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Kommunalpolitischer Aktionstag „Schule trifft Rathaus“ Jugendliche wollen bezahlbaren Wohnraum und freies WLAN

Einen kommunalpolitischen Aktionstag „Schule trifft Rathaus“ hatte die Landeszentrale für politische Bildung initiiert. Im Februar gab es die erste Begegnung von  Schülern des PMHG und IKG mit Bürgermeister Dr. Carl-Gustav Kalbfell. Nun kam es zu einer weiteren Runde in der Zehntscheuer Echterdingen.

Sitzungssaal in der zehtscheuer Echterdingen
Foto: Bergmann

Diesmal konnten Schüler der Ludwig-Uhland-Schule und der Lindachschule SBBZ dem Sozialbürgermeister von LE Fragen stellen und ihre Wünsche für eine jugendfreundliche Stadt thematisieren.

Ein wichtiges Thema stand weit oben auf der Liste der Jugendlichen: bezahlbarer Wohnraum. „Damit legt ihr die Finger in die richtige Wunde“, sagte Dr. Kalbfell. Das betreffe alle, junge Menschen, Familien, Senioren – „wir haben da viele Verbündete“. Die Politik müsse hier die Förderung wieder aktivieren, die sie vor 15 Jahren auf Null zurückgefahren habe. Was LE betrifft, sagte er: In den Schelmenäckern werden neue Wohnungen gebaut. In der Stuttgarter Straße entsteht sozialer Wohnbau. Die Stadt überlegt die Gründung einer Wohnungsbaugesellschaft. Es sollen mehr städtische Wohnungen entstehen.

Ein weiteres großes Anliegen für die Schüler ist freies WLAN. Eine Schülerin meinte, es gebe Eltern, die nicht viel Geld haben, da sei ein Handy mit Vertrag nicht selbstver-ständlich, und frei verfügbares Netz umso wichtiger. BM Kalbfell zeigte Verständnis, schließlich gehöre das inzwischen – wie etwa Wasser und Strom – quasi zur Grundversorgung.

„Der erste Schritt ist gemacht“, sagte er und verwies auf den Bereich Neuer Markt, wo man demnächst kostenlos im Internet surfen kann (auch in der Volkshochschule). In den Stadtbüchereien sei das WLAN bereits verfügbar, ergänzte er. Auch der Zeppelinplatz in Echterdingen sei als künftiger Standort angedacht.  Daneben stünde der Digitalisierungsausbau an Schulen für die Stadt im Fokus, so Dr. Kalbfell.

Es fehle an Cafés und ähnlichen Treffpunkten für Jugendliche, bemängelte eine Schülerin. Überhaupt wäre eine größere Auswahl an Angeboten wie Kino oder Bowlingbahn in LE wünschenswert. Dr. Kalbfell verwies auf den „Segen und Fluch von Stuttgart.“ Man habe, was solche Angebote angeht, in der Landeshauptstadt eine große Konkurrenz. Kalbfell versteht die Wünsche der Jugendlichen, machte aber zugleich klar, dass die Stadt LE lediglich Rahmenbedingungen schaffen könne, etwa über das Baurecht, aber nicht selber solche Einrichtungen betreiben könne – dies sei Aufgabe der Marktwirtschaft.

Doch auch in LE tue sich etwas – z.B. entstehe ein komplett neues Jugendhaus in Leinfelden. Die Jugendgemeinderatsmitglieder Nikita Baudoux und Moritz Kemmner, die ebenfalls am Aktionstag teilnahmen, ergänzten: Neben Proberäumen für Bands und einem großen Veranstaltungsraum komme dort auch ein Jugendcafé. Dr. Kalbfell: „Wichtig ist: ihr bestimmt, ihr macht das zu eurem Haus, also bringt eure Bedürfnisse ein!“

Vielleicht besteht dort künftig auch die Möglichkeit, als Jugendlicher zu jobben, ergänzte er, denn Ferienjobs waren auch noch Thema der Gesprächsrunde. Die Stadt selbst biete zwar keine Jobs an, Möglichkeiten bestünden aber als Betreuer beim Stadtjugendring oder bei der Jugendfeuerwehr; dort bekomme man immerhin eine kleine Aufwandsentschädigung. Und sinnvoll seien solche Tätigkeiten ohnehin.