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Felderrundfahrt der Echter­dinger Bauern mit EBM Dihm Plädoyer für den Erhalt der Ackerflächen

Der Klimawandel mit Trockenperioden ruiniert weltweit Ernten, aber die Filderbauern kommen dank ihrer hervorragenden Böden noch einigermaßen glimpflich davon. Dies gehört zu den Erkenntnissen, welche die Echterdinger Landwirte Leinfelden-Echterdingens Erstem Bürgermeister Benjamin Dihm, Stadträten, Amtsleitern, Vertretern des Landwirtschaftsamts Nürtingen und Interessierten bei der Felderrundfahrt am 14. Juli vermitteln konnten. 

Felderrundfahrt der Echterdinger Bauern mit EBM Dihm
Foto: Bergmann

Passend zum Thema Trockenheit brachte strahlender Sonnenschein mit hochsommerlichen Temperaturen die Runde ins Schwitzen. Bei den Kartoffeln, denen die sich verändernden Bedingungen nicht gut tun, ist es in diesem Jahr aber weniger die Fäule, unter der sie leiden. „Kartoffelkäfer sind in diesem Jahr ein wahnsinniges Problem. Man muss schnell mit Pflanzenschutzmaßnahmen reagieren. Biolandwirte haben es schwer, weil die Käfer gerade alles wegfressen. „Das ist schon heftig. Manche Felder sehen fast kahl aus“, sagte Landwirtschaftsmeister Fritz Auch-Schwarz auf Anfrage. 

Wie überall werde das Wasser knapper, und im Gegensatz zu früher, als der Filderboden Wasser nachgeliefert habe, müsse man nun bewässern. Man komme ins Sinnieren, was auf den Feldern Zukunft habe. So werde in Nordrhein- Westfalen bereits Lavendel angebaut. „Wenn die Trockenheit jetzt anhält, werden diejenigen, die sich noch vor ein paar Wochen auf eine gute Weizenernte gefreut haben, enttäuscht sein.“ Im Moment sei die Kornfüllphase, aber ohne Wasser würden Top-Erträge ausbleiben. „Ein schöner Regen hätte noch gut getan, aber so wird es jetzt so langsam auch für den Mais kritisch“, sagte Auch-Schwarz. 

Mit dem Obst sehe es gut aus, aber man müsse eben immer wässern. Am ersten Standort der Rundfahrt bei einem Weizenfeld beim Zeppelinstein am Übergang der B 27 mit Blick auf Messe und Flughafen am Horizont klagte Fritz Auch- Schwarz über die Umstände beim Bau eines Radwegs über die Straße. Das Areal sei so weiträumig abgesperrt gewesen, dass es für die Bauern fast unmöglich gewesen sei, auf ihre Felder zu kommen. 

Man blicke von hier aus, sagte der landwirtschaftliche Obmann von Echterdingen, auf das künftige Areal des Gewerbepark-Ost, ein Projekt, das Leinfelden-Echterdingen zusammen mit der Landeshauptstadt immer noch betreibe: „Von unserer Seite aus wird dies komplett abgelehnt. Wir lassen hier keine Versiegelung landwirtschaftlicher Flächen mehr zu.“ Es gehe nicht an, ausgerechnet auf den besten Böden alles zuzubetonieren. Die politischen Krisen und der Klimawandel zeigten die Wichtigkeit der Landwirtschaft auf den Fildern: 

„Wir müssen uns so langsam mal Gedanken machen, ob wir noch eigentlich richtig denken, oder ob wir unsere Denkweise in eine andere Richtung lenken sollten, vor allem, wenn man einen solchen Boden vor der Haustüre hat.“ 

Vor einigen Tagen sei er mit dem Motorrad in der norditalienischen Po-Ebene gewesen: „Da sieht es ganz anders aus, da steht kein Weizen mehr, alles ist wegen der Trockenheit weg und das in einer Region, die von uns aus nicht sehr weit entfernt ist. Deshalb können wir gottfroh sein, dass wir solch einen Boden haben, der noch ein bisschen Wasserleitfähigkeit hat und gegenüber anderen Böden noch etwas hinaufbringt. 

Anderswo ist es komplett aus“, sagte Auch-Schwarz. „Vielen Dank, dass ich dabei sein durfte. Es lohnt sich, man sieht etwas, und es ist eine Gelegenheit, sich persönlich auszutauschen und nicht per E-Mail. So kommt man vielleicht zu Lösungen, die für alle vertretbar sind“, sagte Erster Bürgermeister Benjamin Dihm.