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Feuerwehr LE beteiligt sich nach Erdbeben in Kroatien an Hilfskonvoi „Hat uns alle emotional mitgenommen“

Die Feuerwehr von Leinfelden-Echterdingen hat sich nach einer Serie von Erdbeben in Kroatien an einem Hilfskonvoi des Kreisfeuerwehrverbands beteiligt. Seit ein paar Tagen sind sie wieder zurück und berichten von ihren Eindrücken.

Mann überreicht einem kleinen Kind ein Geschenk
Foto: FFW LE

Die Serie von Erdbeben südöstlich von Zagreb hat seit dem 29. Dezember 2020 zu erheblichen Schäden in der Region Sisak-Moslavina und Leid für die betroffenen Menschen geführt. Sebastian Kurz, Bürgermeister von Aichtal, und Carsten Zander, Pressesprecher der Feuerwehr LE, berichten hier von ihren Eindrücken.

Kurz: „Über das kroatische Konsulat wurde eine Abfrage gestartet, weil wir fokussiert den Feuerwehren helfen wollten“. Feuerwehren, Hilfsorganisationen, Firmen und Privatpersonen aus der gesamten Region spendeten rund 100 Tonnen Hilfsgüter. Ein Hygienekonzept wurde entworfen. Schnelltests vorab ermöglichten es, ohne Maske im Fahrzeug zu fahren. Sämtliche Schutzmaßnahmen beim Kontakt mit anderen Personen wurden eingehalten.

Am Freitag ging es dann um 6.30 Uhr von Aichtal aus mit 22 Fahrzeuge und insgesamt 55 Einsatzkräften los in das fast 800 km entfernte Zagreb. Über Social Media berichteten wir „live“. Antenne 1 sendete mehrere Interviews. Wie sehnsüchtig wir erwartet wurden, haben wir direkt nach dem Grenzübergang zu spüren bekommen: „Eine Polizeieskorte begleitete uns nach Zagreb“, sagt Kurz. „Am Straßenrand standen Leute und applaudierten. Sie wussten, dass wir kommen, weil das kroatische Fernsehen darüber berichtete.“ Nach einer 14-stündiger Fahrt traf der Konvoi am Stadion in Zagreb ein.

Am nächsten Tag ging es nach Glina. Die Stadt liegt wenige Kilometer vom Epizentrum entfernt. „Rund 20.000 Häuser sind so stark beschädigt, dass sie nicht bewohnbar sind“, so Kurz. „Es sah aus wie nach einem Luftangriff“. Wir wurden unter anderem von Kroatiens ehemaliger Staatspräsidentin Kolinda Grabar-Kitarovi und Glinas Bürgermeister Stjepan Kostanjevi empfangen. „Die Bewohner schlafen in Containern oder Wohnwagen – wenn sie Glück hatten und schon einen bekommen haben. Andere müssen in Zelten oder Autos schlafen“, so Zander.

Konvoi mehrerer Feuerwehrautos im Schneetreiben
Durch Erdbeben eingestürztes Wohnhaus
Fotos: FFW LE

Nächstes Ziel war die rund 200 Jahre alte und denkmalsgeschützte Kathedrale von Glina. Im Jugoslawischen Bürgerkrieg wurde sie erheblich zerstört. Geld wurde gesammelt und der Wiederaufbau hatte begonnen. Sie war bereits eingerüstet. Dann hat das Beben vom 29. Dezember alles zerstört. Heute glaubt keiner daran, dass sie je wieder aufgebaut werden kann. Auch in den umliegenden Dörfern tobte damals der Bürgerkrieg. Noch heute werden 37 Menschen vermisst.

Kurz erzählt von einer für ihn besonders emotionalen Situation: „Wir kamen zu einer weiteren, zerstörten Kapelle mit angrenzendem Friedhof. Das Erdbeben hatten die Steinplatten verschoben oder zerbrochen. Überall waren offene und kaputte Gräber“. Zander ergänzt: „Als Feuerwehrleute erleben wir schlimme Situationen. Das hier hatte uns aber alle emotional mitgenommen. Wir hatten Tränen in den Augen“.

Die zahlreichen beschädigten Häuserdächer bereiten größte Probleme. „Die Menschen haben keine Möglichkeiten, sie abzudecken. Die Planen und Leitern, die wir dabeihatten, kamen gerade rechtzeitig“, sagt Kurz. Spätestens jetzt war klar: „Unsere Hilfe war bitter nötig und jede Strapaze wert“, sagt Zander. Das Rathaus von Glina wurde ebenfalls stark beschädigt. Wir durften kurz ins Büro des Bürgermeisters, der Rest vom Rathaus ist aber gesperrt. Der Feuerwehr fehlt die richtige Ausrüstung. Sie sind für solche Einsätze nicht ausgestattet. Zander: „Die Ausrüstung ist nicht mit der von THW und Feuerwehr in Deutschland vergleichbar.“

Kurz verkündete noch vor Ort, dass er zeitnah ausgemusterte Feuerwehrfahrzeuge in die Region schicken möchte. „Fahrzeuge, die bei uns 25 bis 30 Jahre alt und ausgemustert werden, gelten hier quasi als neuwertig“.

Erschöpft machten wir uns am Sonntag auf den Rückweg. Direkt nach der österreichischen Grenze benötigten wir Hilfe. Ein Kamerad wurde mit einem Rettungswagen nach Spittal ins Krankenhaus gebracht. Eine Not-OP wurde durchgeführt. Der Blinddarm war durchgebrochen. Glücklicherweise ist er seit dem 14. Februar wieder in Deutschland und es geht im soweit gut.

Nachdem der Konvoi seine Weiterfahrt angetreten hatte, wurden wir noch von einem Schneesturm überrascht. Mit teilweise 40 km/h setzten wir die Reise fort. Gegen 22 Uhr war wir wieder zurück. Direkt bei der Ankunft wurde der zweite Test durchgeführt, am 13 Februar der dritte. Alle Testungen waren negativ!