Pfeil nach unten

Hansi Müller-Schorp im Alter von 95 Jahren gestorben Ikone der Nachkriegs-Fotografie hinterlässt einzigartiges Werk

Eine der großen Persönlichkeiten der Fotografie in Deutschland und weit darüber hinaus lebt nicht mehr. Hansi Müller-Schorp, die zuletzt in Oberaichen gewohnt hat, ist kürzlich im Alter von 95 Jahren gestorben.

Hansi Müller-Schorp und OB Roland Klenk bei der Verleihung der Bürgermedaille
Hansi Müller-Schorp mit Oberbürgermeister Roland Klenk bei der Verleihung der Bürgermedaille während des Neujahrsempfangs im Januar 2020 (oben). Unten stehende Aufnahme zeigt die Fotografin mit einigen ihrer Werke im Treppenhaus ihres Ateliers. | Foto: Bergmann

Hansi Müller-Schorp (HMS) ist am 18. Juni 1927 in Stuttgart zur Welt gekommen. Sie begann ihre fotografische Ausbildung 1945 bei Willi Moegle, dem legendären Meister der Sachfotografie. Müller-Schorp entwickelte jedoch recht schnell ihren eigenen Stil, eine eigene Ästhetik, die sich von der ihres Lehrmeisters insbesondere durch die Fähigkeit zur Abstraktion unterschied.

Sie bestand ihre Meisterprüfung mit Auszeichnung und blieb im Atelier von Willi Moegle – ein Glücksfall sicherlich nicht nur für sie, sondern vor allem auch für ihren Chef. Denn die Auftragsarbeiten von HMS für Firmen, die formschöne Industrieerzeugnisse herstellten (z. B. Porzellan der Firma Arzberg) machten sie weithin bekannt und geschätzt. Außerdem war sie für ihren Lehrmeister nicht selten „inkognito“ tätig: Nicht immer, wo „Willi Moegle“ draufstand, war auch „Willi Moegle“ drin, sondern vielmehr „Hansi Müller-Schorp“!

Anfang der 1970er-Jahre übertrug Moegle ihr die Leitung seines seit 1959 in Oberaichen beheimateten Ateliers. Neben den Auftragsarbeiten, die dem Broterwerb dienten, hat sich HMS abends – oft nach anstrengenden Arbeitstagen – kontinuierlich freien Arbeiten gewidmet. Auch hierbei entfaltete sie viel kreatives Potential. So ließ sie sich zu Beginn der 1980er-Jahre für mehrere Tage in der damals im Bau befindlichen Filderhalle einschließen. Dabei hat sie – in für sie eher untypischen Farbaufnahmen – die vielbeachtete Serie „Sichtbare Zeichen“ hervorgebracht.

Hansi Müller-Schorp im Treppenhaus ihres Ateliers
Foto: Bergmann

Die einzigartige Art und Weise, wie HMS Dinge ins rechte Licht setzte, fand weltweit Anerkennung. Mehrfach errang HMS bei internationalen Wettbewerben Auszeichnungen und Ehrungen. 2012 wurde HMS mit der höchsten Auszeichnung der Deutschen Fotografischen Akademie (DFA), der David-Octavius-Hill-Medaille in Verbindung mit dem Kunstpreis der Stadt Leinfelden-Echterdingen, ausgezeichnet.

Die großartige Arbeit von HMS und ihre Verdienste für Leinfelden-Echterdingen wurden auch von der Stadt gesehen. Deshalb entschied sich der Gemeinderat im Dezember 2019, der Fotografin die Bürgermedaille zu verleihen. Begründet wurde dies mit folgenden wertschätzenden Worten: „Im kulturellen Leben unserer Stadt nimmt die Fotografin Hansi Müller-Schorp seit Jahrzehnten einen wichtigen Platz ein. Als langjähriges Präsidiumsmitglied der Deutschen Fotografischen Akademie (DFA) und deren Vorgängerinstitution, der Gesellschaft Deutscher Lichtbildner (GDL), hat sie zum Nutzen der Stadt vielfältige kreative Impulse gesetzt.“

Die Werke von HMS befinden sich in den Sammlungen großer deutscher Museen wie dem Museum Folkwang in Essen, dem Fotomuseum Burghausen, dem Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg, den Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim und der Pinakothek der Moderne in München. Aber auch in der Sammlung künstlerischer Fotografien der Stadt Leinfelden-Echterdingen ist HMS mit zahlreichen Werken vertreten. Es ist dem Einfluss und dem Engagement Müller-Schorps zu verdanken, dass die fotografische Sammlung der Stadt mehr als 1.100 wertvolle Fotografien der verschiedensten Genres umfasst.