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Bis 2040: Stadt will eigene Immobilien sanieren und neue Wohnungen bauen Klimaschutz und niedrigere Mieten

Die Wohnungsnot in der Region Stuttgart ist groß – auch auf den Fildern, auch in Leinfelden-Echterdingen. „Nach wie vor haben wir eine hohe Nachfrage und ein knappes Angebot, es ist eher schlimmer geworden nach der Corona-Pandemie“, sagte Anja Schubert, die Leiterin des Amtes für Immobilien, in der jüngsten Gemeinderatssitzung.

Taschenrechner, Baupläne und Baustelle
Foto: studio v-zwoelf/Adobe Stock

Die Stadt will deshalb ihren Teil dazu beitragen, um Wohnraum auf aktuellem Stand zu halten und neuen zu schaffen, womit auch das Mietniveau gesenkt werden soll. Eine entscheidende Rolle spielt dabei der Klimaschutz. Eine entsprechende Machbarkeitsstudie, mit der das Büro Albrings + Müller beauftragt worden war, wurde ausführlich im Gremium vorgestellt. Dahinter steht die Frage, wie die städtischen Wohngebäude bis zum Jahr 2040 saniert werden können und wie Baulücken im Besitz der Stadt bebaut werden können.

Sanieren für die Klimaziele

Ein wesentlicher Bestandteil der Sanierungsmaßnahmen für die städtischen Wohngebäude ist die Umrüstung der Öl- und Gasheizungen beispielsweise auf Pellets-Heizungen oder Wärmepumpen, um die Klimaziele realistisch erreichen zu können. Darüber hinaus soll im weiteren Verlauf der konkreten Planungen untersucht werden, wo Heizzentralen für Wohnquartiere eingerichtet werden können. Bei den meisten Gebäuden sind zudem der Austausch der Fenster, die Dämmung der Fassaden und neue, gedämmte Dächer vorgesehen.

Auch ist die Installation von PV-Anlagen mit Stromspeicher bei allen Gebäuden im Rahmen der Sanierung eingeplant, was ja auch vom Gesetzgeber bei Neubauten und umfangreichen Dachsanierungen gefordert wird. Die Kosten für die energetische Sanierung werden aktuell auf gut 22 Millionen Euro geschätzt. Jährlich könnten dadurch 410 Tonnen CO2 durch die Schornsteine in die Umgebung abgegeben werden. „Wir gehen davon aus, im Schnitt jährlich ein Gebäude sanieren zu können, um den Sanierungsstau abzubauen“, so Schubert. Gut investiertes Geld, denn die Nutzungsdauer der Gebäude erhöht sich dadurch um durchschnittlich 38 Jahre.

132 neue Wohnungen geplant

Vier Baulücken, die im Besitz der Stadt sind, sollen in den kommenden Jahren geschlossen werden. Dazu kommen drei Gebäude, die sich mit Blick auf ihren Zustand nicht mehr wirtschaftlich sanieren lassen. Sie sollen abgebrochen und durch einen Neubau ersetzt werden. Insgesamt sind es also sieben neue Gebäude, die bis 2040 gebaut werden sollen. „Damit wird der städtische Wohnungsbestand um 132 Wohneinheiten mit insgesamt 7.183 Quadratmetern Nutzfläche ausgebaut“, sagt Schubert. Kosten wird dies – nach aktuellen Schätzungen – insgesamt rund 46 Millionen Euro. Ganz vorne in der Reihe stehen zwei Bauvorhaben, die bis 2027 umgesetzt werden sollen und 6,6 Millionen Euro kosten werden. Die ist zum einen ein Grundstück an der Jakobstraße, das bereits in der Planung ist. Zum anderen soll das Gebäude an der Falkenstraße 5 in Leinfelden abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden.

Große Zustimmung im Gremium

Der Gemeinderat stimmte in seiner jüngsten Sitzung dem Vorhaben einmütig zu. „Eine sehr überzeugende Vorstellung“, zog der SPD-Fraktionsvorsitzende Erich Klauser sein Fazit zu diesem Vorhaben. Seiner Ansicht nach müsse über das Projekt hinausgedacht und auch die teils schon älteren Bebauungspläne angepasst werden. Klausers Fraktionskollegin Barbara Sinner-Bartels sieht in der Machbarkeitsstudie einen Handlungsrahmen, an den man sich ziemlich eng halten sollte. Sie forderte zudem, Wohnraum für städtische Angestellte zu schaffen.

„Ganz toll, los geht’s“, lobte Frank Mailänder die vorgestellten Pläne und stellte die Frage, ob eine städtische Wohnbaugesellschaft besser wäre als der aktuelle Regiebetrieb. Ähnlich äußerte sich die Ilona Koch. „Es ist ganz in unserem Sinne, dass es jetzt losgeht, wir haben zu lange den Sanierungsstau vor uns hergeschoben“, so die CDU-Fraktionschefin. Daraus sollte man für die Zukunft lernen. „Wichtig ist uns der Austausch mit privaten Bauträgern“, ergänzte die Stadträtin. Wolfgang Haug schloss sich für die FW/FDP-Fraktion dem einhelligen Lob an. „Wir würden uns freuen, wenn wir als Gemeinderat eng eingebunden würden“, ergänzte der Stadtrat.

Wie geht es nun weiter?

Um die Aufgaben der Wohnraumoffensive bewältigen zu können, wird eine neue Architektenstelle benötigt. Sobald diese besetzt ist, kann auf Basis der Machbarkeitsstudie und des Zeitplans bereits im kommenden Jahr mit den Planungen für das Sanierungs- und Neubauprogramm begonnen werden – vor allem für die Vorhaben an der Felixstraße 9 und der Jakobstraße.

Spätestens in fünf Jahren soll der Sanierungs- und Neubaufahrplan überprüft und bewertet werden. Wichtige Punkte sind dabei, ob Zeitplan und Kosten eingehalten werden können – und auch, ob das Personal ausreicht und die Organisationsstruktur passt.