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Unternehmerdialog zeigt Möglichkeiten für Gewerbeflächenentwicklung auf OB Klenk drängt auf Beschlüsse und rasche Umsetzung 

Nach zwei Jahren Zwangspause war auch zur Freude von Oberbürgermeister Roland Klenk endlich wieder der persönliche Austausch beim Unternehmerdialog möglich. Und der hatte kürzlich in „bertha’s place“ bei der bestens besuchten 13. Auflage ein wichtiges Thema: „Gewerbeflächen-Entwicklungskonzept. Bestand und Neuentwicklung – balanciert in die Zukunft gehen“. 

Voll gefüllter Saal bei einer Rede von OB Klenk
Bestens besucht war der Unternehmerdialog in „bertha’s place“ Ende Oktober, zu dem die Stadt die Unternehmen aus LE eingeladen hatte. | Foto: Bergmann

„Wir möchten Ihnen einen Ausblick geben, was bei der Flächenentwicklung in Leinfelden-Echterdingen geplant ist“, sagte Klenk in Richtung der Unternehmerinnen und Unternehmer und stellte in diesem Zusammenhang gleich den Bezug zum städtischen Haushalt her. „Der Gang in die Verschuldung ist nicht aufzuhalten“, sagte er mit Blick auf den jüngst in den Gemeinderat eingebrachten Doppelhaushalt. Aus dem geht hervor, dass nach wie vor Gewerbesteuer und Einkommenssteuer den Löwenanteil bei den Einnahmen der Stadt ausmachen – rund zwei Drittel. „Diese Steuereinnahmen sind jedoch abhängig von der Konjunktur“, so der Oberbürgermeister. Dem Dank für das Wirken der Unternehmen in der Stadt folgte Kritik an der Bundes- und Landespolitik. „Die Kommunen sind leidtragende einer Politik, die mit Geld um sich schmeißt, dabei aber die Kommunen finanziell alleine lässt“, machte Klenk seinem Unmut Luft. „Ich mache mir nicht nur Sorgen um die Finanzen, sondern auch um den sozialen Frieden, beendete er seinen Exkurs in die finanzielle Situation der Stadt.

„Die Industrie befindet sich im Wandel“, sagte Benjamin Dihm, der nach Klenk am Rednerpult stand. Der Erste Bürgermeister stellte den Ist-Zustand vor. „Im noch immer gültigen Flächennutzungsplan von 2008 sind insgesamt 49,9 Hektar für die Entwicklung von Gewerbeflächen vorgesehen“, so Dihm. Davon seien noch 47,8 Hektar übrig. „Da ist noch Potenzial“, stellte er angesichts dieser Zahlen und dem schonenden Umgang mit Flächen in der Vergangenheit fest. Neben der Transformation des Bestands durch Nachverdichtung, Modernisierung und Ökologisierung sowie einer verbesserten Klimaresilienz müssten auch neue Flächen für neue und zukunftsträchtige Technologien entwickelt werden – „und das mit einem nachhaltigen Konzept“, wie er betonte. Schwerpunkte bei der Flächenneuentwicklung sind aus Sicht der Stadtverwaltung zum einen die Rötlesäcker im Osten von Leinfelden – ein bislang unbebautes Gelände – sowie das Gewerbegebiet im Echterdinger Norden. Und genau zu diesen zwei Gebieten stellten zwei Experten ihren Ideen vor, die an diesem Abend geladen waren.

Fünf Referenten beim Unternehmerdialog
Organisiert worden war der Unternehmerdialog von der städtischen Wirtschaftsförderin Angelika Goldak (Mitte). OB Roland Klenk (2. v. l.) und EBM Benjamin Dihm (rechts) stellten die Position der Stadt dar, Alfred Ruther-Mehlis (links) und Steffen Braun gingen auf die Entwicklung im Echterdinger Norden und in den Rötlesäckern ein. | Foto: Bergmann

Alfred Ruther-Mehlis vom Institut für Stadt- und Regionalentwicklung beleuchtete das Thema „Flächeneffizienz, Qualifizierung und Transformation im Gewerbegebiet Echterdingen Nord“. 25 Hektar ist das Gebiet groß. Es sei, so Ruther-Mehlis, stabil und wenig abhängig nur von einem Unternehmen. Eine Umfrage bei den Firmen habe gezeigt, dass die meisten Befragten mit der Anbindung zufrieden sind, die Nähe zum Flughafen gar nicht so wichtig sei. „Bemängelt wurde, dass es zu wenige Parks und Plätze für den Aufenthalt sowie zu wenig Ladestationen für Elektrofahrzeuge gibt.“ Alles in allem stehe das Gebiet nach seinen Worten unspektakulär und solide da. „Aber reicht das heute?“, so seine Frage.

Luftbild vom Echterdinger Norden
Der Echterdinger Norden ...
Luftbild von den Leinfelder Rötlesäckern
... und die Rötlesäcker in Leinfelden | Fotos: luftbild-service.com

Allein 2,8 Hektar sind von Parkplätzen belegt. „Da gibt es trotz Flächenknappheit eine ganze Menge Potenzial“, führte er an. Auch gebe es wenig Grün, dafür aber viele Hitzeinseln. „Das geht auf die Leistungsfähigkeit der Beschäftigten“, folgerte er daraus. Grün in Gewerbegebieten sei heute kein Luxus, sagte er und schlug vor, den Grünstreifen am Erlenbrunnen nutzbar zu machen. In manchen Bereichen plädierte er für eine Neuordnung. So könnten an der Nikolaus-Otto-Straße auf einige Gebäude weitere Stockwerke aufgesattelt werden. „Wir müssen uns beim Thema Gewerbeflächenentwicklung mit der Perspektive der Beschäftigten auseinandersetzen“, so Ruther-Mehlis, der dabei auch an den Wettbewerb um die Fachkräfte denkt.

Denkbare Visionen zeigte Steffen Braun von Fraunhofer IAO für die Rötlesäcker auf und stellte das Gebiet in Zusammenhang mit den Entwicklungen in der Region. „Bioökonomie und Greentech gehören zu den Zukunftsmärkten und könnten eine neue Chance für LE sein“, so der Ingenieur.

„Die bisherigen Untersuchungen haben sehr viele Möglichkeiten aufgezeigt“, zog Klenk ein Fazit. Diese könnten jedoch nicht alle realisiert werden. „Es geht nun darum, die Dinge zu konkretisieren und Beschlüsse zu fassen“, betonte der Oberbürgermeister. Wenn das skizzierte so umgesetzt werde, bedeutet das eine massive Steigerung der Attraktivität des Standorts.