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In die Karten geschaut

Europas größte öffentliche Spielkartensammlung können Sie im Archiv des Deutschen Spielkartenmuseum ansehen: Über 20.000 Kartenspiele mit mehr als einer Million Einzelkarten aus sieben Jahrhunderten und allen fünf Kontinenten, dazu Kartenpressen, Spieltische und eine umfangreiche Spezialbibliothek.



Einen breiten Raum in der Sammlung nehmen die Lehr- und Wahrsagekarten ein. Besonders die Sammlung der asiatisch-indischen Spielkarten gilt als die umfassendste und schönste weltweit.

In wechselnden Ausstellungen, die mittlerweile alle im Stadtmuseum Leinfelden-Echterdingen (Stadtteil Echterdingen) gezeigt werden, geben die bunten Kartenbilder Zeugnis über das kulturelle und historische Geschehen, aber auch über die Geschichte der handwerklichen und industriellen Herstellung ihrer Entstehungszeit. Ein alltäglicher Gegenstand wird so zu einem faszinierenden Spiegel der Vergangenheit und Gegenwart. 2005 bekam das Museum die Auszeichnung „Besondere Sehenswürdigkeit der Region Stuttgart“.

Spielkartenausstellung zur IPCS-Tagung: „Majestäten, Fürsten, Präsidenten“

Maria Stuart und Heinrich VIII., Königin Viktoria und Friedrich der Große – beim Kartenspiel werden Herrscherhäuser in eine neue Ordnung gebracht. Auch wenn der König als starkes Motiv seit je die Spielkarte bestimmt. Den „Majestäten, Fürsten, Präsidenten“ widmet sich die neue Ausstellung des Deutschen Spielkartenmuseums im Stadtmuseum.

„Regierungen kommen und gehen – als Kartenkönige bleiben sie bestehen“, so der Untertitel, und in der Tat zeigen die bis zu 150 Jahre alten Bridge-, Canasta-, Skat- oder Tarotkarten Kartenkönige im Porträt oder aber als typisierte Figur – der „böse“ König, die „gute“ Königin.

Bei blauem Blut bleibt es nicht. Präsidenten und Staatsoberhäupter, als Karikatur oder fotografisch festgehalten, haben genauso Eingang gefunden ins Kartenspiel der Untertanen. Monarchie, Kommmunismus, Diktatur: gekartelt hat das Volk immer,  und mit der „Hohenzollernkarte“ oder beim „Royal Flush“ konnte man „die da oben“ endlich mal so richtig auf den Tisch knallen …

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Was auffällt: Viele dieser Karten sind nicht halbiert, sie zeigen die Majestäten in vollem Ornat von oben bis unten. Erst seit Mitte des 19. Jahrhundert tauchen „halbierte“ Karten auf, bestätigt Dr. Annette Köger, die Leiterin des Deutsches Spielkartenmuseums. Die schlichte Erklärung: damit das Mischen schneller vonstatten geht, man also die Karten nicht umständlich umdrehen muss.

„Das Tolle an Spielkarten ist, dass sie immer auch ein Zeugnis von Historie und kulturellen Unterschieden sind“, sagt Erste Bürgermeisterin Eva Noller. Sie kennt sich aus im „House of Cards“: „Ich komme aus einer Binokel-Familie“.

Die Exponate stammen aus der Sammlung des Spielkartenmusems sowie der privaten Wehrheimer Sammlung von Kay Stolzenburg. Auch Brettspiele und Bilder zum Thema sind zu sehen. Zur Ausstellung erscheint ein  Katalog von Dr. Köger und Kay Stolzenburg.

Die Eröffnung der Ausstellung findet im Rahmen der Tagung der International Playing Card Society (IPCS) statt, die nach 1975 und 1990 bereits zum dritten Mal in Leinfelden-Echterdingen, am Ort der europaweit größten öffentlichen Spielkartensammlung stattfindet. Preziosen der Sammlung werden zur IPCS-Tagung denn auch im DSM-Schaudepot zu sehen sein. Vorträge, eine Tauschbörse, eine Auktion, natürlich ein Spieleabend sowie ein Besuch im Landesmuseum Stuttgart stehen auf dem Programm der Tagungsteilnehmer, die aus ganz Europa, aus Brasilien und den USA anreisen. Sitz der IPCS ist London.

  • Öffentliche Ausstellungseröffnung ist am Samstag, 29.9., 18 Uhr, Stadtmuseum Echterdingen. Geöffnet sonntags, 10.30-12.30 Uhr und 14.30-17.30 Uhr. Eintritt frei. Die Ausstellung läuft bis 27.1.2019.

Zur Besichtigung für Einzelbesucher und Gruppen – auch im Rahmen einer Gästeführung – bitten wir um telefonische Voranmeldung unter: 0711 75 60 120.


  • S-Bahnen S2 und S3, Stadtbahn U5: Haltestelle „Leinfelden“
  • Buslinien 35 und 36: Haltestelle „Spielkartenmuseum“
  • PKW: Parkmöglichkeiten vor dem Haus