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Beteiligungsprozess „Miteinander.Vielfalt.Leben.“ für den Integrationsplan Stadt will Neubürgern Orientierung geben

Leinfelden-Echterdingen ist als Wohnort für Menschen aus dem In- und Ausland attraktiv. Das ist ein Zeichen für die wirtschaftliche und kulturelle Attraktivität der Stadt und ihres Umlands. Dass sich die Neubürger dort wohlfühlen, liegt der Verwaltung am Herzen.

Menschengruppe auf dem Neuen Markt
Auf dem Neuen Markt wurde der Integrationsplan erläutert und diskutiert. | Foto: Bergmann

Sie sollen rasch die Angebote kennenlernen und auch einen Überblick darüber bekommen wo und wie sie sich ehrenamtlich einbringen können. Deshalb hat die Stadtverwaltung den Beteiligungsprozess „Miteinander.Vielfalt.Leben.“ initiiert, sich mit Vereinen, Gruppen, bürgerschaftlich Engagierten und interessierten Bürgern ausgetauscht und Impulse gesammelt.

Am Samstag. 2. Oktober, wurden auf dem Neuen Markt in Leinfelden die ersten Erkenntnisse über die sieben Themenfelder Extremismusprävention und Antidiskriminierung, Arbeit, Wohnen und Unterbringung, Sprache und Bildung, Gesellschaftliches Zusammenleben und   Soziales und Information, Öffentlichkeitsarbeit und Repräsentation präsentiert.

In seiner Begrüßungsrede verwies Sozialbürgermeister Carl-Gustav Kalbfell auf die gegenwärtige Situation: „Mit Menschen aus 120 verschiedenen Staaten haben wir eine bunte und vielfältige Stadt.“ Von den rund 40 000 Einwohnern haben rund 20 Prozent einen ausländischen Pass. Die Stadt begreife diese Vielfalt als Bereicherung und Ressource für die Entwicklung der Stadtgesellschaft. „Dabei muss Integration vor allem vor Ort, hier in der Kommune, im Wohnumfeld, in der Schule und am Arbeitsplatz gelebt werden“, sagte er. Für ein gutes Zusammenleben sei es wichtig, den gesellschaftlichen Zusammenhalt so zu stärken, dass alle Bürger unabhängig von ihrer Herkunft am Leben in der Stadt gleichberechtigt teilhaben könnten.

Menschengruppe bei einem Filmvortrag
„Wir sind jetzt hier“: Der Filmvortrag war Anlass für interessante Gespräche. | Foto: Bergmann

Deshalb habe der Gemeinderat im März 2020 die Kontaktstelle für Integration damit beauftragt, einen Integrationsplan zu erstellen. Dafür habe die Verwaltung dann Institutionen, Einrichtungen, Vereine und Gruppen mit ins Boot geholt. Die Führungsakademie Baden- Württemberg unterstütze die Arbeit mit zwei Prozessbegleitern. Diese und Vertreter von Migrantenorganisationen, Flüchtlingshelferkreisen, Bildungseinrichtungen, Jugendgemeinderat, Stadtseniorenrat, Vereinen, Religionsgemeinschaften, Ehrenamtlichen, Dolmetschern, Behörden und Fachämtern bildeten seit Herbst 2020 eine Spurgruppe, die für einen möglichst großen Teil der Stadtbevölkerung stehen und den Prozess unterstützen solle.

Bei der Präsentation von Ergebnissen ist es am Samstag nicht geblieben. „Ich habe mich gefreut, auch neue Gesichter zu sehen, die bisher noch nicht in den Prozess eingebunden gewesen sind“, bilanziert Carola Henck vom Amt für Soziale Dienste, die den Beteiligungsprozess leitet. „In einigen Gruppen wurden auch Ideen weitergesponnen: Im Bereich Zusammenleben und Soziales kam die Idee auf, dass sich Vereine, auch internationale Vereine, bei einem Tag der offenen Tür mit kleinen Ständen präsentieren können“, sagt sie. Alles in allem könne man mit den Ergebnissen zufrieden sein. „Wir werden jetzt die Erkenntnisse erneut sichten und schauen, was Neues dazugekommen ist. Dann prüfen wir, was machbar ist und halten dies im Integrationsplan fest. Dieser wird Ende 2021 oder Anfang 2022 dem Gemeinderat präsentiert.“

Im Rahmen der Interkulturellen Woche 2021 hatte es einige Veranstaltungen gegeben, darunter auch die des AK Asyl e.V. in Kooperation mit dem Fritz-Erler-Forum. Sie hatten den Filmvortrag „Wir sind jetzt hier“ mit anschließender Diskussionsrunde im evangelische Gemeindezentrum West organisiert. Sieben junge Männer, geflohen aus Syrien, Afghanistan, aus Somalia, Eritrea und dem Irak erzählten im Film vom Ankommen in Deutschland. Ihre Geschichten ließen die Zuschauer teilhaben an den emotionalen Turbulenzen, die eine Flucht fast immer nach sich zieht und erzählten viel darüber, was es auch in den nächsten Jahren noch braucht, damit Integration gelingt.

Im Anschluss an den Film folgte eine Gesprächsrunde mit einem der Protagonisten des Films, zwei Geflüchteten aus Leinfelden-Echterdingen sowie von der Stadtverwaltung Mario Matrai vom Amt für soziale Dienste aus dem Sachgebiet Integration. Dieses Sachgebiet ist für die Aufnahme und Unterbringung der Geflüchteten zuständig, welche berechtigt sind in einer städtischen Anschlussunterbringung zu wohnen.

Nach dem sehr beeindruckenden und emotionalen Film warb Matrai in der anschließenden Diskussion darum, auch die Perspektive der Aufnehmenden im Blick zu haben. „Integration ist eine wichtige Aufgabe – von beiden Seiten“. Das wäre ohne die vielen ehrenamtlich Engagierten, die Mitarbeiter aus dem Hauptamt sowie eine stabile Infrastruktur in LE nicht möglich, so Matrai. Wichtig sei es, immer ein funktionierendes Miteinander zwischen Ehrenamt, Verwaltung, Behörden und Geflüchteten zu leben. Wenn man miteinander statt übereinander spricht, kann Vielfalt gelebt und Integration in ihren Dimensionen des Ankommens als auch des Aufnehmens gelingen.