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Ausstellung zu „200 Jahre Mäulesmühle“ Mayles Mühle gab den Namen

Beim Deutschen Mühlentag an Pfingstmontag, 10. Juni, wird die Stadt als Besitzerin der Mäulesmühle mit einer kleinen Ausstellung an „200 Jahre Mäulesmühle“ erinnern. Die Ausstellung, zusammengestellt vom Stadtarchiv, wird von Bürgermeister Dr. Kalbfell um 12 Uhr eröffnet.

Familie Graf vor der Mäulesmühle im Jahr 1912. Letzter Müller war Wilhelm Graf (dritter von rechts mit Tochter Martha). | Fotos: Stadtarchiv

1819 wurde das heutige zweistöckige Fachwerkhaus erbaut. Die Mühle selbst ist viel älter: Die auf Musberger Markung gelegene dritte Mühle im Reichenbachtal findet zusammen mit sechs weiteren Mühlen erstmals eine Erwähnung im Schönbuchurbar (1383) als „Ruedgers Muhlin“. Danach hieß sie nach den wechselnden Besitzern Stierlinsmühle, Jochamsmühle oder Metzgersmühle.

Die heutige Namensgebung geht auf die Besitzer ab 1694 zurück, die Familien Maylin, Maylen oder auch Mayle. Aus Mayles Mühle wurde im Laufe der Zeit die Mäulesmühle. Der völlig verschuldete Johann Georg Maylen musste die Mühle 1764 verkaufen. Danach gab es häufige Besitzerwechsel.

1805 waren Johann Georg Burkhardt und Georg Friedrich Walter Besitzer der Mühle. Sie ließen sie 1819 neu aufbauen (an den Türstürzen der Eingänge zum Mahlraum werden beide als Baumeister bezeichnet.) Es entstand ein großes Wohnhaus für zwei Familien mit einem Arbeitsraum für den Müller. Dieser beherbergte zwei Mahlgänge (Schrot- und Weißgang) sowie einen Gerbgang. Hinzu kamen Ställe, Scheuern, Wagenschopf und Backhaus.

Ab 1857 war Johann Georg Graf bis zu seinem Tod im Jahr 1896 alleiniger Besitzer. Bis 1929 teilten sich Michael Graf und Karl Friedrich Walter den Besitz je zur Hälfte. Ab 1929 ist Wilhelm Graf der alleinige Besitzer. Nachdem er aus gesundheitlichen Gründen 1945 den Mahlbetrieb eingestellt hatte, verfiel das Mühlgebäude zusehends.

Die Mühle um 1900

1961 erwarb die Gemeinde Leinfelden die Mühle. Zu dieser Zeit war Gustav Egler Bürgermeister von Musberg und Leinfelden. Aber erst 1978 fasste der Gemeinderat von Leinfelden-Echterdingen den Beschluss, die Mühle von Grund auf zu sanieren, da das Mahlwerk aus dem Jahr 1819 eines der besterhaltenen in Württemberg ist. Doch die Finanzlage der Stadt war schlecht, und so wurde das teure Projekt zurückgestellt.

1985 bei einer erneuten Bauuntersuchung wurde eine schlechte Bausubstanz und Fundamentierung festgestellt. So wurde die Mühle gänzlich abgetragen und neu aufgebaut, wobei das ursprüngliche Material zum Teil wiederverwendet wurde. Eine Pfahlgründung mit Betonpfeilern weist nun das tiefgründende Fundament in morastigem Boden. Die noch gut erhaltene Mühleneinrichtung wurde restauriert. 1988 wurden Mühlenmuseum und Gaststätte eingeweiht. Seither ist die Mäulesmühle ein beliebtes Ausflugsziel. Gruppenführungen gibt es u.a. auch für Kindergärten und Schulen, und der Gaststättenpächter bietet Backen für Kinder an.

Bundesweit bekannt durch die TV-Sendungen ist bei den Freunden des Mundarttheaters die seit 1985 zur Mühle gehörende Komede-Scheuer, wo die Sketche „Hannes und der Bürgermeister“ aufgeführt werden. Seit ein paar Jahren führt die Junge Akademie Stuttgart hier außerdem das immer gut besuchte Erlebnistheater „Krabat“ auf.

Eindrucksvoll kam das Mahlwerk auch bei „Krabat“ mit dem Stuttgarter Ballett zur Wirkung: Mit 16 Mikrofonen war der „Mühlensound“ aufgezeichnet worden, der dann düster durch das Große Haus dröhnte.

  • Deutscher Mühlentag, 10.6., 12-18 Uhr, Eintritt frei
  • Führungen um 14 Uhr und 16 Uhr zur Geschichte der Mühle und des Siebenmühlentals; im Anschluss daran wird das Mahlwerk jeweils in Betrieb genommen.
  • Das Bio-Restaurant hat ab 12 Uhr geöffnet.
  • Ab 14 Uhr Spieleparcours der Freunde von der Wilden Ranch (Waldenbuch)