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Stadtentwicklung in Leinfelden-Echterdingen: „Neue Mitte“ mit den Bürgern erarbeiten

1975 wurde aus vier Orten eine Stadt. Und Leinfelden-Echterdingen sollte, wie in der Gründungsurkunde zu lesen ist, eine neue Mitte als gebautes Zeichen für das Zusammenwachsen bekommen. Doch das wurde erst einmal zurückgestellt. Und auch ohne die Mitte ist eine gemeinsame Identität entstanden, ohne die lokale Wesensart zu leugnen. Nun jedoch – fast ein halbes Jahrhundert nach der Gründung der Stadt – kommt die Frage nach der Gestaltung und Nutzung der Fläche zwischen den beiden größten Stadtteilen wieder auf.

Grüne Wiesen mit Feldwegen
Foto: Krämer

An den Ortsrändern von Echterdingen und Leinfelden ist im Laufe der Zeit schon einiges entstanden. Hier liegt der Sportpark Goldäcker, es wurden Wohnungen gebaut, weitere sind in den Schelmenäckern geplant. Im Norden haben sich Firmen angesiedelt oder Unternehmen ihren Betrieb erweitert, eine weitere Expansion ist abzusehen. Zukünftig soll einmal die Stadtbahn das Gebiet queren und auch eine Umgehungsstraße ist geplant, die zumindest bis zur Echterdinger/Leinfelder Straße, möglicherweise sogar bis zur alten B27, der heutigen L1208, führen wird.

Die Aufzählung zeigt: Das Gebiet zwischen Leinfelden und Echterdingen ist begehrt. „Ohne planerische Leitplanken besteht die Gefahr, dass eine ungestaltete bauliche Überwucherung mit Nachteilen für Stadt und Landschaft entsteht“, sagt Eva Noller. Ziel sei, den Zwischenraum freizuhalten und zu schützen. „Ein Gestaltungskonzept dient letztendlich dazu, die baulichen und freiräumlichen Elemente am Landschaftsband städtebaulich zu ordnen und ein Zukunftsbild für eine Grüne Mitte zu entwickeln“, so die Erste Bürgermeisterin kürzlich im Technischen Ausschuss.

Filderstudie nennt Ziele

Zwischen Leinfelden und Echterdingen verläuft ein Grünstreifen, über den der Regionalplan seine schützende Hand hält. Gleichzeitig ist jedoch die Kommune gefordert, sich Gedanken über ihre Freiraumplanung zu machen. Und durch S 21 wird der Druck steigen, weshalb die Region Stuttgart und der Kommunale Arbeitskreis Filder (KAF) die Filderstudie in Auftrag gegeben hatten, die sich gegen ein „Weiter so“ auf den Fildern und für eine zwischen den Kommunen abgestimmte Planung ausspricht.

Gleichzeitig macht die Studie Vorschläge, wie sich Siedlung und Landschaft grundsätzlich entwickeln könnten – auch in der „Neuen Mitte“, also dem Gelände zwischen Leinfelden und Echterdingen. „Landschaftsplanung“, so EBM Noller, „ist auf den Fildern ohne Stadtentwicklung nicht denkbar, und andersherum“. Die Teilnahme von LE an der Internationalen Bauausstellung 2027 würde Chancen eröffnen, die Belange der Stadt mit renommierten, internationalen Experten zu stärken. Die drängenden Themen, die regionalen und kommunalen Aufgaben seien aufeinander abzustimmen.

Doch was wollen die Bürgerinnen und Bürger, die Politik und andere an der Stadtentwicklung beteiligte Protagonisten? Das will die Stadtverwaltung mit den Beteiligten herausfinden und sie in die Stadtentwicklung einbinden. Das soll im Dialog geschehen, um eine identitätsstärkende Grundlage für die entscheidenden städtebaulichen Entwicklungen für LE zu schaffen – ein Vorschlag, dem die Mitglieder des Technischen Ausschusses einstimmig folgten.

Die neue Mitte soll auch grün sein

„Es ist gut, dass die Planung nun strukturiert wird, das hat bisher gefehlt“, sagte Stadtrat Wolfgang Haug (FW/FDP). Jeder habe unter der Mitte etwas Anderes verstanden. Der Stadtrat sprach sich für „markante Ortsränder“ aus und forderte, den nördlichen Bereich der Grünzäsur als unveränderbaren Bereich zu schützen. „Das muss für die Landwirtschaft erhalten bleiben“.

Dem folgt auch Siegrid Ott (L.E. Bürger/DiB). Für sie ist es positiv, dass das Grün so festgeschrieben wird, dass es nicht verändert werden kann. Auf ihre Rückfrage hin bestätigte Noller, dass in diesem Beschluss des Technischen Ausschusses keine Festlegung auf Teilnahme an der IBA 27 erfolge. Auch Jürgen Kemmner, der Fraktionsvorsitzende der L.E. Bürger/DiB, stimmte einer koordinierten Planung zu.

Die Grünen seien grundsätzlich dabei. „Wir gehen jedoch nicht mit allem d´accord und werden differenziert abstimmen“, kündigte Frank Mailänder an. Jens Zellmer (SPD) sprach sich dafür aus, die Grünflächen aufzuwerten und die Aufenthaltsqualität zu verbessern. „Uns freut, dass es nicht zu einem planlosen Bauen entlang der Schiene und in der Neuen Mitte kommen wird“.

Für die CDU-Fraktionsvorsitzende Ilona Koch ist der gefasste Beschluss „ein Einstieg in den Planungsprozess und die Bürgerbeteiligung.“ Erich Klauser betonte, dass es um die Entwicklung der Gesamtstadt geht, weshalb sich der SPD-Fraktionsvorsitzende „so etwas wie den Filderdialog“ vorstellt. Dafür erhielt er jedoch Widerspruch von Koch, die das für „keine gute Schablone“ hält.

Nach Vorstellung von Walter Vohl (FW/FDP) sollte der Gemeinderat Eckpfeiler für die Planung vorgeben, über die detailliert mit den Bürgern gesprochen werden kann. „Ansonsten“, so der Stadtrat, „entsteht ein wirres Durcheinander“. EBM Noller kündigte eine konkrete Vorlage an.