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Naturschutztag der Nabu-Ortsgruppe LE und Filderstadt Stadt dankt Umweltschützern 

Mit einem Reigen interessanter Vorträge im Rahmen eines Naturschutztags hat der Naturschutzbund (Nabu) Filderstadt und Leinfelden-Echterdingen am Sonntagnachmittag in der Echterdinger Zehntscheuer seinen 95. Geburtstag gefeiert. Für die Verwaltungen der beiden Filderkommunen gratulierten Leinfelden-Echterdingens Erster Bürgermeister Benjamin Dihm und sein Filderstädter Kollege Falk-Udo Beck.

Naturschutztag der Nabu-Ortsgruppe LE und Filderstadt
Foto: Stadt

„Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, die großen Ziele des Nabu in unserem Umfeld konkret umzusetzen. Das ist für uns besonders wichtig, weil wir auf der Filderebene über eine einzigartige, schützenswerte Landschaft und Artenvielfalt verfügen“, sagte Benjamin Dihm. Vor allem hob er den Einsatz des örtlichen Nabu für den Erhalt der Streuobstwiesen hervor: „Sie sind nicht nur ökologisch sehr wertvoll, sondern auch schlichtweg Teil unserer historischen und kulturellen Identität.“ Mit seiner Arbeit trage der Nabu dazu bei, dass das Bewusstsein für die Umwelt und der Schutz der Natur für die nächste Generation weitergegeben werde.

Naturschutztag der Nabu-Ortsgruppe LE und Filderstadt
Foto: Bergmann

Der Nabu sei im Arbeitskreis Umwelt neben anderen Umweltschutzverbänden schon lange ein geschätzter Partner der Stadtverwaltung in Umwelt- und Naturschutzfragen. Durch diese Arbeit sei eine Reihe toller Maßnahmen entstanden, zum Beispiel das Streuobstförderprogramm, bei dem private Streuobstwiesenbesitzer bis zu fünf Bäume pro Jahr erhalten und das Förderprogramm Leinfelden-Echterdinger Apfelsaft zur Vermarktung des Apfelsafts aus den Streuobstwiesen oder die Förderung der Mistelbeseitigung. Auch Artenschutzprogramme für das Rebhuhn, Gebäudebrüter und die Gelbbauchunke würden von der Verwaltung nach Rücksprache mit dem Umweltschutzverbänden umgesetzt. Sie brächten gute und für die künftige Arbeit motivierende Resultate. „Auch für Ihre verschiedenen Pflegeeinsätze auf Biotopflächen bedanken wir uns vielmals“, sagte Dihm. 

Als Ersatz für den an Corona erkrankten Rolf Gastel ließ der Diplombiologe Peter Endl vom Nabu die 95-jährige Geschichte des Nabu Filderstadt und Leinfelden-Echterdingen Revue passieren. „Wir leben in einem Teufelskreis aus Dürrekatastrophen, Waldbränden, Artensterben und Zerstörung von Lebensräumen durch Überdüngung“, sagte er. Es gebe aber auch Lichtblicke. So sei 1899 in Stuttgart der Vogelschutzbund, der Vorläufer des Nabu, gegründet worden. 1927 sei die Gründung der Echterdinger Ortsgruppe erfolgt, 1930 sei Filderstadt Mitglied geworden. Damals sei der Vogelschutz das oberste Ziel gewesen.

Seit der deutschen Wiedervereinigung sei der Deutsche Bund für Vogelschutz dann in Naturschutzbund mit vielfältigen Aufgaben  umbenannt worden. In einem gesonderten Vortrag hob der Biologe den Einsatz der Ortsgruppe, die nun auch eine Kinder- und Jugendgruppe gründet, für den Schutz der Gelbbauchunke hervor. Ihr Lebensraum werde durch die zunehmende Trockenheit im Klimawandel immer kleiner. Die Unke brauche Laich-Tümpel im Wald, die im wärmer gewordenen Klima immer mehr austrockneten. Aus diesem Grund habe man seit dem Winter 2019/20 in Leinfelden-Echterdingen  mehr als 200 neue Laich-Habitate in Form von Betonbecken angelegt. Weitere Schutzmaßnahmen, führte Endl aus, beträfen das Rebhuhn, mit dem Erhalt der für diese Art wichtigen Brachflächen. 

Steffen Siegel von der Schutzgemeinschaft Filder beschwor den Wert des „weltweit einmaligen“ Ackerbodens auf den Fildern, beklagte dessen Schwund, vor allem durch Flughafen, Messe und den Baumaßnahmen durch Stuttgart 21. Er plädierte leidenschaftlich für einen Baustopp auf den verbliebenen landwirtschaftlichen Flächen.