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Lärmaktionsplan vom Gemeinderat verabschiedet Forderung nach Tempo 80 auf der B27

Die Lärmbelastung der Menschen in Leinfelden-Echterdingen ist vor allem an den Durchgangsstraßen hoch. Um diese Belastung zu vermindern, hatte der Technische Ausschuss im vergangenen März den Entwurf für den Lärmaktionsplan Stufe 3 diskutiert. Der Plan wurde daraufhin öffentlich zugänglich gemacht, um den Bürgerinnen und Bürgern sowie den Trägern öffentlicher Belange die Möglichkeit zu geben, zu den aufgeführten Maßnahmen Stellung zu nehmen.

Pkw und Lkw fahren auf der B27
Tempo 80 statt der derzeitigen 120 Stundenkilometer sind eine Forderung, mit der der Gemeinderat die Lärmbelastung in der Stadt verringern will. | Foto: Krämer

Noch vor der Weihnachtspause wurde der vom Stuttgarter Büro Planung + Umwelt erstellte „Lärmaktionsplan zur Umsetzung der EU-Umgebungslärmrichtlinie“ zuerst im Technischen Ausschuss und dann im Gemeinderat beraten. 

Prof. Dr. Michael Koch stellte im Gremium seine Untersuchungen vor. Demnach ergeben sich Lärmschwerpunkte in allen Stadtteilen. Nicht verwunderlich: die Ortsdurchfahrten sind besonders belastet. „Sie sind damit priorisierte Bereiche für Lärmminderungsmaßnahmen“, so Koch. Der Bau von Lärmschutzwänden scheide in diesen Bereichen freilich aus, weshalb nach seiner Ansicht nur Geschwindigkeitsbeschränkungen Abhilfe schaffen können.

Sein Vorschlag, der so auch im Lärmaktionsplan steht, sieht Folgendes vor:

  • Tempo 30 in den Ortsdurchfahrten von Stetten, Musberg und Oberaichen sowie auf der Echterdinger Hauptstraße und der Stuttgarter Straße
  • Tempo 40 auf der Leinfelder und Plieninger Straße
  • Tempo 40 tagsüber und Tempo 30 nachts auf Bahnhofstraße, Echterdinger- und Musberg Straße sowie Tübinger- und Bonländer Straße
  • Tempo 80 auf der B27

Langfristig empfiehlt Koch den Bau der Nord-Süd-Straße, der Verlängerung der U5 bis Echterdingen, die Beschleunigung des Busverkehrs sowie die Umsetzung der Maßnahmen aus dem Verkehrskonzept.

Die Stadträte diskutierten teilweise kontrovers über die Vorschläge des Büros. Dr. Eberhard Wächter sprach sich für einheitlich Tempo 40 auf allen Durchgangsstraßen aus. „Das Tempo sollte zudem besser überwacht werden“, so der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler/FDP. Er forderte zudem Tempo 80 auf der B27 und die Erneuerung des in die Jahre gekommenen Flüsterasphalts auf der Autobahn.

David Armbruster war da anderer Meinung. „Tempo 40 schützt die Menschen nicht vor krank machendem Lärm, wir stimmen dem Verwaltungsvorschlag deshalb zu“, so der Grünen-Stadtrat. Für Sigrid Ott (L.E. Bürger/DiB) mache der Lärmaktionsplan bindende Vorgaben, denen die Menschen zugestimmt hätten. „Damit kann die Attraktivität der Ortskerne gesteigert und die Dominanz des Autoverkehrs reduziert werden“, sagte die Stadträtin. Ilona Koch, die Fraktionsvorsitzende der CDU, schloss sich der Tempo 40-Forderung der Freien Wähler an. Ihr Argument: Mit Tempo 30 würde sich die Pünktlichkeit der Busse verschlechtern. „Außerdem sollten wir zuerst alte Konflikte wie Parkierung und Radschutzstreifen lösen“, so Koch. Und Jens Zellmer (SPD) wünschte sich die Veränderung des Lärmaktionsplans in einzelnen Punkten.

Oberbürgermeister Roland Klenk schlug schließlich vor, den Beschlussvorschlag der Stadtverwaltung noch um zwei Punkte zu erweitern: Tempo 80 auf der B27 im Stadtgebiet sowie die Erneuerung des in die Jahre gekommenen und dadurch weniger wirkungsvollen Flüsterasphalts auf der A8, um wieder die volle Lärmminderung zu erhalten. „Bis dahin sollte die Geschwindigkeit reduziert werden“, so Klenk.

Der Beschluss des Lärmaktionsplans wurde daraufhin entsprechend erweitert und verabschiedet. Benjamin Dihm wies am Ende noch darauf hin, dass mit dieser Entscheidung nur einem Paket zugestimmt worden sei. „Wir kommen mit jeder einzelnen Lärmschutzmaßnahme ins Gremium“, so der Erste Bürgermeister.