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Vorstudie für Nord-Süd-Straße

Vor allem Leinfelden und Echterdingen sind durch den starken Verkehr belastet. Tagtäglich fahren Tausende Fahrzeuge durch den Ort. Mit dem Mobilitätskonzept sollen die Menschen dazu bewogen werden, in Busse und Bahnen umzusteigen, das Fahrrad zu nehmen oder auch einmal zu laufen. Doch das wird nach Ansicht von Eva Noller nicht ausreichen. „Ich glaube inzwischen“, so die Baubürgermeisterin in der jüngsten Sitzung des Technischen Ausschuss, „dass wir die Nord-Süd-Straße brauchen“.

Foto: Krämer

Das nördliche Teilstück der Umfahrung – die an Leinfelden vorbeiführende Osttangente – könnte 2026 freigegeben werden. Damit würde das Gewerbegebiet besser angebunden, aber auch Leinfelden inklusive des Neubaugebiets Schelmenäcker zumindest ein Stück weit entlastet werden. Wo diese Straße verlaufen und wie sie gestaltet werden soll, wurde von Mitarbeitern des Büros TKK aus Karlsruhe im Technischen Ausschuss vorgestellt.

Demnach wird die 1,3 Kilometer lange Strecke mit einem Kreisverkehr an die Maybachstraße am Ortseingang von Leinfelden angebunden und zwischen dem Sportpark Goldäcker und dem Ortseingang von Leinfelden auf die Echterdinger Straße treffen. Ein Kreisverkehr ist ebenfalls für den Anschluss an die Max-Lang-Straße geplant, die Daimlerstraße würde mit einer Ampelkreuzung angeschlossen werden. Mit rechts und links gepflanzten Bäumen soll die Straße einen Alleencharakter bekommen, zudem auf der Westseite einen Gehweg und auf der Ostseite einen Radweg. Eine Hecke mit Wildgehölzen ist als Abgrenzung zum Gewerbegebiet hin angedacht.

Ampel oder Kreisel?

Unklar ist noch, ob die Osttangente über eine Ampelkreuzung oder einem Kreisel an die Echterdinger Straße angeschlossen wird. Denn das hängt davon ab, ob die Umgehungsstraße in Richtung Süden verlängert und dadurch zur seit Jahrzehnten diskutierten Nord-Süd-Straße wird. Ein Konzept dazu wurde in der gleichen Sitzung von den Planern des Büros brenner BERNARD vorgestellt. Die Ingenieure hatten vier Möglichkeiten geprüft, wo diese Fortsetzung in Richtung der nach Steinenbronn führenden L1208 verlaufen und wie sie die Ortskerne entlasten könnte.

Dabei hat sich nach Ansicht der Planer die Variante als beste Lösung herauskristallisiert, die das Tal auf einem Damm – der gleichzeitig als Rückhaltebauwerk für den Hochwasserschutz genutzt werden könnte – quert und etwa auf Höhe der Bushaltestelle Kelterrain mittels eines Kreisverkehrs in die L1208 mündet. Auch der Sportpark Goldäcker und das Kulturforum könnten an die angedachte Verbindung angeschlossen werden. Die Trasse, die etwa in der Flucht der Osttangente verlaufen würde, minimiere den Eingriff in die Landschaft und wäre auch die kostengünstigste Lösung.  Genau überlegt werden muss jedoch die Verknüpfung mit der Echterdinger Straße, die von Stadträten auch als „Horrorkreuzung“ bezeichnet wurde. Schließlich würden hier zwei viel befahrene Straßen aufeinandertreffen.

Die Planer gehen durch die Nord-Süd-Straße von einer deutlichen Entlastung von Musberger, Tübinger und Echterdinger Hauptstraße aus. Hier waren 2014 täglich rund 13.000 Fahrzeuge unterwegs, mit einer Nord-Süd-Straße wären dies der Prognose zufolge im Nordteil der Echterdinger Hauptstraße 9.600 Kfz, im Südteil 7.100. Eine neue Verkehrszählung soll nach Worten von Noller aktuelle Zahlen liefern.

Unterschiedliche Reaktionen bei den Stadträten

„Wir gehen bei dem Plan mit“, sagte Walter Vohl, der überzeugt davon ist, dass diese Variante Entlastung für die Ortskerne bringt. Allerdings dürfe man nach Ansicht des Stadtrats der Freien Wähler/FDP-Fraktion wegen des Grundwassers im Grünland nicht zu tief gehen. Auch für den SPD-Fraktionschef Erich Klauser ist die vorgestellte Variante die einleuchtendste. Allerdings sei der Damm nicht ideal, zudem müsse in Musberg dann über Tempo 30 oder 40 nachgedacht werden, damit die Autofahrer die Nord-Süd-Straße nutzten. Die CDU-Fraktionsvorsitzende Ilona Koch sprach von einer überzeugenden Variante. Wolfgang Haug (FW/FDP) freute sich, dass die lange Blockade nun ein Stück weit aufgelöst würde.

Auf die Bremse stieg jedoch Ingrid Grischtschenko. „Was lange währt, wird nicht immer gut“, so die Grünen-Fraktionschefin, die den Südteil der Umgehung als „ganz verkehrt“ bezeichnete. Sie hält die Topografie für schwierig und befürchtet, dass die Frischluftzufuhr für Echterdingen durch den Straßendamm schwieriger wird. „Das Versprechen, die Ortskerne zu entlasten, können Sie nicht einhalten“, so die Grünen-Chefin in Richtung der Planer. Überlegt werden müsse vielmehr, wie eine Reduzierung des Verkehrs auf den bestehenden Straßen erzielt werden könne.

Ein wenig Skepsis kam auch bei Jens Zellmer (SPD) auf. „Wo Straßen sind, wird Verkehr angezogen“, der zwar ebenso diese Variante bevorzugt, aber den Einfluss auf das Wiesental sieht. „Wir haben kürzlich über eine Aufwertung des Gebiets auch für die Natur gesprochen“, so Zellmer.

EBM Noller betonte, dass es sich bei der Konzeptstudie um eine reine Verkehrsplanung handele. Die Belange des Naturschutzes seien noch nicht überprüft worden. Auch eine neue Verkehrszählung ist geplant, um aktuelle Daten zu bekommen. Bisher wird mit Zahlen von 2014 gearbeitet. „Die Entlastung der Echterdinger Hauptstraße ist schon etwas wert“, so Noller. Und das zum einen, um die Anwohner vor Lärm und Abgasen zu schützen, zum anderen aber auch, um die Einzelhändler zu unterstützen. Die tun sich mit nach ihren Worten mit zu viel Verkehr schwer.