbfell eröffnete die Ausstellung und zeichnete zentrale Stationen aus Noldas Leben nach. Der promovierte Agrarökonom, langjährige Geschäftsführer der Landsiedlung Baden-Württemberg und engagierte Sozialdemokrat widmete sich neben seinem Beruf jahrzehntelang intensiv der Kunst. Kalbfell betonte zudem die Bedeutung von Kultur für eine freie, demokratische Gesellschaft – gerade in Krisenzeiten komme ihr eine wichtige Funktion zu.
„Seine Farben werden nie verblassen"
Einen persönlichen Einblick gab Tochter Ute Nolda: Nach dem Tod ihres Vaters fand die Familie einen Zettel mit dem Satz „Seine Farben werden nie verblassen". Wer ihn geschrieben hat, ist bis heute unbekannt – die Zeile wirkt elf Jahre später, mit der Ausstellung, umso berührender.
Sohn Christof Nolda erzählte vom künstlerischen Alltag seines Vaters: Ein eigenes Atelier gab es nicht, die Staffelei stand im Wohnzimmer. Dort arbeitete Nolda abends an seinen farbstarken Kreidebildern, während die Familie las, fernsah oder strickte. Auch der Geruch des Fixiersprays, mit dem die Kreideschichten fixiert wurden, gehört bis heute zu den Erinnerungen an Vater und Zuhause.
Rund 30 Werke aus dem Nachlass
Die Ausstellung zeigt etwa 30 Kreide- und Temperabilder aus verschiedenen Schaffensphasen – Arbeiten zu Alltag, Politik und Gesellschaft, ergänzt durch frühe Landschaftsstudien, Porträts und Abstraktes. Die farbintensiven, oft humorvollen Bilder zeigen Noldas eigenständigen Blick auf seine Zeit. Die meisten Exponate stammen aus dem Nachlass, den Tochter Ute Nolda 2025/2026 dem Stadtarchiv geschenkt hat.


