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Leiterin des Landesmuseums Württemberg zu Besuch in Echterdingen Pellengahr: „Kleine Museen haben eine große Bedeutung“

Seit dem 1. März ist Prof. Dr. Astrid Pellengahr Leiterin des Landesmuseums Württemberg und in dieser Funktion auch Ansprechpartnerin für das Deutsche Spielkartenmuseum, dessen Objekte teilweise der Stadt, teilweise aber auch dem Land gehören. 

4 Personen im Stadtmuseum
Sprachen über die Zukunft des Deutschen Spielkartenmuseums (v.l.n.r.): Bürgermeister Dr. Carl-Gustav Kalbfell, Prof. Dr. Astrid Pellengahr (Leiterin Landesmuseum Württemberg), Dr. Annette Köger (Leiterin Spielkartenmuseum) und Wolfgang Haug (ehrenamtlicher Leiter Stadtmuseum) | Fotos: Bergmann

Die Kulturwissenschaftlerin und Soziologin hat bereits ein Stadtmuseum geleitet, war Kulturamtsleiterin und hat viele Jahre als Museumsberaterin gearbeitet. Kürzlich war Prof. Dr. Pellengahr zum zweiten Mal zu Besuch im Stadtmuseum, in dem im Rahmen der Ausstellung „Spielen(d) genießen“ bis vor kurzem etliche Exponate aus der Spielkartensammlung zu sehen waren.

Was ist ihr erster Eindruck von der Spielkartensammlung?

Die Spielkartensammlung ist für das Landesmuseum Württemberg ein wichtiger Teil der Museumslandschaft. Hier wird der Bestand des Landes mit dem der Stadt zusammengebracht. Damit ist es eine der umfassendsten Sammlungen, die wir überhaupt in diesem Bereich kennen. Sie trägt den Namen Deutsches Spielkartenmuseum daher völlig zurecht und hat auch eine internationale Bedeutung. Wir bringen gerne nicht nur die Landessammlung ein, sondern unterstützen das Schaudepot und Archiv des Deutschen Spielkartenmuseums auch, wo wir können.

Haben Sie selbst einen Bezug zu Spielkarten, spielen Sie vielleicht auch selbst?

Ja natürlich, jeder von uns spielt ja von Kindesbeinen an. Spielen begleitet unser Leben. Ich selbst spiele ab und an mit meinem Mann Karten. Als Kulturwissenschaftlerin finde ich außerdem spannend, dass Spielkarten eine zeitgeschichtliche Quelle sind, aus der sich unterschiedlichste Geschichten ablesen lassen. In einer Vitrine hier im Museum sind zum Beispiel Spielkarten aus Spanien zu sehen, die die Königsfamilie zeigen. Diese hat es also geschafft, auf einem Alltagsgegenstand abgebildet zu sein. Das gibt Aufschluss darüber, wie man sich mit einem Königshaus identifiziert und wie die Monarchen dargestellt werden. Spielkarten können außerdem beispielhaft zeigen, wie sich die Menschen in der jeweiligen Zeit gekleidet haben.

Welche Entwicklungsmöglichkeiten sehen Sie für die Spielkartensammlung oder gar ein eigenes Spielkartenmuseumin LE?

Die Frage eines eigenen Museums muss letztlich die Stadt klären. Wir wünschen uns auf jeden Fall, dass die Spielkartensammlung und damit auch das Deutsche Spielkartenmuseum einen wichtigen Stellenwert haben. Die Idee, das Stadtmuseum und die Spielkarten zusammenzubringen, ist sinnvoll. Genau das würde ich als Museumsberaterin auch empfehlen, da man so Synergien nutzen kann. Und die Sammlung hat Potenzial, bei dessen Entfaltung wir die Stadt gerne unterstützen. So könnte mit einer stärkeren Digitalisierung neben den Menschen vor Ort zusätzlich auch das internationale Publikum erreicht werden.

Welche Bedeutung haben solch vergleichsweise kleinen Museen?

Eine sehr große! Ich bin fest davon überzeugt, dass kleinere Museum in der Fläche absolut Sinn haben. Denn es geht immer auch um eine kulturelle Nahversorgung und Vielfalt. Ein Stadtmuseum hat mit der örtlichen Identität zu tun. Und wir brauchen heute mehr denn je Orte, an denen eine Reflexion über historisches Bewusstsein stattfindet. Wo stehen wir, wo wollen wir hin, was sind unsere gemeinsamen Werte und was müssen wir neu aushandeln? Das sind auf sehr abstrakter Ebene Fragen, die sich ein Museum zu eigen machen kann. Es geht außerdem um kulturelle Bildung, um die Frage, wie wir an die jüngere Generation herankommen, also an Kindergärten und Grundschulen. Da haben Museen vor Ort eine wichtige Aufgabe.

2022 steht das 40-jährige Bestehen des Spielkartenmuseums an. Gibt es schon Pläne für das Jubiläum?

Bürgermeister Dr. Carl-Gustav Kalbfell: Wir wollen mit den Spielkarten mehr an die Öffentlichkeit. Nichts liegt näher als Messe und Flughafen. Da gibt es erste Ideen, wie wir dort zum Jubiläum präsenter sein und so auf das Spielkartenmuseum aufmerksam machen können. Dazu kommt das Projekt „Digitales Haus für Kunst, Kultur und Mehr“, das wir zusammen mit dem Fraunhofer-Institut umsetzen wollen, um unsere Spielkarten zu digitalisieren und damit einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen.

Pellengahr: Von unserer Seite aus ist es klar, dass wir bei diesem Jubiläum mit im Boot sind. Wir kommen aber nicht mit der Haltung: So machen wir es! Wir wollen vielmehr die vor Ort entstandenen Pläne und Ideen unterstützen, wo es passt und sinnvoll ist. Denn genau das zeichnet eine gute Kooperation aus. Hier in LE ist so viel Kompetenz, da müssen wir nicht sagen, wir wissen es besser. Wir finden es grandios, dass die Stadt als Träger seit nunmehr fast 40 Jahren hinter dem Spielkartenmuseum steht. Und wir wünschen uns natürlich, dass das so bleibt!

  • Europas größte öffentliche Spielkartensammlung befindet sich im Schaudepot und Archiv des Deutschen Spielkartenmuseums in Leinfelden und umfasst über 20.000 Kartenspiele mit mehr als einer Million Einzelkarten aus sieben Jahrhunderten und von allen fünf Kontinenten. Einen breiten Raum nehmen die Lehr- und Wahrsagekarten ein. Besonders die Sammlung der asiatisch-indischen Spielkarten gilt als die umfassendste und schönste weltweit. In wechselnden Ausstellungen, die mittlerweile alle im Stadtmuseum Leinfelden-Echterdingen (Hauptstraße 79, Stadtteil Echterdingen) gezeigt werden, geben die bunten Kartenbilder Zeugnis über das kulturelle und historische Geschehen, aber auch über die Geschichte der Herstellung in ihrer Entstehungszeit.