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Die Stadtverwaltung entwickelt eine Digitalstrategie Auch die Bürger werden vom digitalen Rathaus profitieren

Natürlich ist Leinfelden-Echterdingen mit seiner Homepage im Internet vertreten. Hier findet man für die verschiedensten Anliegen die Ansprechpartner bei der Stadtverwaltung, erfährt, wo man seine Freizeit im Ort verbringen oder Dokumente herunterladen kann, um sich so den einen oder anderen Gang aufs Amt zu sparen.

Außenansicht des Rathauses Leinfelden
Foto: Bergmann

Doch die Technik entwickelt sich rasant, worauf die Stadtverwaltung mit einer Digitalstrategie antwortet. Wie die aussehen könnte, wurde dem Gemeinderat in seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause vorgestellt. „Wir wollen den digitalen Wandel aktiv gestalten“, sagte Sandra Hofmann, die als Leiterin der Stabsstelle Persönliches Referat des Oberbürgermeisters und Digitalisierung diesen Prozess in der Stadtverwaltung leitet. Wie groß die Bedeutung ist, zeigt die Tatsache, dass die Stabsstelle dafür eigens beim Oberbürgermeister angesiedelt wurde.

Die verschiedenen Aufgabenbereiche – Bildung, Kultur, Wirtschaft, Telnet, Stadtentwicklung und Gesundheit, um nur einige zu nennen – sollen im Oktober von einem Kernteam darauf abgeklopft werden, wo Digitalisierung Sinn macht und wie sie aussehen kann. „Das wird in ein digitales Leitbild münden“, so Hofmann. In einem nächsten Schritt soll dann der  Gemeinderat einbezogen werden. „Wir planen noch im Dezember eine Auftaktveranstaltung mit den Stadträten, bei der wir die digitale Transformation für Leinfelden-Echterdingen erläutern und uns die Meinung des Gemeinderats einholen.“

Als dritter Schritt hin zur digitalen Stadt ist Anfang kommenden Jahres ein Workshop geplant. „Daran werden die Ämter und der Gemeinderat beteiligt, eventuell wird auch eine AG Digitalisierung gegründet“, sagte Hofmann. Die Beteiligten sollen bei diesem Treffen über die verschiedenen Handlungsfelder und deren Umsetzung in einzelnen Projekten sprechen. Im Anschluss werden sich auch die Bürger einbringen können.

Es ist ein Mammutprojekt, das auf Hofmann wartet. Um die Übersicht zu bewahren, sollen die Vorschläge und Ideen bewertet werden. „Dabei spielen natürlich die fachliche, technische, organisatorische und auch finanzielle Umsetzbarkeit eine wichtige Rolle“, so Hofmann, die eine Bewertungsmatrix aufstellen will. „Unser Ziel ist am Ende, dass wir anhand gemeinsamer Kriterien Meilensteine definieren und deren Umsetzung in eine Reihenfolge bringen“, betonte sie.

Dabei müssen natürlich auch die Rechtsgrundlagen beachtet werden. So sieht eine EU-Richtlinie vor, dass bis November 2020 elektronische Rechnungen eingeführt werden müssen. Und das Online-Zugangsgesetz fordert, dass ab 2022 rund 575 Leistungen innerhalb der Verwaltungen digital angeboten werden.

Bei der Stadtverwaltung hofft man auch, dass durch die Digitalisierung die Arbeitseffizienz erhöht werden kann, denn der Renteneintritt der geburtenstarken Jahrgänge bei gleichzeitig wachsenden Aufgaben (nicht zuletzt durch gesetzliche Vorgaben) führt angesichts des Fachkräftemangels zu personellen Engpässen.

Aber auch die Einwohner von Leinfelden-Echterdingen werden vom digitalen Rathaus profitieren. „Die Verwaltung kommt zukünftig zum Bürger und nicht der Bürger zur Verwaltung“, so Hofmann. „Smart-City-Instrumente“, zum Beispiel ein Park-Leitsystem oder die Online-Terminvergabe für Behördengänge, sollen den Alltag in der Kommune leichter machen. Der Gemeinderat könnte die Digitalstrategie dann im Sommer 2020 verabschieden.

Die Digitalisierung der Schulen soll, so die Forderung aus der Mitte des Gremiums heraus, parallel dazu verlaufen. Ein Brief von Elternvertretern hatte zügigeres Handeln gefordert. „Wir haben uns von Experten beraten lassen, jetzt geht es an die Umsetzung“, sagte Bürgermeister Dr. Kalbfell. Noch im Herbst will er die Pläne dem Gemeinderat vorstellen.