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TA gibt grünes Licht für Wärmenetz der Stadtwerke „HiMi“ soll klimaneutral beheizt werden

Die „Historische Mitte“ (HiMi) Echterdingen soll durch die Sanierung nicht nur optisch ein Schmuckstück werden. Auch in ökologischer Hinsicht will die Stadt dort einen Meilenstein setzen. Dafür wollen die Stadtwerke erst einmal öffentliche Gebäude mit einem Wärmenetz verbinden, das die Umwelt nicht mit Kohlendioxid belastet.

Echterdinger Kirchplatz mit historischem Rathaus
Foto: Bergmann

Außerdem sollen Anwohner die Gelegenheit erhalten, ihre Häuser an das Wärmenetz anzuschließen. Dies hat an diesem Dienstag der Technische Ausschuss ohne Gegenstimme mit einer Enthaltung beschlossen. Die Gebäude, um die es erst einmal geht, sind die Zehntscheuer, die Volkshochschule, die Gaststätte Paulaner, das Rathausareal, die Musikschule und die Zeppelinschule sowie das Gebäude der Feuerwehr und des Roten Kreuzes. 

„Man kann nichts dagegen haben, dass die Stadtwerke da rangehen“, sagte Oberbürgermeister Roland Klenk. Die Frage, wo die Wärmezentrale geschaffen werden könne, ob sie über dem Boden oder unterirdisch gebaut werde, sei momentan noch offen, sie müsse aber geklärt werden. Die Idee zum neuen Wärmenetz, erläuterte der Stadtwerke-Geschäftsführer Peter Friedrich, sei zusammen mit dem Hochbauamt entstanden, denn zahlreiche Heizungen im Sanierungsgebiet müssten saniert werden. Der Gesetzgeber gebe rasche Klimaneutralität vor.

Wolle man die maroden Heizungen durch konventionelle ersetzen, dann müsse man im Gegenzug die Gebäude energetisch sanieren: „Die Zehntscheuer energetisch auf den neuen Stand zu bringen, würde fast einem Neubau gleichkommen.“ Auch für die Gaststätte Paulaner oder das alte Rathaus sei energetische Sanierung kaum umzusetzen, ohne die historischen Gebäude zu zerstören. Stattdessen solle ein Wärmenetz aufgebaut werden, das die historischen Gebäude versorge.

Dabei gebe es aber, führte Peter Friedrich aus, ein weiteres Problem: „Wenn die Stadtwerke in der Historischen Mitte eine Wärmezentrale errichteten, dann würde dies den Sanierungszielen zuwiderlaufen.“ Deshalb überlege man, wo man diese Wärmezentrale so bauen könne, dass sie zwar ihren Zweck erfülle, aber den historischen Ortskern nicht mit moderner Heiztechnik verunstalte. Es sei deshalb gut möglich, dass die Zentrale im Boden versenkt oder in einem Keller gebaut werde. Das Ziel sei es, das Wärmenetz „für Private“ zugänglich zu machen, um auch da im Zuge der zunehmenden Klimaneutralität den Wechsel auf umweltfreundliche Technik hinzubekommen.

Die historischen Gebäude, vor allem die Zehntscheuer, sagte Peter Friedrich, hätten hohe Wärmeverluste und deshalb einen großen Heizbedarf. „Das funktioniert nur mit Hochtemperaturnetzen, und die sind momentan mit Wärmepumpen finanziell noch nicht darstellbar. Bei diesem Netz entstehen wahrscheinlich Mehrkosten, die irgendwer tragen muss. Wenn wir dann auch private Dritte einbeziehen, dann sollte man das unserer Meinung nach auch über städtische Mittel finanzieren.“ Auf dem Markt gebe es aber auch Förderprogramme wie das KfW-Programm 432, für das die Stadtwerke schon eine Zusage hätten. Damit könnten 50 Prozent der Planungskosten und darüber hinaus weitere Kosten für das Quartiermanagement gedeckt werden.

Bei den Stadträten stießen die Pläne der Stadtwerke auf positive Resonanz. Allerdings kritisierte Wolfgang Haug (FDP), dass das nahe am Sanierungsgebiet gelegene Stadtmuseum nicht zu den Gebäuden gehöre, die ans Wärmenetz angeschlossen seien. Peter Friedrich entgegnete, dass man dafür die Hauptstraße sperren müsse. Der Anschluss sei erst möglich, wenn die Hauptstraße 2025 oder 2026 saniert werde.

Walter Vohl (FW) sagte: „Wir sind natürlich dafür, möglichst viele Nutzer an die Wärmezentrale einzuschließen. Ich wäre aber nicht für eine Dauersubventionierung der Nutzer. Für eine Brückentechnologie, die im Moment teuerer ist als das Herkömmliche, wäre ich schon der Meinung, dass wir Geld zuschiessen, um möglichst viele zu überzeugen, das Wärmenetz zu nutzen.“ Die Stadtwerke sollten weiter nach Fördermitteln Umschau halten, „damit sich diejenigen, die die Gesetze machen, die wir teuer ausführen müssen, an den Kosten beteiligen.“

Konrad Pfeilsticker (Grüne) befand: „Wir stimmen zu und finden das Projekt mutig. Wir gehen das Ziel der klimaneutralen Wärmeversorgung bis 2040 an, und ein zentrales Wärmenetz ist dafür besser als die Einzelsanierung.“ „Die Pläne stoßen bei uns auf offene Ohren, gerade die Einbeziehung Dritter“, sagte Jürgen Kemmner (L. E. Büger). Natürlich könne man das nicht in alle Ewigkeit subventionieren. Erich Klauser (SPD) zeigte sich zuversichtlich, dass das Wärmenetz Gewinn abwerfen werde, wenn es im Laufe der Zeit genügend Abnehmer gebe: „Dass wir das versuchen, da stehen wir voll dahinter.“