Ärztliche Versorgung in Leinfelden-Echterdingen im Blick Noch stabil – aber die Praxen brauchen Zukunftspläne
Im vergangenen Jahr hat ein von der Stadt Leinfelden-Echterdingen beauftragtes Fachunternehmen Gespräche mit örtlichen Hausärztinnen und Hausärzten sowie Kinder- und Jugendärztinnen und -ärzten geführt. Ziel war es, die aktuelle Versorgungslage zu analysieren, bestehende Herausforderungen herauszufinden und mögliche Ansätze für die Sicherung der ambulanten medizinischen Versorgung zu erörtern.
Insgesamt wurden 13 Praxen angesprochen, darunter elf hausärztliche Praxen (Einzel- und Mehrbehandlerpraxen, in denen mehrere Ärzte ihre Patienten versorgen und die Infrastruktur gemeinsam nutzen) sowie zwei kinder- und jugendärztliche Praxen. Die Gespräche fanden in offener und konstruktiver Atmosphäre statt. Insgesamt wurde das kollegiale Miteinander unter den Ärztinnen und Ärzten positiv hervorgehoben.
Hinter der Erhebung steckt die Firma Diomedes, deren Geschäftsführer Dr. Martin Felger die Ergebnisse kürzlich den Mitgliedern des Verwaltungs-, Kultur- und Sozialausschusses vorstellte.
Aktuelle Versorgungslage
Die medizinische Versorgung in Leinfelden- Echterdingen ist seiner Einschätzung nach derzeit insgesamt noch ausreichend. Allerdings zeigten sich bereits Unterschiede innerhalb der Stadt sowie zunehmende Ärztliche Versorgung in Leinfelden-Echterdingen im Blick Noch stabil – aber die Praxen brauchen Zukunftspläne Belastungen, insbesondere im kinder- und jugendärztlichen Bereich. Dort werden vermehrt Patientinnen und Patienten aus dem Umland versorgt. In den angrenzenden Planungsbereichen ist die Versorgungslage teils bereits angespannt.
Ein übergeordnetes Thema ist die Altersstruktur der Ärzteschaft: Ein erheblicher Anteil der Hausärztinnen und Hausärzte in Baden-Württemberg ist über 60 Jahre alt, viele davon stehen kurz vor dem Ruhestand. Gleichzeitig gestaltet sich die Nachfolgesuche, vor allem bei Einzelpraxen, als schwierig. In nahezu allen Gesprächen wurde nach Worten Dr. Felgers der zunehmende Mangel an medizinischen Fachangestellten (MFA) angemerkt.
Zu schaffen machen auch der eingeschränkte Zugang zu Facharztterminen sowie die steigenden bürokratische Anforderungen, die Ärzte und Mitarbeiter in den Praxen belasten. Ein Problem sei außerdem der Bedarf an geeigneten Praxisräumen bei gleichzeitiger Sorge über steigende Mietkosten.
Generell gibt es in Baden-Württemberg den Trend, dass immer mehr Ärzte sich in Praxen anstellen lassen, anstatt diese selbst zu führen. Das zeigt sich auch in LE, wo noch die Hälfte der Praxen von „Einzelkämpfern“ geführt wird.
Unterschiedliche Praxistypen und Perspektiven
Bei den hausärztlichen Praxen lassen sich der Erhebung zufolge zwei Gruppen unterscheiden. Da gibt es zum einen Mehrbehandlerpraxen mit unternehmerischer Ausrichtung, von denen sich manche gerne vergrößern würden. Hier besteht der Erhebung zufolge teils konkreter Bedarf an größeren oder moderneren Räumlichkeiten in der Stadt.
Dann gibt es aber auch Einzelpraxen – meist mit älteren Praxisinhabern – bei denen die Nachfolge vielfach ungeklärt ist. „Zusammenschlüsse zu größeren Einheiten werden von diesen überwiegend nicht als Option gesehen“, so Dr. Felger.
Die kinder- und jugendärztlichen Praxen arbeiten zum anderen überwiegend in Mehrbehandlerstrukturen und haben ein überörtliches Einzugsgebiet. Die Versorgung in Leinfelden-Echterdingen ist aktuell noch gesichert, wobei es Unterschiede zwischen den einzelnen Stadtteilen gibt. Der Fachkräftemangel im Umfeld wirkt sich jedoch zunehmend aus, so ein Ergebnis der Untersuchung.
Experte empfiehlt Unterstützung
Aus den Gesprächen ergeben sich mehrere Ansatzpunkte. So wird das gezielte Ausloten von Flächenbedarfen und Standortwünschen bei expandierenden Praxen empfohlen. Außerdem sind Unterstützungs- und Beratungsangebote bei Praxisnachfolgen und eine frühzeitige Abstimmung bei möglichen Praxisschließungen gewünscht. Vorgeschlagen werden außerdem die Einrichtung eines „runden Tisches“ mit Kinder- und Jugendärzten, gemeinsame Strategien zur Gewinnung von medizinischen Fachangestellten sowie die Prüfung von Optionen für neue Praxisflächen, Ärztehäuser oder Gesundheitszentren.
Das Modell einer genossenschaftlich organisierten medizinischen Versorgungszentrumsstruktur (MVZ eG) wird von den befragten Praxen überwiegend nicht als geeignet für Leinfelden-Echterdingen angesehen.
Situation noch gut, aber bedarfsorientierte Planung angehen
„Die Gespräche zeigen, dass die ambulante medizinische Versorgung in Leinfelden- Echterdingen aktuell noch tragfähig ist“, so das Fazit von Dr. Felger. Die Stadt stehe jedoch mittelfristig vor strukturellen Herausforderungen. Er empfiehlt eine frühzeitige, kooperative und bedarfsorientierte Planung, um die ärztliche Versorgung auch künftig nachhaltig sicherzustellen.


