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Aus dem Stadtarchiv: Ein Zeugenbericht aus dem Jahre 1864 Der Blitz schlug ein – und Vater war tot!

In dem aufschlussreichen und viel gelesenen „Familienbuch Echterdingen“ des im letzten Jahr verstorbenen Professors Günther Schweizer werden die Familien von Echterdingen sowie die Familien von Weidach, Stetten und Hof zum Teil von 1641 bis 1900 aufgeführt.

Biltzeinschlag in einem Feld- und Waldgebiet
„Auf dem Felde von dem Blitze erschlagen.“ | Foto: gonzofotografie/Adobe Stock

Unter der Nummer 3224 ist die Familie des Echterdinger Bauern Johann Georg Steckroth erwähnt, der damals seinen Beinamen „Schottle“ trug. Mit seiner Frau Margarethe hatte er zehn gemeinsame Kinder. Das letzte Kind, der Sohn Johannes, wurde 1799 geboren. Dieser heiratete 1822 Anna Margarete Stäbler, mit der er sieben Kinder hatte. Im Familienbuch Echterdingen steht ein Zusatz zu ihm, der lautet: „†1.9.1864 auf dem Felde von dem Blitze erschlagen“.

Notizbuchaufzeichnungen

In das Nachlass-Archiv des Stadtmuseums gelangte kürzlich das Notizbuch des Sohnes von Johannes Steckroth, Johannes Gottlieb Steckroth (1828-1902), das jener im Jahr 1849 begonnen hatte. Darin führt er neben Anschaffungen, Verkäufen und Geschenken, Widrigkeiten und Sonderheiten der Natur sowie gesellschaftliche Ereignisse wie Hochzeiten oder Beerdigungen auf. So schildert er ausführlich die Ereignisse zum Tode seines Vaters:

 „Echterdingen, am Donnerstag den 1. Sept. 1864. Da mein lieber Vater auf das Feld seiner gewohnten Arbeit nachgehen wollte um zu Mähen, kam er bis in Weidach auf die Wiese. Da kam schnell von Weidach her ein heftiges Gewitter. Da rief er aus zum Heimgehen und sogleich eilten wir ihm nach. Da kam schnell ein heftiger Donnerschlag und schlug in die Hartwiesen in eine Felb [= Weidenbaum].

Nicht lange darauf kam ein noch gewaltigerer Donnerschlag und schlug unseren lieben Versorger und Vater tod, wo der Blitz ihm den Hut zerfetzte und ungefähr 15 Schritte fortschlug, die Haare auf dem Haupt verbrannt, wie auch das Hemd auf der Brust, die Haut schwoll von der Hitze aufgeblasen, die Hosen ganz zerfetzt, die Knöpfe zerschlagen, so daß nicht einer an der Hose blieb, den Hosenträger verbrannt, die Stiefel in kleine Stücke zerrissen und auseinander geschmissen, die Strümpfe ganz zerfetzt und ihn auf das Gesicht geworfen, so daß es ein großer Schauer war, ihn anzusehen. Der dritte Donnerschlag schlug bei Plattenhardt in einen Baum und der Blitz lief zu dem zweiten Baum und riß die Haut um ihn weg.

1864 kamen viele Menschen im Gewitter ums Leben

Da ging es weiter nach Murhart und brachte Haus und Scheuer in Brand und Asche und an einem anderen Ort kam noch ein Haus und Scheuer in Brand und Asche. Es war so, daß der Herr Zebaoth mit gewaltiger Stimme mit der Menschheit reden wollte; die Leute waren ganz erstaunt. 3 Personen schlug das Gewitter neben dem Vater zu Boden, diese konnten aber unbeschädigt wieder aufstehen, aber unser lieber Vater blieb auf dem Platz tod liegen.

Da ich ungefähr 50 Schritte hinter ihm war und sehe, wie ihn der Herr Zebaoth heimgesucht hatte – welch ein Schrecken war es für uns seinen Leichnam tod vor uns liegen [zu] sehen und seine Überreste dem mütterlichen Schoß der Erde so bald und unverrichtet übergeben [zu müssen am] Sonntag, den 4. Sept. [18]64 vormittag halb 10 Uhr. Und Glaser Borell wurde den Tag vorher beerdigt, wo der Vater in den 3. Reihen das 2. Grab seine Ruhestätte ist. Friede seinem Geist und Ruhe seiner Asche. In diesem Jahr ist unser Vater die 30. Person, die der Tod durch Gewitter ihrem irdischen Leben ein Ende machte.“