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Trauerfeier für Ehrenbürger Dr. Hans Huber in der Stephanuskirche Würdiger Abschied von einem Echterdinger Original

Mit einer Trauerfeier in der bis zum letzten Platz gefüllten Echterdinger Stephanuskirche sowie dem anschließenden Trauerzug zur letzten Ruhestätte auf dem Echterdinger Friedhof hat sich Leinfelden-Echterdingen am Mittwoch von einem ganz besonderen Menschen verabschiedet: Dr. Hans Huber.

Große Trauerfeier in einer Kirche mit vielen sitzenden Gästen, Blumenkränzen und Urne vor dem Altar.
Foto: Bergmann

Und das „mit tiefer Dankbarkeit und auch mit einem leisen Lächeln. Mit jenem feinen, zugewandten Lächeln, das ihm selbst so eigen war, wenn er dem Leben begegnete“, sagte Otto Ruppaner in seiner Trauerrede. Fast ein Jahrhundert habe er durchschreiten dürfen. Ein Jahrhundert voller Brüche und Aufbrüche, voller Herausforderungen und Möglichkeiten, persönlicher wie gesellschaftlicher Art. „Dr. Hans Huber hat dieses Jahrhundert nicht nur erlebt – er hat es mitgestaltet“, so der Oberbürgermeister.

Dieses Lächeln, von dem Ruppaner sprach, blitzte auch in den Worten von Georg Nicolaus durch. Dr. Huber sei gerne mit dem Fahrrad unterwegs gewesen“, sagte er, „und vielleicht hat auch hier jemand von ihnen das rechte Hosenbein ein wenig hochgekrempelt“, so der Pfarrer. Er erinnerte sich an die ersten Begegnungen mit dem Verstorbenen und an sein Gefühl, „dass er die Punkte abgeklopft hat, über die man sich streiten kann“. Im Gespräch mit der Familie habe er ein Wort herausgehört, das den Menschen Huber beschreibe: „lebensgierig“.

Dr. Eberhard Wächter ging in seinem Nachruf im Namen des Gemeinderats, der Freien Wähler LE und der Landsmannschaft Ulmia auf den Werdegang und die Hobbys von Dr. Huber – darunter Skat- und Gitarrenspiel sowie das Segelfliegen – ein. „Er hatte seinen eigenen Kopf, war aber gesellig“, so Dr. Wächter.

Kommunalpolitiker mit langem Atem

Schwarz-weiß-Foto eines älteren Mannes mit Bart, Flatcap und Anzug, der in die Kamera blickt.
Archivfoto: Bergmann

Das kommunalpolitische Wirken von  Dr. Huber begann 1962 im Alter von 36 Jahren. „Das mache ich jetzt mal ein paar Jahre“, soll er damals gesagt haben. Aus diesen „paar Jahren“ wurden 56 Jahre ununterbrochener Gemeinderatstätigkeit – eine Lebensleistung, die ihresgleichen sucht. Dr. Hans Huber war der dienstälteste Stadtrat Deutschlands.

Für dieses außergewöhnliche kommunalpolitische Engagement wurde ihm eine besondere Ehre zuteil: Als erstem überhaupt wurde ihm das Verdienstabzeichen in Gold mit Lorbeerkranz und Brillanten verliehen – die höchste Auszeichnung, die der Städtetag Baden-Württemberg zu vergeben hat. Doch das war bei weitem nicht die einzige Auszeichnung, die ihm verliehen wurde. Am 12. Juli bekam er aus der Hand von Roland Klenk die Ehrenbürgerwürde von Leinfelden-Echterdingen verliehen. Für den Oberbürgermeister a.D. damals nach eigenem Bekunden ein außergewöhnlicher Abend, „denn diese Auszeichnung ist sehr selten“.

Zeitverschwendung als Gräuel

Dr. Huber hat tiefe Spuren in der Stadt und darüber hinaus hinterlassen. Das wird deutlich, wenn man in den Archiven nach Beiträgen über den ehemaligen Stadtrat sucht. Der Verstorbene hat sich nie gescheut, seine Meinung offen und ehrlich zu sagen. In einem Interview mit der dpa anlässlich seines Abschieds als dienstältester Stadtrat  bezeichnete Dr. Huber das Durchsetzen des Nachstartverbots am Landesflughafen im Jahr 1967 als „großen Schritt gegen den Fluglärm auf den Fildern“. Die Verlängerung der Startbahn sei für ihn jedoch ein Schock gewesen.

Auch auf die Frage, was ihm die Gemeinderatstätigkeit verleidet hätte, hielt er mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg. Das sei das „unnötige Palaver von unbedarften Gemeinderäten, die ihren Senf dazugeben, wenn alles gesagt ist.“ Zeitverschwendung sei ihm ein Gräuel.

Weggefährten äußern sich

Schaut man auf die Äußerungen von langjährigen Weggefährten und Begleitern aus der Kommunalpolitik, dann wird der facettenreiche Charakter des verstorbenen Ehrenbürgers deutlich. Norbert J. Leven, als Journalist und Chef der Filder-Zeitung langjähriger Wegbegleiter von Dr. Hans Huber, bezeichnete ihn als „Meister des perfektionierten Nuschelns und sprach von einem Mysterium  – nicht nur für Journalisten.

„Er traut sich, anders zu sein. Er ist nicht grün, nicht rot, nicht schwarz – möchte nur manchmal grün sein“, wird Ingrid Grischtschenko im Amtsblatt im Dezember 2017 anlässlich des 55-jährigen Gemeinderats-Jubiläums im Amtsblatt zitiert und ergänzt, dass Dr. Huber immer noch mit großer Lust den Mainstream in Frage stelle.  Dr. Joachim Beckmann attestierte dem Mediziner „über 50 Jahre unentwegten Wahlkampf“ und dass er nach der Sprechstunde „nach seinen Bürgern schaue, egal, ob groß oder klein, Männer oder Frauen, alt oder jung“. Rainer Häußler erinnerte sich daran, dass Dr. Huber zu seiner großen Freude am Abend nach einer Klausurtagung einen Schnaps reichen konnte – zusammen mit einer Knoblauchzehe.

Eva Noller, ehemalige Erste Bürgermeisterin, bescheinigte Dr. Huber geradeheraus und nicht nachtragend zu sein, selbst wenn es in einer Sitzung einmal hoch her gegangen sei. Der damalige und heutige Bürgermeister Dr. Carl-Gustav Kalbfell äußerte sich bei dieser Jubiläumsfeier folgendermaßen: „Bewundernswert ist seine Schaffenskraft nicht nur als Arzt und Gemeinderat, sondern als maßgebliche Triebfeder in zahlreichen weiteren Initiativen und Vereinigungen.“ Er nannte in diesem Zusammenhang die Gründung des Philipp-Matthäus-Hahn-Gymnasiums, die Rettung der Gaststätte Ochsen und sein Engagement als Vorsitzender des Fördervereins des Stadtmuseums.

Dr. Huber hatte sich nicht nur in der Kommunalpolitik engagiert. Es war vor allem die Geschichte von Echterdingen, der er sich mit Leib uns Seele verschrieben hat  – auch als Buchautor und als Protagonist in Videos zu Echterdinger Bauten (siehe Übersicht unten).

Jung gebliebener Geist

Das hohe Ansehen, das Dr. Huber Zeit seines Lebens genossen hat, wurde bei der Trauerfeier deutlich. Der Trauerzug im Anschluss an den Gottedienst zu seinem Grab  auf dem Echterdinger Friedhof war lang.
Ein würdiger Abschied. „Möge uns sein jung gebliebener Geist noch lange begleiten“, so Ruppaner am Ende der Trauerfeier.

Trauerrede von OB Otto Ruppaner (PDF, 83,4 KB)

Wichtigste Ehrungen und Auszeichnungen

  • 1982: Silberne Ehrenmedaille des Gemeindetags Baden-Württemberg
  • 1987: Bundesverdienstkreuz am Bande
  • 2004: Ehrung der Stadt für 40 Jahre Gemeinderatstätigkeit
  • 2011: Verleihung Bundesverdienstkreuz 1. Klasse
  • 2012: Ehrung des Städtetags BW für 50 Jahre Gemeinderatstätigkeit,  Überreichung des Verdienstabzeichens in Gold mit Lorbeerkranz und Brillant im Jahr 2014
  • Ehrung der Stadt für 56 Jahre Gemeinderatstätigkeit
  • 2019 Verleihung des Ehrenbürgerrechts der Stadt LE