Gemäßigte Temperaturen bescheren den Bauern in LE eine tolle Krauternte Ausfall des Krautfests trübt Stimmung beim Krautstart

Als der Augsburger Bertold Brecht 1932 sein Bühnenstück „Die Rundköpfe und die Spitzköpfe“ schrieb, hat er mit Sicherheit nicht an die Filder gedacht, obwohl es dort bei der alljährlichen Krauternte von Rund- und Spitzköpfen nur so wimmelt. Am Donnerstag, 16. September, hat Echterdingens Neuer Erster Bürgermeister Benjamin Dihm in der Gemüsehalle des Echterdinger Aussiedlerhofs von Hans Bayha offiziell die Krauternte eröffnet.

Gruppe Menschen auf einen Krautacker
Beim Krautstart dabei (von links): Thomas Stierle, Yvonne Legner, Bernhard Heinzmann, Dominique Weig, EBM Benjamin Dihm und Ralf Schröder | Foto: Bergmann

Mit dabei: Landwirte aller Stadtteile, Vertreter der Vereinsringe Echterdingen und Leinfelden, der Bürgergemeinschaft Oberaichen und der Dorfgemeinschaft Musberg. Dass er sich bei seiner Premiere beim vom Stadtmarketing organisierten Krautstart mit dem langen Erntemesser in die Finger schnitt, ertrug der Nachfolger von Eva Noller mit Nonchalance. Ein stattlicher Spitzkrautkopf, die Basis für leckeres Sauerkraut, Krautsalat, Krautwickel oder den legendären Krautkuchen war sein Trostpflaster. Das Filderkraut, seit 2012 eine europäisch geschützte Marke, werde seit rund 500 Jahren angebaut und sei „ein Wohlstandsfaktor für die Bevölkerung auf den Fildern.“ Für die Landwirtschaft, sagte Dihm, sei es bis heute ein wichtiges und besonderes Produkt.

Gruppe Menschen in einem Bauernhof
Gastgeberfamilie Bayha mit EBM Benjamin Dihm | Foto: Bergmann

Mit der Krauternte zeigten sich die anwesenden Filderbauern zufrieden, denn das Wetter habe in diesem Jahr mitgespielt. „Es gibt viel Kraut mit großen Köpfen“, sagte Hans Bayhas Frau Esther. „Für das Kraut war das Wetter optimal. Es darf nicht zu heiß sein, weil ihm Hitze Stress bereitet“, sagte Uwe Beck, der auf seinem Hof Milchkühe hält und unter anderem Kraut und Kartoffeln anbaut. Die Temperaturen seien gemäßigt gewesen, und es habe viel geregnet: „Deshalb haben wir nur einmal künstlich beregnen müssen.“

In heißen Sommern schlage sich das  viele Beregnen natürlich auf  den Krautpreis nieder. „Bis jetzt nehmen die Kunden dies aber noch gelassen hin“, sagte Uwe Beck. Das Rundkraut werde mit dem Vollernter geerntet, das Spitzkraut, aller Mechanisierung der Landwirtschaft zum Trotz, immer noch in Handarbeit. Dass der Klimawandel dem Krautanbau auf den Fildern das Ende bereiten könnte, will er nicht akzeptieren und dagegenhalten: „Dass es einmal so heiß werden wird, kann ich mir nicht vorstellen.“ Eines steht für ihn und seine Kollegen fest: Die Krauternte 2021 fällt besser aus als diejenige im vergangenen Jahr als es deutlich wärmer war.

EBM hobelt Spitzkraut
EBM Dihm beim Spitzkrauthobeln | Foto: Bergmann

Wer gerne Kraut in allen Zubereitungsformen isst, der kommt in diesem Jahr also auf seine Kosten. Damit ist aber auch schon Schluss mit den guten Nachrichten. Normalerweise ist der Krautstart die Einstimmung auf das etwa einen Monat später stattfindende Krautfest, das es seit 1979 in Leinfelden-Echterdingen gibt.  Im vergangenen Jahr musste das Straßenfest wegen der Corona-Pandemie ausfallen. Es wurde durch ein digitales Krautfest, in dem die Vereine und die ehrenamtlichen Akteure die Hauptrolle spielten, ersetzt. So wurde die Krauthocketse zur Krautguggetse. „Im Jahr 2021 wird es weder ein Krautfest in Form des traditionellen Straßenfestes, noch ein digitales Krautfest geben“, kündigte Angelika Goldak, die Leiterin der Stabsstelle für Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing an.

Dies habe die Krautfestrunde wegen der Corana-Verordnung des Landes, die am 16. September in Kraft getreten ist, entschieden. Stattdessen werde man die Bevölkerung in LE und in der Region „Im Krautigen Oktober“ durch Aktionen auf die Filder-Spezialität hinweisen. Zu den Glanzlichtern zählen laut Angelika Goldak Versandboxen mit Krautpaketen und ein Rezeptbuch der Kinder des Vereins Echterdinger Tracht.

Gruppe Menschen in einem Bauernhof
EMB Dihm und Wirtschaftsförderin Angelika Goldak mit Landwirten im Hof der Bayhas | Foto: Bergmann

Wer mehr über den „Krautigen Oktober“ erfahren will, der wird im Internet unter www.myle.de fündig. „Der Ausfall des Krautfestes in für die Vereine ein großes finanzielles Problem, bilanzierte Thomas Stierle, der Vorsitzende des Vereinsrings Echterdingen. Man werde gemeinsam mit der Werbegemeinschaft überlegen, wie man das Beste aus dieser Situation machen könne. „Es ist einfach noch zu früh, etwas Konkretes zu sagen, sagte Stierle.