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Schulpsychologisches Beratungsangebot erfolgreich angelaufen Einen Raum zum Austausch eröffnen

Die Corona-Pandemie hat uns allen viel abverlangt und wirkt auch heute noch in vielerlei gesellschaftlicher und auch seelischer Hinsicht nach – besonders bei den Schwächsten im Glied, den Kindern und Jugendlichen. 

Eine Schulpsychologin mit einen Jungen im Klassenzimmer
Foto: Photographee.eu/Adobe Stock

68 Prozent von insgesamt 3.555 Schülerinnen und Schüler haben Zukunftsängste, 65 Prozent geben an, dass ihre Sorgen nicht oder nur wenig Gehör finden und 60 Prozent fühlen sich einsam. Diese beachtlich hohen Werte gehen aus einer Studie der Bertelsmann-Stiftung aus dem Jahr 2021 hervor.

Daher hat der Gemeinderat in Leinfelden-Echterdingen im Dezember 2021 entschieden, ein niederschwelliges schulpsychologisches Beratungsangebot an allen zehn Schulen in der Stadt zu errichten mit dem Ziel, psychischen und sozialen Auswirkungen der Pandemie bei Schülerinnen und Schülern entgegenzuwirken. Diesen Beratungsbedarf haben die Schulleitungen formuliert, woraufhin eine Stelle neu geschaffen wurde. Dadurch bekommen Schüler die Chance, schnell zugänglich und unverbindlich fachliche Beratung zu erhalten. 

Zwei Frauen an einem Besprechungstisch
Foto: Stadt

Für die 100-Prozent-Stelle konnte Julia Wiedmann (kleines Foto, rechts) als Schulpsychologin gewonnen werden. Diese ist an der Psychologischen Beratungsstelle Filder des Kreisdiakonieverbands im Landkreis Esslingen (KDV) angesiedelt, eingebunden im Team unter der Leitung von Dr. Christiana Berner, approbierte Kinder- und Jugendpsychotherapeutin (kleines Foto, links). Seit Mai 2022 ist Wiedmann  im Einsatz und baut dieses einmalige Pilotprojekt vor Ort an den Schulen gemeinsam mit den Lehrern auf. Sie knüpft Kontakte mit den Rektoren, Schulsprechern und macht sich und das Projekt auch auf Schulfesten bekannt. Das Projekt läuft zunächst bis Schuljahresende 2024.

Vergangene Woche trafen sich die beiden Psychologinnen mit Bürgermeister Dr. Carl-Gustav Kalbfell, Vertreterinnen des Amts für Schulen, Jugend und Vereine und Eberhard Haußmann (Geschäftsführer des KDV) nun zu einem Austausch und zogen eine erste durchweg positive Bilanz. „Die Rückmeldungen sind hervorragend, die Schulleiter berichten, dass das Projekt sehr gut angenommen wird“, sagt Kalbfell. „Es tut den Kindern einfach gut, man kann sie begleiten und dann auch wieder ziehen lassen“, so Haußmann. 

Es vergeht kein Tag, an dem Julia Wiedmann nicht an einer der Schulen vor Ort ist. Dort bietet sie Workshops zu vielen Themen an, den Umgang mit Ängsten, Gefühlen, Stress und dem „richtigen“ Medienkonsum zum Beispiel. Auch Themen wie Klimawandel, Krieg und Energiekrise kommen zur Sprache. Die Sorgen der Kids sind vielschichtig, berichtet Dr. Berner: Corona, Quarantäne, Angst vor sozialen Kontakten, kein Ausgang, keine Clubs, dass sich die Eltern trennen, vom Drei-Meter-Brett zu springen, ob die Welt ein sicherer Ort ist. In das Vertrauen in die eigene Welt werde massiv eingegriffen. 

„Die Workshops sind der Türöffner, sie bauen Vertrauen auf, man lernt sich kennen, dabei soll das Selbstvertrauen gestärkt und die geistige Stabilität der Schüler unterstützt werden“, so Wiedmann. Der offene Austausch der jungen Menschen, sich einzubringen, neue Erfahrungen zu machen, sei ganz zentral – es ist ein „Projekt der Teilhabe und des Miteinanders, ohne Stigmatisierung“: Sich im schulischen Kontext mit seelischen Themen zu beschäftigen, ist nicht nur für die jungen Menschen wichtig, auch Lehrer würden ihre Schüler so neu oder anders kennenlernen. Betont wird die Zusammenarbeit mit den Lehrerinnen und Lehrern, so würde man auch versuchen, relevante psychologische Themen in den Schulunterricht mit einzubinden.

Das hört nicht in der Schule auf, denn neben den Workshops können die Schülerinnen und Schüler, aber auch ihre Eltern und Lehrkräfte daran anknüpfend in die offene Sprechstunde in der Psychologischen Beratungsstelle (Gartenstraße 2, Echterdingen) ins Gespräch kommen.