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OB plädiert für ganzheitliche Betrachtung Goldwiesenschule: Neubau statt Sanierung eröffnet neue Chancen

Am vorletzten Freitag konnte ich die Vorsitzenden der Gemeinderatsfraktionen mit einem Gedankengang bekannt machen der, ausgehend von den mit Sicherheit zu erwartenden jahrelangen Beschwernissen für die Goldwiesenschule durch Um-, An- und Neubauten, den Versuch unternimmt, diese massiven Eingriffe und Störungen des Schulalltags sehr weitgehend zu eliminieren und gleichzeitig deutliche Perspektiven in drei zentralen Handlungsfeldern unserer kommunalen Schwerpunktsetzung aufzuzeigen. Dem Wohnungsbau, dem öffentlichen Nahverkehr und der Erhaltung und Verbesserung unseres schulischen Bildungsangebots.

Portaitfoto von OB Klenk
Foto: Bergmann

Die Umsetzung der bisherigen Planung würde bedeuten, dass 60 bis 70 Prozent des Bestandes der Goldwiesenschule verändert und bis auf 4 Klassenräume von 12 alle neu gebaut werden würden. Um den Unterricht überhaupt fortsetzen zu können, bedürfte es der Aufstellung zahlreicher Container, gleichzeitig wären schwierige Fragen der Unterbringung der Schulkindbetreuung aber auch des Goldwiesenkinderhauses zu lösen. Denn auch die Schulkindbetreuung und das Goldwiesenkinderhaus wären durch den weitgehenden Eingriff in den Bestand massiv betroffen.

Die Risiken eines solch tiefgreifenden Umbaus im alten Bestand brauche ich hier niemandem darzulegen. Wir sind, wie alle anderen Städte auch, insoweit gebrannte Kinder.

Mehrere Jahre Baulärm, Provisorien, Umzüge, eingeschränkte Freibereiche erwarten die Schule und die Kinderbetreuung. Dabei sind noch nicht einmal alle zu bedenkenden Problempunkte benannt. Aus meiner Sicht Anlass genug, innezuhalten und neu zu denken.

Neubau beim Sportpark Goldäcker

Die Überlegungen gehen von einem Neubau der Schule einschließlich einer Kinderbetreuungseinrichtung an einem anderen Ort aus. Dieser andere Ort könnte das Gelände südlich des Philipp-Matthäus-Hahn-Gymnasiums sein, wo wir allerdings in erheblichem Umfang Grunderwerb tätigen müssten.

Oder als einfachere und schneller umzusetzende Alternative die Flächen des Kunstrasenspielfeldes und des geschotterten Teils des Parkplatzes beim Sportpark Goldäcker. Eine Fläche, die für die Neuerrichtung der Schule sowie eines Kinderhauses gut ausreichen würde. Da die wegfallenden Parkplätze notwendig sind, könnten diese in gleicher Zahl und Beschaffenheit voraussichtlich westlich entlang der in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Erschließungsstraße neu geschaffen werden. Weitere diesbezügliche Alternativen werden aktuell geprüft. Ein alternativer Standort für das Kunstrasenspielfeld könnte im Süden des Sportpark Goldäcker Geländes oder ebenfalls westlich der Erschließungsstraße südlich des eventuellen Standortes für die neu zu schaffenden Schotterparkplätze angedacht werden.

Das Kunstrasenspielfeld hat übrigens seine Lebensdauer erreicht, es müsste deshalb kein Eingriff in werthaltigen Bestand erfolgen.

Es gibt fundierte Erwartungen, dass dieses Projekt die staatliche Schulbauförderung bzw. Kindergarteninvestitionsförderung erhalten würde.

Ungestörter Unterricht in der Bauzeit

Diese Alternative zum bisherigen Plan würde bedeuten, dass die Goldwiesenschule und das Goldwiesenkinderhaus für die Bauzeit weitgehend ungestört weiterarbeiten könnten. Nach dem Umzug in das neue Gebäude könnte die dann leere alte Schule als Ort für Interimsunterbringungen bei allfälligen weiteren Schulsanierungen dienen. Wir wissen nicht genau, welche Anforderungen auf uns zu kommen, wenn es an die Sanierung oder gar den Neubau des IKG geht. Sicher ist, dass es der Auslagerung nicht unerheblicher Teile des Gymnasiums, wenn nicht gar der ganzen Schule bedürfen wird. Eine dann zur Verfügung stehende leere Goldwiesenschule könnte sich da als Segen für dieses Projekt erweisen.

Wohnungen an Stelle der heutigen Schule

Bei einem Blick in die etwas fernere Zukunft drängt es sich geradezu auf, an Stelle der alten Goldwiesenschule dringend benötigten Wohnraum in nicht zu unterschätzender Größenordnung zu schaffen, nachdem die Funktion als Interimsstandort im Schulbereich nicht mehr benötigt wird.

Ich sprach eingangs von drei Handlungsfeldern. Als drittem will ich nun zum Nahverkehr kommen. Die Verlängerung der U5 bis Hinterhof gehört zu unseren Dauerthemen. Schaut man sich die Zeiträume der Verwirklichung von Schienenprojekten an (Verlängerung U6 dreizehn Jahre, Verlängerung S2 nach Neuhausen mindestens 16 Jahre) und die dafür benötigten gewaltigen Summen in Invest und laufenden Betrieb, sollte man über Alternativen, mindestens aber Überbrückungslösungen bis zu einer Verwirklichung der U5 Verlängerung nachdenken.

Kostenloser Pendelbus als Alternative

Vor einiger Zeit hatte ich insoweit die Einrichtung eines Pendelbusverkehrs zwischen der ehemaligen Stadtbahnhaltestelle Hinterhof und den Haltestellen von U5 und S-Bahn mit einem Zwischenhalt auf Höhe des PMHG angeregt.

Dies will ich jetzt konkret aufgreifen. Die Vorstellung ist, in relativ schneller Taktung einen E-Bus auf der alten, aber noch freien Trasse der Stadtbahn fast gänzlich kreuzungsfrei verkehren zu lassen. Rund 60 Prozent der Fahrstrecke würde auf der alten Trasse ohne jede andere Verkehrseinwirkung zurückgelegt. Nach einem bevorrechtigt erfolgten Einschwenken auf die Max-Lang-Straße könnte der Bus bis zu einer bereits bestehenden Wendemöglichkeit zum S- und U-Bahn Haltepunkt in Leinfelden fahren. Ein schneller und direkter Weg.

Wer sollen die Nutzer sein? Zum einen soll diese Linie das seit langer Zeit schmerzlich empfundene Defizit der Anbindung des Echterdinger Westens und Südens an den Schienenverkehr beseitigen. Diese Linie könnte auch von Schülerinnen und Schülern beider Stadtteile benutzt werden, und natürlich von Sportlerinnen und Sportlern, die direkt vor dem Sportzentrum Goldäcker aus- und einsteigen können. Sie könnte aber auch eine neue Lebensader sein, um unsere beiden großen Stadtteile zu verbinden. Anfangs-und Endpunkt der Strecke liegen jeweils im Herzen der beiden Stadtteile. Die jeweiligen Zentren können erheblich von diesem Angebot profitieren. Auch ein neues Rathaus im Quartier III wäre damit auch aus Echterdingen hervorragend angebunden. Meine Vorstellung ist, dieses Angebot nach Möglichkeit gratis zu machen. Ich bin mir sehr sicher, dass es von der Bürgerschaft hervorragend angenommen werden würde und einen nicht geringen Beitrag zur Verbesserung der Mobilität leisten würde.

Plädoyer an die Stadträte

Meine Damen und Herren, die bislang erfolgten Reaktionen aus den Reihen der Fraktionen ermutigen uns in der Stadtverwaltung, diesen Weg weiter auszuloten. Und das ist es auch, was ich heute von Ihnen erbitten möchte. Geben Sie uns die Gelegenheit zur weiteren und näheren Prüfung dieses “Pakets“, als das ich diese innerlich zusammenhängenden Bausteine betrachte.

Wir fangen nicht bei null an. Eine erste Befassung mit diesem Projekt in verschiedenen Bereichen der Stadtverwaltung lässt erwarten, dass es auch umgesetzt werden kann. Selbst unter rein finanziellen Gesichtspunkten dürfte es die bessere Alternative zum bisher Geplanten sein. Die Vermeidung unwägbarer Risiken kann auch zu zeitlichen Vorteilen führen.

Es ist mir klar, dass noch eine ganze Reihe an Fragen von unterschiedlichem Gewicht zu klären sein wird. Und wir werden nicht wenige Abwägungen zu treffen haben. Es geht auch darum mit den betroffenen Schulen und der Elternschaft in das Gespräch einzutreten.

Ich bin mir sicher, es lohnt sich, an diesem Projekt mit Schwung weiter zu arbeiten.