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Spaziergang zu den 8000 Jahre alten Funden in den Schelmenäckern Spuren der ersten Filder-Bauern beschäftigen die Archäologen

Man muss schon sehr genau hinsehen, um die Muster im Boden zu erkennen. Es sind dunkle Verfärbungen, die sich von der umgebenen hellbraunen Erde unterscheiden. Doch was ein Laie kaum bemerken wird, lässt Archäologen den Plan einer jungsteinzeitlichen Siedlung rekonstruieren.

Spuren der ersten Filder-Bauern beschäftigen die Archäologen
Foto: Bergmann

Seit Mitte Juni sind die Wissenschaftler auf den Schelmenäckern bei der Arbeit, bergen und dokumentieren 8.000 Jahre alte Spuren und Funde aus der Jungsteinzeit. Bei einem Stadtspaziergang konnten sich kürzlich zahlreiche Bürger darüber informieren, welch spannende Entdeckungen bisher gemacht wurden.

„Städte brauchen Geschichte für Ihre Identität“, sagte die Erste Bürgermeisterin Eva Noller am Beginn der Führung. Und diese Historie reicht, wie man festgestellt hat, in LE lange zurück. Anfang der 90er- Jahre hatte man beim Bau der S-Bahn bereits erste Funde in dem Gebiet gemacht. Nun wurden im Zuge der Vorbereitungen für das Neubaugebiet Schelmenäcker weitere archäologische Untersuchungen durchgeführt, die von der Steinzeit bis ins Mittelalter blicken lassen.

In der Drohnenaufnahme sind die von den Holzpfosten der Langhäuser stammenden Strukturen im Boden deutlich zu erkennen. | Foto: Hoyer/ArchaeoBW

„Die hervorragenden Böden auf den Fildern waren ein Grund, warum damals die Menschen zusammen mit ihren Haustieren einwanderten und sich hier niederließen“, sagte Dr. Jörg Bofinger vom Landesdenkmalamt. Es war die Zeit der ersten sesshaften Bauern im Land, ergänzte er. Und was außerdem neu war: Aus Lehm und Ton wurden Gefäße hergestellt, die dieser Epoche aufgrund der typischen Verzierungen ihren Namen gaben: Bandkeramiker.

Mit Baggern war in den Wochen zuvor der Boden in mehreren großen Streifen abgegraben worden. Zum Vorschein kamen Steinwerkzeuge, Knochen von Tieren, Bruchstücke der Gefäße, aber auch jene Verfärbungen im Boden, die datiert wurden und mithilfe von am Computer bearbeiteten Drohnenbildern die Standorte von Holzpfosten aufzeigten. Daraus konnten mehrere Langhäuser rekonstruiert werden.

Die im Erdboden gefundenen Spuren der steinzeitlichen Bauern werden bald unter den Häusern des Neubaugebiets verschwinden. Die Ergebnisse der Grabungen jedoch bleiben – „und werden die Archäologen noch Jahre beschäftigen“, wie Bofinger sagte. Am Ende, so der Wissenschaftler, werde es einen Dorfgrundriss mit unterschiedlichen Häusern geben.