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Das Ehrenamt soll gefördert werden

Ohne die zahlreichen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer gäbe es viele Angebote und Veranstaltungen in Leinfelden-Echterdingen wohl gar nicht. Sie bilden mit ihrem Einsatz einen wichtigen Beitrag für das Zusammenleben in der Stadtgesellschaft.

Die Ehrenamtlichen vom Team S’FlitzerLE helfen beim Einkaufen. | Foto: Stadt

Daher ist die Unterstützung des Ehrenamts durch den Gemeinderat und die Stadtverwaltung seit jeher ein wichtiges Anliegen. Beide wollen sie künftig das ehrenamtliche Engagement noch zielgerichteter stärken, die vielen Leistungen bündeln und diese nach außen sichtbarer und attraktiver machen.

Im Verwaltungs-, Kultur- und Sozialausschuss (VKS) stand das Thema jüngst auf der Tagesordnung. OB Klenk betonte: „Es ist wichtig, dass man das Ehrenamt jetzt stärkt, wenn’s noch läuft“. Damit verweist Klenk auf den allgemeinen Trend, dass es immer schwieriger wird, Positionen im Ehrenamt zu besetzen. Vielen fehlt dafür die Zeit, andere haben Scheu, Verantwortung zu übernehmen oder setzen grundsätzlich in ihrer Freizeitgestaltung andere Prioritäten. Zudem steigt die Komplexität, etwa bei juristischen und sicherheitstechnischen Anforderungen.

Um herauszufinden, welche Anliegen ehrenamtlich Engagierte haben, hat die Stadtverwaltung eine Projektgruppe gebildet, an der insgesamt neun Ämter beteiligt sind. Außerdem wurde ein Fragebogen entwickelt, der im vergangenen Jahr an alle Vereine und Institutionen ging und anonym beantwortet werden konnte. Von 248 seien 116 zurückgekommen, berichtete die für das Ehrenamtsprojekt zuständige OB-Referentin Sandra Hofmann dem Gremium.

Demnach fühle sich die Mehrheit der im Ehrenamt Tätigen von der Stadtverwaltung gut unterstützt. Die engste Zusammenarbeit bestehe mit dem Amt für Schulen, Jugend und Vereine, dem Amt für soziale Dienste, dem Bürger- und Ordnungsamt sowie dem Kulturamt. Ein recht homogenes Bild zeichnet sich in der Umfrage bei den geäußerten Anregungen ab: Eine zentrale Anlaufstelle für alle ehrenamtlichen Angelegenheiten sowie Fortbildungsmöglichkeiten zählen zu den favorisierten Wünschen, gefolgt von der verstärkten Bewerbung eigener Veranstaltungen, etwa in Sonderveröffentlichungen im Amtsblatt. Hohe Priorität messen die Umfrageteilnehmer außerdem der Präsenz städtischer Mitarbeiter und der Verwaltungsspitze bei, genauso wie der Anerkennung der Ehrenamtsarbeit durch adäquate Ehrung, wie etwa im Rahmen einer speziellen Feier. Wert legen viele zudem auf eine Bescheinigung ihres Ehrenamts durch die Stadt.

Auf Basis dieser und weiterer Rückmeldungen hat die städtische Projektgruppe sechs Teilprojekte mit möglichen künftigen Ehrenamts-Maßnahmen vorgeschlagen:

  • Ehrungsverfahren: Einführung einer mehrstufigen Ehrungsstruktur; eine zentrale Ehrungsveranstaltung
  • Schulungen, Hilfestellungen (durch die VHS): speziell aufs Ehrenamt zugeschnittenes Angebot; Erstellung eines Leitfadens zur Führung eines Vereins
  • Räumlichkeiten: Raumbedarf bzw. Verbesserung der Raumsituation
  • Zielgruppenorientierte Wertschätzung, diverse Unterstützung: u.a. Erhöhung des Zuschusses für die Jugendförderung, eine „LE Card“ für das Ehrenamt
  • Begrenze Haftung für Vereine: Mögliche Versicherungsleistungen und Risikoübernahmen
  • Werbung: u.a. rotierende Vorstellung eines Vereins in jeder Amtsblattausgabe; Erweiterung der städtischen Publikation „BürgerInfo“ um zusätzliche Informationen zum Ehrenamt.

OB Klenk zur besseren Einordnung: „Dies soll ein Auftakt sein für eine Diskussion zur Frage: Was können wir für das Ehrenamt im Einzelnen tun?“ Sandra Hofmann betonte daher auch, dass es sich mit Blick auf die gesamten Mehrkosten zum jetzigen Zeitpunkt lediglich um eine „ganz grobe Schätzung in Höhe von rd. 124.00 Euro“ handeln könne. Eine genauere Erhebung würde nach Beauftragung einer detaillierten Ausarbeitung der Teilprojekte bzw. der Einzelmaßnahmen durch den Gemeinderat folgen.

Die vorgestellten Ideen und Maßnahmen kamen bei den VKS-Mitgliedern gut an: „Die Wertschätzung ist sehr wichtig“, sagte Stadträtin Onayli (L.E. Bürger/DiB). Angesichts des weiterhin bestehenden Raumbedarfs, z.B. beim Areal oder der Turnhalle Musberg, dürfe man hier künftig ruhig mutiger sein, ergänzte sie. Wichtig sei es, „klare Richtlinien und keine Willkür zu haben“. OB Klenk signalisierte zur Raumproblematik: „Man muss mit den Vereinen in Dialog treten.“

Stadträtin Sinner-Bartels (SPD) meinte, es sei „gut, dass sich die Vorlageninhalte auf unsere Stadt beziehen und sie keine reine Worthülsen sind. Das Ehrenamt braucht das Hauptamt – und braucht diese Wertschätzung.“ Das Schulangebot der VHS stehe für sie ganz oben, ebenso der Leitfaden für Vereinsführung. „Wo kann man was ausleihen?“, das sei für Vereine interessant zu wissen, sagte CDU-Stadträtin Kühnel, und regte damit an, diese Informationen gesammelt anzubieten.

„Das ist eine super Vorlage, sie ist ganz wichtig für unsere Stadt“, sagte Stadtrat Klein von den Grünen. Auch Stadtrat Wächter (FW/FDP) zeigte sich zufrieden: „Ich begrüße auch die Steigerung der Wertschätzung. Das ist für unsere Gesamtgesellschaft sehr wichtig.“ Im Hinblick auf konkrete Beschlüsse müsse man freilich dann noch die Details ausarbeiten. Für Stadtrat Duda (CDU) ist die Ehrung „eine Art Highlight, eine gute Sache“. Bei den Richtlinien müsse man „das Rad nicht neu erfinden“, diese gebe es v.a. bei Sportvereinen schon. Er machte zudem auf die Belastungsgrenze bei den Sportvereinen aufmerksam.

Stadtrat Haug (FW/FDP) verwies auf den bereits bestehenden internationalen Tag des Ehrenamtes am 5. Dezember und wollte wissen, ob man künftig nicht dieses Format auch in LE nutzen möchte. OB Klenk zeigte sich hierfür offen: Den Tag des Ehrenamts könne man nutzen, aber auch ein davon abweichender Termin sei für LE denkbar. Klenk betonte abschließend, dass es sich bei den vorgestellten Teilprojekten und Maßnahmen um ein Angebot für Vereine handele, es bestehe keinerlei Verpflichtung. „Vielmehr wollen wir ein Gerüst schaffen, um dann vielleicht ein kleines Hearing mit den Vereinen zu machen – als Grundlage für eine Gemeinderatsentscheidung Anfang 2020.“