Pfeil nach unten

Stadtverwaltung präsentiert Ansätze und Maßnahmen   Auf dem Weg zur Digitalstrategie LE

Smart Home, Internet-Streaming, E-Commerce, autonomes Fahren, Industrie 4.0 – die Digitalisierung nahezu aller Lebens- und Geschäftsbereiche ist in vollem Gange, weltweit vernetzt und in Echtzeit.

Kurz vor Weihnachten gab die Verwaltung dem Gemeinderat einen Einblick in die bisherigen Überlegungen zur Gestaltung des digitalen Wandels in der Stadt. | Foto: Bergmann

Auch eine moderne Stadt wie Leinfelden-Echterdingen will den digitalen Wandel ihrer Verwaltung im Rahmen einer ganzheitlichen Strategie aktiv vorantreiben, sich zur Smart City, zum digitalen Dienstleister weiterentwickeln. Hierzu wurde im Mai 2019 der Stabsstellenbereich Digitalisierung mit 1,5 Stellen geschaffen, der direkt beim Oberbürgermeister angesiedelt ist und von der persönlichen OB-Referentin verantwortet wird. Begleitet wird der gesamte Prozess durch das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation. Ziel: die Vorstellung der Digitalisierungsstrategie vor der Sommerpause 2020 im Gemeinderat als mögliche Handlungsgrundlage für alle künftigen Digitalisierungsschritte seitens der Stadt.

Es ist schon einiges geschehen: Die Stabsstelle hat eine „Projektgruppe Digitalisierung“ ins Leben gerufen, in der u. a. vom digitalen Wandel stark betroffene Fachamtsvertreter sitzen; zum Auftakt gab es einen Workshop. Außerdem hat das Stabsstellen-Team mit vielen Ämtern und Abteilungen erste Gespräche geführt, um Herausforderungen und Bedürfnisse zu identifizieren.

Fünf Handlungsfelder

Entstanden ist ein „noch relativ abstrakter Leitbildentwurf der Digitalisierung LE“, wie Michael Zwecker, neuer Mitarbeiter des Stabsstellenbereichs Digitalisierung, berichtete. Konkreter aber wurde es bereits bei den fünf Handlungsfeldern, die aus den bisher gewonnenen Erkenntnissen herauskristallisiert werden konnten und der Verwaltung in Richtung Digitalisierungsstrategie – und bei der Entwicklung von digitalen Einzelprojekten – als Rahmen dienen sollen:

  1. Infrastruktur und Standortentwicklung: Dabei geht es um Effizienzsteigerung der Stadt, die auch den Unternehmen zugutekommen (z. B. Glasfaserausbau, Ladeinfrastruktur, digitales Parkleitsystem).
  2. Nachhaltigkeit und Mobilität: Zielt u. a. ab auf Luftreinhaltung, Klimaschutz, optimierten Verkehrsfluss (z. B. durch Verkehrsrechner, CO2-Monitoring).
  3. EBildung, Kultur, Ehrenamt: In diesem Bereich sind Projekte wie die digitale Ausstattung von Schulen, E-Learning-Angebote oder ein virtuelles Kunsthaus denkbar.
  4. Digitaler Kulturwandel in der Verwaltung: Mitarbeiter sollen ein digitales „Mindset“ entwickeln, Abläufe und Prozesse optimiert und neue digitale Verfahren des (Zusammen-)Arbeitens etabliert werden.
  5. Digitale Bürgerdienste: Im Mittelpunkt stehen die Kommunikation zwischen Menschen, Unternehmen und der Stadt als Dialog mit Rückkanal (neue Formate der Bürgerbeteiligung) sowie das vereinfachte Angebot digitaler Dienstleistungen für Bürger. Hier sind alle Kommunen in Baden-Württemberg nach dem E-Government-Gesetz/Onlinezugangsgesetz (EGovG/OZG) bis Ende 2022 dazu verpflichtet, 575 Verwaltungsdienstleistungen, die das Land vorgibt, digital anzubieten.

Auf den Weg gebracht hat die Stabsstelle Digitalisierung ferner ihr Digitallotsen-Konzept: 23 städtische Mitarbeiter konnten dafür gewonnen werden, sich in den kommenden Monaten als Digitallotse zu qualifizieren. Sie sollen künftig innerhalb ihres Amtes Ansprechpartner für digitale Fragen sein, für Digitalthemen sensibilisieren – und sich wiederum mit der „Projektgruppe Digitalisierung“ rückkoppeln.

Sandra Hofmann, Leiterin der Stabsstelle und persönliche OB-Referentin: „Für die Verwaltung bedeutet der Digitalisierungsprozess erst einmal mehr Arbeit.“ Mittel- und langfristig gesehen, zahle sich das jetzige Engagement auf diesem Gebiet aber aus, und verwaltungsinterne Abläufe könnten so für die Zukunft optimiert werden.

Das neue Team des Stabsstellenbereichs Digitalisierung mit OB Klenk (v. l.): Michael Zwecker, Sandra Hofmann und Jasmin Köker. | Foto: Bergmann

Die nächsten Meilensteine

Wie geht es weiter? Bis zum Sommer soll die Digitalisierungsstrategie mit Beteiligung der Bürger und Ehrenamtlichen im Detail ausgearbeitet (inklusive Projektliste, Zielen und Priorisierung) und dann dem Gemeinderat zur Beschlussfassung vorlegt werden. Zuvor ist für April/Mail ein Zwischenbericht vorgesehen. Mit der Ausgestaltung der Projekte würde dann nach der Sommerpause begonnen – auch hier unter aktiver Einbeziehung der Bürgerschaft.

Neben vielen Einzelprojekten sei künftig auch die Etablierung einiger digitaler Leuchtturmprojekte mit einer Signalwirkung nach außen von Bedeutung. Als Idee für ein erstes größeres digitales Leuchtturmprojekt im Bereich Ehrenamt unterbreitete Hofmann und ihr Team dem Gemeinderat den Vorschlag, z. B. ein virtuelles Haus für Kunst und Kultur in LE zu schaffen. Im Blick habe man dabei besonders das Deutsche Spielkartenmuseum, das man so in seiner Einzigartigkeit auf neue, digitalisierte Art ins Licht der Öffentlichkeit rücken könnte. Aber auch das Stadtmuseum mit seinen Ausstellungen oder die Kulturschaffenden könnte man auf einer solchen Online-Plattform ansprechend präsentieren.

„Alle haben gesehen, dass wir hier einen Markt der Möglichkeiten haben“, fasste OB Roland Klenk zusammen. Dabei habe man – u. a. mit der Vorschrift zu Einführung der 575 Verwaltungsprozesse – einen Pflichtbereich, auf der anderen Seite einen Kürbereich. Letzteren gelte es organisch zu entwickeln und dabei nach links und rechts zu schauen. Dies sei ein „Spielfeld“, das er für wichtig erachte. Ähnlich äußerte sich BM Dr. Carl-Gustav Kalbfell: „Die Mischung macht’s.“ Ein digitales Angebot im „charmanten Bereich“ könne auch mögliche Berührungsängste mit der digitalen Transformation nehmen, besonders dann, wenn es etwas bringe. Daher sollten auch Digitalprojekte immer „unter dem Vorzeichen eines echten Mehrwerts für den Bürger stehen“.

Fraktionsübergreifend stießen die vorgestellten Ansätze mit ihren Handlungsfeldern und der Vorgehensweise auf positives Echo: die Stadträte signalisierten für den eingeschlagenen Weg ihre Zustimmung.