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Die Filderstudie liegt vor Die Entwicklungspotenziale interkommunal lenken

Die Filderstudie liegt vor. Die Untersuchung, die in Empfehlungen für ein „Raumbild Filder“ mündet, hatten der Verband Region Stuttgart und die im Kommunalen Arbeitskreis Filder (KAF) zusammengeschlossenen Gemeinden in Auftrag gegeben. Es geht um die „Weiterentwicklung der räumlichen Wachstumspotenziale im Filderraum“.

Der Filderraum wird für Unternehmen immer attraktiver. | Foto: Mende

Denn auf den Fildern tut sich einiges. Der prosperierende Wirtschaftsraum sorgt für Gewerbeansiedlungen, sowohl in den Kommunen als auch am Standort Airport-City (wo der Non-Aviation-Bereich, d. h. Einzelhandel, Büros und Parken, längst für Millionenumsätze sorgt). Der Grund für die Nachfrage liegt vor allem an der guten Verkehrsinfrastruktur mit Bundesstraße, Autobahn, S-Bahn und Flughafen mit künftigem ICE- und Regionalbahnhalt. Die Kehrseite sind Verkehrs- und Lärmbelastung, dazu steigende Boden- und Mietpreise.

Gleichzeitig ist der Filderraum berühmt für seine guten Böden. Die landwirtschaftlichen Flächen und die Naherholungsgebiete stehen in Konkurrenz zu weiteren Gewerbe-, aber auch Wohnansiedlungen.

Wie also können die wirtschaftlichen Entwicklungspotenziale mit den Anforderungen der Landwirtschaft und des Naturschutzes vereinbart werden? Wie soll die Filder in der nächsten Generation aussehen?

Als Grundlage für die regionalen und kommunalen Planungen sollen die Erkenntnisse aus der Filderstudie dienen. An der Entwicklung waren Akteure aus den Bereichen Politik, Wirtschaft, Mobilität, Landwirtschaft und Naturschutz beteiligt. Über eines herrschte Einigkeit: Die weitere Entwicklung sollte gelenkt werden.

Jetzt wurde die Filderstudie auch im Gemeinderat von Leinfelden-Echterdingen vorgestellt. Stefan Kornmann des beauftragten Büros AS+P erläuterte die Szenarien für ein „Raumbild Filder“, wie sie Leinfelden-Echterdingen betreffen würden.

Ausgegangen wird angesichts der Wirtschaftskraft dank großer Branchenvielfalt von einem anhaltenden Bevölkerungszuwachs im Filderraum und auch in LE (aktuell 40.400 Einwohner). Der Filderraum wird zunehmend „urban“ – wie also kann der lokale, auch dörfliche Charakter bewahrt werden? Nach Ansicht der Regionalplaner bedarf es künftig mehr sozialer und nicht nur verkehrlicher Infrastruktur. Und dann gibt es den hohen Anteil an schützenswerten Landschaftsräumen mit nicht zu unterschätzender Klimafunktion in LE. Der Entwicklungsdruck auf landwirtschaftliche Flächen durch Siedlungs- und Verkehrsflächen bleibt eine Herausforderung.

Als Grundprinzipien für den künftigen Filderraum nennt die Studie die Entwicklung einer Mobilitätsdrehscheibe am Flughafen und die Erweiterung der Airport-City nach Westen. Die Forschungs- und Hochschulstandorte (S-Vaihingen, Hohenheim) sollten mit der Mobilitätsdrehscheibe zur Wissensregion Filder verknüpft werden. Eine Siedlungs- und Gewerbeverdichtung sollte entlang der Schienen verlaufen.

Die lokale Identität bewahren

Aber auch von „Bewahrung der lokalen Identität durch die Stärkung der alten Ortskerne und den Erhalt des Landschaftsbildes sowie Schaffung neuer identitätsstiftender Mitten“ ist die Rede. Die Freihaltung von Grünzäsuren, eine Nachverdichtung und Arrondierung bestehender Wohnsiedlungen wird vorgeschlagen. Wohnbaupotenzial wird in der „Neuen Mitte“ gesehen, was heißt: zwischen Echterdingen und Leinfelden. Was den Verkehrsfluss betrifft, wird ein Elektro-Expressbussystem, etwa auf eigener Fahrbahn, und die Verlängerung der Stadtbahn bis Echterdingen/Flughafen aufgezählt.

Der nächste Schritt sind vertiefende Untersuchungen im Detail, und die werden eine interkommunale Aufgabe sein. Im Dialog mit der Bürgerschaft solle ein Stadtentwicklungskonzept für LE entstehen, kündigte EBM Eva Noller an. „Die Filderstudie dient als Basis“.

Den Fraktionssprechern schien vieles noch wenig konkret. Er sehe etliche Ungereimtheiten was Flächenverbrauch und Grünzonen betreffe, fand etwa Stadtrat Vohl (FW); im Flächennutzungsplan sei manches anders dargestellt. Stadträtin Grischtschenko (Grüne) vermisste das Thema Flächenausgleich; stattdessen würden Grünbereiche „erfunden“. Nicht nur die Flächen, auch die Bodenqualität müsse beachtet werden, so Stadtrat Klauser (SPD).

Konkrete Flächenausweisungen seien erst der nächste Schritt, erwiderte Stadtplaner Kormann. Die Studie nenne nur die Herausforderungen und Risiken. Und wenn Ausgleichsflächen nicht vorhanden seien, müsse man die Flächenqualität erhöhen, beispielsweise Naherholungsbereiche schaffen. Mit der Filderstudie werde lediglich „ein Stein ins Wasser geworfen“, betonte OB Klenk. Der Gemeinderat werde entscheiden, betonte Stadträtin Koch (CDU).

Die Studie zeige, dass Leinfelden-Echterdingen nicht länger als „Unterzentrum“ in der Landesplanung geführt werden dürfe, fand Stadtrat Haug (L.E. Bürger/FDP).