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Felderrundfahrt der Leinfelder Bauern mit BM Dr. Kalbfell Klagen über Hitze und Energiekosten

Die Hitze und steigende Preise für Energie bringen die Landwirte in Leinfelden, Musberg und Unteraichen zum Schwitzen. Ihre Probleme schilderten sie am Mittwoch, 20. Juli, bei einer Felderrundfahrt mit Leinfelden-Echterdingens Sozialbürgermeister Dr. Carl-Gustav Kalbfell und Vertretern der Verwaltung.

Traktor mit Änhänger auf einem Feld
Foto: Bergmann

Am Standort Musberg gibt man sich mit einer durchschnittlichen Getreideernte zufrieden. „Die Wachstumsperiode fürs Wintergetreide war relativ mild, die Hitzewelle nach Pfingsten hat dann einen Knick gebracht, aber die Hitze der letzten Tage hat Pflanzenteile vertrocknen lassen“, sagte der Musberger Landwirt Theo Stäbler. Dennoch rechne man mit 90 Prozent verwertbarem Mahlgetreide. Für die Qualität habe der Handel zwar Mindestanforderungen, kritisierte er, falle die Qualität aber besser aus, bekämen die Landwirte keinen Zuschlag.

Der Mais stehe gut da, aber er brauche dringend Regen, damit er gute Kolben entwickeln könne: „Wenn es noch zehn Tage lang Hitze gibt, dann kann man die Maiserträge in den Wind schießen.“ Die Preise brächen gerade gewaltig ein und lägen etwa auf dem Niveau von vor dem Ukraine-Krieg. Er habe, sagte Stäbler, glücklicherweise früh Verträge abgeschlossen und noch einen relativ guten Preis erzielt. „Die Schwankungen liegen daran, dass Leute den Preis gestalten, die ihr Leben lang kein Weizenkorn in Händen gehalten  haben, sondern nur über irgendwelche Leerverkäufe den Preis machen.

Spekulationen mit Nahrungsmitteln gehören verboten“, forderte Joachim Mack, der Obmann der Leinfelder Landwirte.  Die gestiegenen Energiepreise, berichtete er, entschieden auch darüber, was angebaut werde. Ein Landwirt in Möhringen  sei im Frühjahr vor der Entscheidung gestanden, Mais oder Hafer zu säen. „Er hatte bisher immer Verträge für Mais, und auch das neue Vertragsangebot wäre interessant gewesen, er hat sich aber trotzdem für Hafer entschieden“ sagte Mack. Der Grund seien die Trocknungskosten für den Mais gewesen, die laut Vertrag der Landwirt hätte tragen müssen. Mais werde mit Öl oder Gas getrocknet: „Wäre das Jahr feucht geworden, dann hätten die Trocknungskosten den Gewinn des Landwirts aufgefressen.“

Schlecht sieht es für die Kartoffeln in Unteraichen aus.  Die Fäule und den Kartoffelkäfer habe man gut im Griff gehabt, dann sei die Hitze gekommen: Eine Kartoffelsorte sei wegen Wassermangels bereits am Ende, die anderen, darunter Salatkartoffeln, stehen noch gut da, aber sie brauchen dringend Regen. Wenn dieser weiterhin ausbleibe, müsse man bewässern. Die Hydranten dafür stunden unglücklicherweise auf der Straße und die Wasserentnahme gefährde den Verkehr. Vehement wehren sich die Unteraicher Bauern gegen die weitere Ansiedlung von Wohnungen und Gewerbe auf dem Areal zwischen der Maybachstraße und der Bebauung Unteraichen. Die Aufsiedlung bringe Konflikte mit sich.  „Wenn wir auf dem Feldweg fahren, müssen wir auf den Acker ausweichen, um Radler passieren zu lassen, sagte Joachim Mack.

„Die Felderrundfahrten werden von der Stadt sehr ernst genommen“, sagte Carl-Gustav Kalbfell am Ende der Rundfahrt.  Die Landwirtschaft sei ein „wichtiger Funktionsträger“ und man nehme die Anliegen und Anregungen der Landwirte Ernst.  „Für mich war es beeindruckend, wie komplex Ihre Tätigkeit doch ist“, so der Bürgermeister.