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Amtsleiterin Ingrid Krebs im Interview Aktuelle Entwicklungen der Kinderbetreuung in LE

Ingrid Krebs leitet das Amt für Schulen, Jugend und Vereine der Stadtverwaltung Leinfelden-Echterdingen und verantwortet damit eine der zentralen Aufgaben der Stadtverwaltung: die Kinderbetreuung. Im Interview gibt sie Einblick in die Entwicklung der gegenwärtigen Situation und erklärt, welche Maßnahmen die Stadt bereits getroffen hat oder derzeit plant.

Zwei Kinder spielen mit Bauklötzen
Foto: Kuzmina/Adobe Stock

Wie ist die aktuelle Situation in den Betreuungseinrichtungen für Kinder in Leinfelden-Echterdingen?
Bei Einführung des Rechtsanspruchs für Kinder unter und über drei Jahren fehlten oft die notwendigen Räumlichkeiten für die Kinderbetreuung. Absehbar sind genügend Räumlichkeiten geschaffen worden: Die Fertigstellung der Kita Schelmenäcker und St. Gabriel sowie die Inbetriebnahme der Kita WunderWelt3 tragen zur Entlastung des Systems bei – immer vorausgesetzt, dass Personal gefunden werden kann.  Denn für einen rechtmäßigen Kitabetrieb ist die Einhaltung der Vorgaben der jeweiligen Betriebserlaubnis und insbesondere das Vorhandensein des jeweiligen Fachpersonals zwingend notwendig.

Die größte Herausforderung im Bereich der Kinderbetreuung ist also der Fachkräftemangel?
Der Fachkräftemangel stellt ein massives Problem dar, das uns auch in den nächsten Jahren begleiten wird und uns vor große Herausforderungen stellt. Bereits seit 2019 arbeitet die Stadt an einem Konzept zur Personalgewinnung und -bindung, um hier entsprechend entgegenzuwirken.

Wie ist dieses Konzept entstanden?
Vor dem Hintergrund des erheblichen Fachkräftemangels wurde zunächst intern eine Reihe von Maßnahmen entwickelt und über ein Acht-Punkte-Programm schrittweise umgesetzt. Außerdem wurde in einem Workshop mit den Eltern, der „Denkwerkstatt“, deren Ideen, Probleme und Anforderungen mit aufgenommen, diese spielen seither immer eine Rolle. Maßgebliche Grundlage für das derzeitige Vorgehen war zuletzt die Mitarbeiterbefragung in den städtischen Kindergärten und Schulkindbetreuungen vom letzten Jahr, mit deren Ergebnis zielgerichtete Maßnahmen vor allem zur Personalbindung und -gewinnung entwickelt wurden.

Welche konkreten Maßnahmen zur Neugewinnung von Personal umfasst dieses Konzept?
Wir schreiben sämtliche offene Stellen kontinuierlich auf der städtischen Webseite und im Amtsblatt aus. Außerdem werben wir aktiv auf Social Media. Dadurch minimieren wir die Gefahr, „übersehen“ zu werden. Wir sind außerdem auf verschiedenen Messen präsent. So hatten wir zuletzt auf der „didacta“, Deutschlands größter Bildungsmesse, und beim IHK-Berufsparcours im Walter-Schweizer-Kulturforum einen Stand. Außerdem hat die Stadt in Zusammenarbeit mit dem Bildungswerk der Baden-Württembergischen Wirtschaft fünf Fachkräfte aus Spanien rekrutiert. Geplant ist die Anstellung von zehn weiteren Spanierinnen und Spaniern, die aufgrund der hohen Jugendarbeitslosigkeit in Spanien Schwierigkeiten haben, einen Job zu finden – eine Win-win-Situation also.

Welche konkreten Maßnahmen zur Neugewinnung von Personal umfasst dieses Konzept?
Wir schreiben sämtliche offene Stellen kontinuierlich auf der städtischen Webseite und im Amtsblatt aus. Außerdem werben wir aktiv auf Social Media. Dadurch minimieren wir die Gefahr, „übersehen“ zu werden. Wir sind außerdem auf verschiedenen Messen präsent. So hatten wir zuletzt auf der „didacta“, Deutschlands größter Bildungsmesse, und beim IHK-Berufsparcours im Walter-Schweizer-Kulturforum einen Stand. Außerdem hat die Stadt in Zusammenarbeit mit dem Bildungswerk der Baden-Württembergischen Wirtschaft fünf Fachkräfte aus Spanien rekrutiert. Geplant ist die Anstellung von zehn weiteren Spanierinnen und Spaniern, die aufgrund der hohen Jugendarbeitslosigkeit in Spanien Schwierigkeiten haben, einen Job zu finden – eine Win-win-Situation also.

Stichwort Ausbildung und Qualifikationen: Sind in diesem Bereich auch Maßnahmen implementiert worden?
Ja, in zweierlei Hinsicht. Zum einen haben wir die Zahl an Ausbildungsplätzen auf 14 erhöht. Bis jetzt konnten sechs Plätze zum Ausbildungsjahr 2024 ab September besetzt werden. Weitere Bewerbungen sind willkommen. Im laufenden Ausbildungsjahr befinden sich 19 junge Menschen in einer praxisintegrierten Ausbildung (PIA) zur pädagogischen Fachkraft. Darüber hinaus absolvieren sechs Personen das sogenannte Anerkennungspraktikum. Zum anderen haben wir die Programme zur Fort- und Weiterbildung unserer bereits angestellten Fachkräfte ausgeweitet. So gibt es zum Beispiel seit dem vergangenen Jahr ein Programm zur Fortbildung von Nachwuchsführungskräften, um den Bedarf an Leitungsstellen mit bestens ausgebildeten Fachleuten intern besetzen zu können.

Welche Maßnahmen zur Personalbindung wurden getroffen?
Wir haben alle Fachkraftstellen entfristet, um den Mitarbeitern eine langfristige Perspektive und ein Sicherheitsempfinden geben zu können. Außerdem wurden einrichtungsunabhängige Springer-Stellen sowie sogenannte Poolstellen geschaffen. Diese ermöglichen einen flexiblen Ausgleich von möglichen Ausfällen. Und in allen Kitas der Stadt wurden ständige stellvertretende Leitungsstellen geschaffen. Dadurch und durch die Anstellung von Büroassistenzen und Hauswirtschaftskräften werden die Betreuungsfachkräfte entlastet und Stellen in der Kinderbetreuung in LE attraktiver. Die Springer-Stellen gibt es sowohl im Bereich der Kinderbetreuung, als auch im Bereich Schulkindbetreuung und im Hauswirtschaftsbereich. Es gibt aber auch monetäre und soziale Anreize, in LE zu bleiben: Für die Leitungen der Schulkindbetreuungen wurden die monatlichen Zulagen entsprechend den zusätzlichen Aufgaben und der Verantwortung angepasst. Darüber hinaus erhalten Angestellte in der Kinderbetreuung in LE Boni und Förderungen, wie etwa einen monatlichen Betrag auf der Mitarbeiter-LE CARD oder finanzielle Unterstützung während Qualifizierungszeiten. Dadurch werden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht durch finanzielle Einbußen vom Absolvieren einer Qualifikation abgeschreckt. Zudem haben wir bereits Afterwork-Meetings organisiert, bei denen sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in einem ungezwungenen Rahmen austauschen können.

Wie werden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zur beruflichen Weiterbildung ermutigt und dabei unterstützt?
Neben der angesprochenen finanziellen Unterstützung bieten wir regelmäßige Personalentwicklungsgespräche, in denen auch die persönliche Weiterentwicklungsperspektive eine große Rolle spielt. Aus diesen Gesprächen entwickeln wir individuelle Weiterentwicklungsangebote und Förderungsmöglichkeiten. Das Fachamt sowie die Einrichtungen stehen auch zwischen den Leitungskonferenzen in ständigem Austausch und stimmen sich intensiv ab, damit schnelle und zielführende Entscheidungen fallen. Außerdem gibt es regelmäßige Gespräche mit anderen in der Kinderbetreuung in LE engagierten Trägern wie Kirchen, anderen gemeinnützigen Trägern oder den Tageseltern.

Welche Kommunikation gibt es zwischen Eltern und der Verwaltung?
Neben der allgemeinen Möglichkeit für Eltern, Probleme oder Bedarfe an die Stadtverwaltung oder ihre Einrichtungen zu melden, fragen wir regelmäßig den tatsächlichen Betreuungsbedarf ab, um das Personal in den einzelnen Einrichtungen flexibel bedarfsorientiert einzusetzen. Oberbürgermeister Ruppaner hat jüngst außerdem die Zusammenkunft eines Kindergartengesamtausschusses, bestehend aus Kitaträgern (städtische und nicht-städtische), deren Elternvertretern sowie Gemeinderäten und Mitgliedern der Verwaltung ins Leben gerufen. Ende Juni wird der Kindergartengesamtausschuss zum ersten Mal tagen. Auch die „Denkwerkstatt“ soll zusammen mit den Eltern zum Abschluss gebracht werden.

Welche weiteren Maßnahmen haben zu einer positiven Entwicklung in der Kinderbetreuung geführt?
Hier ist auf jeden Fall die Entstehung von zwei Standorten der „Kindertagespflege in anderen geeigneten Räumen (kurz TiagR)“, umgangssprachlich oft „Tiger“ ausgesprochen, zu nennen. Hier werden Kinder von Mitgliedern des Tageselternvereins Esslingen e. V. in angemieteten Räumlichkeiten betreut. Eine echte entlastende Alternative zur klassischen Kita. Die Stadt ist auf der Suche nach weiteren Tagespflegepersonen, die bereit sind, einen TiagR zu führen. Die notwendigen Immobilien könnte die Stadt bereitstellen und ist offen für weitere TiagR in LE.