Pfeil nach unten

Enthüllung von Gedenktafel in Leinfelden Erinnerung an die Leiden jüdischer Häftlinge

Bürgermeister Dr. Carl-Gustav Kalbfell hat vor wenigen Tagen eine neue Gedenktafel vorgestellt. Sie steht an der Ecke Brahmsstraße/Wagnerstraße in Leinfelden und erinnert an ein dunkles Kapitel in der Stadtgeschichte.

Fünf Personen bei der Enthüllung einer Gedenktafel
Waren bei der Enthüllung zugegen (v.l.n.r.): Stadtarchivar Dr. Bernd Klagholz, Bürgermeister Dr. Carl-Gustav Kalbfell sowie die Stadträte Erich Klauser (SPD), Martin Klein (Grüne) und Barbara Sinner-Bartels (SPD). | Foto: Bergmann

Jüdische Häftlinge des KZ-Außenlagers Echterdingen mussten in Steinbrüchen der Umgebung – so auch im ehemaligen Leinfelder Steinbruch – im Winter 1944/45 unter unmenschlichen Bedingungen Zwangsarbeit leisten. Ihr Tod wurde dabei vom NS-Regime billigend im Kauf genommen („Vernichtung durch Arbeit“).

Das auf dem damaligen Flughafen Stuttgart-Echterdingen befindliche Lager – ein Außenlager des KZ Natzweiler/Struthof im Elsass – bestand vom 22. November 1944 bis Ende Januar 1945 auf dem Flughafen Stuttgart-Echterdingen. Als Unterkunft für die insgesamt 600 jüdischen Häftlinge diente ein Hangar, der als „authentischer Ort“ noch heute auf dem amerikanischen Teil des Flughafens besteht. Dort befindet sich am Eingang zum US-Airfield eine Gedenkstätte.

Die Häftlinge hatten die Aufgabe, die bei dem amerikanischen Fliegerangriff vom 14. August 1944 durch Bombentrichter schwer beschädigte Start- und Landebahn auszubessern. Das hierfür benötigte Material hatten Arbeitskommandos in den Sandsteinbrüchen Emerland (Bernhausen), Leinfelden und Plieningen zu beschaffen. Außerdem hatten die Häftlinge Verbindungswege zwischen dem Rollfeld und der benachbarten Reichsautobahn Stuttgart-Ulm anzulegen, damit auf der Autobahn Kampfflugzeuge starten und landen konnten. Die 600 Häftlinge stammten aus 17 europäischen Ländern,  die meisten aus Ungarn und Polen. Auf ihrem Weg vom Lager auf dem Flughafen kamen die Häftlinge, die sich in bedauernswertem Zustand befanden, auch durch Leinfelden.

Begünstigt durch die harte körperliche Arbeit bei völlig unzureichender Ernährung und Bekleidung sowie großer Kälte brach am Jahresende im Lager eine Fleckfieberepidemie aus, der viele Häftlinge zum Opfer fielen. In der kurzen Zeit, in der das Lager bestand, kamen mindestens 119 Häftlinge zu Tode. Nur von insgesamt 64 von ihnen ist bekannt, dass sie den Holocaust überlebten.

„Wir wollen mit dieser Gedenktafel die Erinnerung an die Geschichte lebendig halten“, sagte Barbara Sinner-Bartels, die sich für diese Tafel stark gemacht hatte. Ermutigend sei es jedoch, dass es in dieser schwierigen Zeit etliche Dokumente der Mitmenschlichkeit der Menschen in LE gegeben habe, betonte die SPD-Stadträtin. Denn Mitarbeiter der Bäckerei Donner, an den die Häftlinge immer wieder vorbeikamen, hätten den ausgemergelten Menschen immer wieder Brot zugesteckt, wie Stadtarchivar Dr. Bernd Klagholz bei Gesprächen mit Zeitzeugen erfahren hat.