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Vor 25 Jahren wurde Klaus Kammerichs „LEscapade“ aufgestellt

Vor 25 Jahren, am Mittwoch den 4. Dezember 1996, wurde am S-Bahnhof Leinfelden das rund fünf Meter hohe Beton-Bildwerk „LEscapade“, eine sogenannte „Fotoskulptur“ des renommierten DFA-Fotokünstlers und Bildhauers Klaus Kammerichs (geb. 1933 in Iserlohn) aufgestellt und nach einer Ansprache von Oberbürgermeister Wolfgang Fischer feierlich enthüllt.

Skulptur am Rande des Leinfelder Bahnhofs
Foto: Bergmann

Die allansichtige, flügelspindelförmige Gussplastik, welche treppensteigende Menschenfiguren (erhabene Reliefsilhouetten) vor abstrakt verkreuzten Bahnschienen-Strukturen zeigt – auf den Kopf gestellt wiederholt sich dieses Motiv – wurde von Kammerichs in den Jahren 1994 bis 1996 geschaffen.

Vor dem Guss der cirka 20 Tonnen schweren Großplastik entwarf Kammerichs auf Grundlage fotografischer Vorlagematerialien (daher die Begrifflichkeit „Fotoskulptur“) diverse Vorstudien und plastische Formentwürfe unterschiedlicher Größe.

Am Tag der Einweihungsfeier beschrieb und deutete der Künstler sein Bildwerk selbst und erläuterte die intendierten, bereits durch die Großbuchstaben LE im Werktitel suggerierten Bezüge desselben zum direkten Aufstellungskontext und zur Stadt Leinfelden-Echterdingen. So fänden u. a. „(…) die Treppen der S-Bahn und ihre Gleise (…) ihre Entsprechung in der Schienenform der abstrakten seitlichen Profile, die sich in der Mitte zu einem ,Drehkreuz‘ treffen“ (zit. nach Amtsblatt vom 13.12.1996).

Das Wechselspiel der übereinander angeordneten, aufrecht- und kopfstehenden Figuren symbolisiere hingegen sowohl das städtische Spielkartenmuseum (viele historische Spielkarten zeigen Doppelfiguren im Umkehreffekt) als auch die Deutsche Fotografische Akademie (kopfstehender Abbild-Effekt in der historischen Kamera-Technik), welche zwischen 1973 und 2020 ihren DFA-Hauptsitz in Leinfelden-Echterdingen hatte. Die DFA hatte seinerzeit bei ihrem Akademie-Mitglied Kammerichs, seit 1994 Träger der David-Octavius-Hill-Medaille und des Kunstpreises der Stadt-Leinfelden-Echterdingen, bezüglich einer Fotoskulptur angefragt und nach deren Fertigstellung (Co-Finanzierung durch die Landesgirokasse sowie die Firmen Manz-Bau und Ready-Mix) der Stadt Leinfelden-Echterdingen als Dankeschön für die jahrelange, konstruktive Zusammenarbeit geschenkt.

Gestalterisch verweist die Fotoskulptur „LEscapade“ auf Kammerichs wichtigste Schaffensperiode zwischen 1970 und den 1990er-Jahren. In dieser Zeit widmete sich der Düsseldorfer Fotografie-Professor dem dreidimensionalen, plastischen bzw. skulpturalen Schaffen, wobei fotografisches Vorlagematerial immer am Ausgangspunkt des künstlerischen Prozesses stand. Durch Übertragungsprozesse von collageartig montierten Fotografie-Elementen (z. B. räumliche Schichtung von verschiedenen Grauabstufungen) auf plastische Objektträger wie z. B. Holz oder Kunststoffplatten entstanden perspektivisch zergliederte, abgussfähige „Fotoskulpturen“ zwischen Foto-Realismus und Abstraktion. Eine lesenswerte Werkbeschreibung zu Kammerichs „LEscapade“ findet sich in der von der Bürgerstiftung herausgegebenen aktualisierten Publikation „Unter freiem Himmel – Skulpturen in Leinfelden-Echterdingen“ (s.o.).