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08.02.2010 Basis setzt auf bewährten Parteiprofi


Esslinger Zeitung 6.2.10 KREIS ESSLINGEN: CDU-Landtagskandidat Kunzmann verhöhnt Schmid: "SPD-Landesvorsitzender hat die Hosen voll" Die Parkplätze reichten nicht aus, die Festhalle von Aichtal war proppenvoll. Der CDU-Kreisvorsitzende Thaddäus Kunzmann galt zwar als Favorit für die Nachfolge des Landtagsabgeordneten Jörg Döpper, aber als völlig chancenlos konnte man die dynamische Unternehmerin Ilona Koch nicht abtun.

Und so mobilisierten die Ortsverbände auf den Fildern, im Neckartal und im Neuffener Täle ihre Mitglieder zur Nominierungsversammlung für den Wahlkreis Nürtingen. Am Ende blieb die Sensation aus. Kunzmann hatte mit 218 Stimmen zwei Drittel des Saales hinter sich. Koch bekam 121 Stimmen (35,7 Prozent).Bei der CDU habe die Basis - im Gegensatz zum Delegiertensystem der SPD - unmittelbaren Einfluss auf die Auswahl des Kandidaten, betonte der stellvertretende Kreisvorsitzende Volker Haug in seiner Begrüßung. Er freute sich über „zwei äußerst respektable Bewerbungen“. Im Grunde konnte auch der 45-jährige Kreisvorsitzende froh sein, Konkurrenz bekommen zu haben. Sonst wäre der Eindruck hängen geblieben, es reicht, sich in der Partei über JU-Vorsitz und Mitarbeit beim Abgeordneten hochzuhangeln. „Jetzt musst du dich anstrengen“, hatte ihm Jörg Döpper vor der Nominierung auf den Weg gegeben.
Gut, aber nicht mitreißend
Kunzmann ist bereits als 16-Jähriger der Jungen Union beigetreten, die 43-jährige Ilona Koch ist erst 2003 zu den Christdemokraten gestoßen, hat es 2007 aber schon bis zur Stadtverbandsvorsitzenden in Leinfelden-Echterdingen gebracht. Zwei Kandidaten, die „nicht unterschiedlicher sein könnten“, so beschrieb sie den CDU-Mitgliedern die Alternative. Auf der einen Seite stehe der Parteifunktionär, der seit vielen Jahren hauptberuflich Politik mache, auf der anderen Seite sie: Unternehmerin, Mutter, Stimmenkönigin bei der Kommunalwahl, unabhängig. „Ich spreche nicht nur über Familie - ich habe eine tolle Familie. Ich spreche nicht nur über Wirtschaft - ich führe mit meinem Mann einen Betrieb.“ Auch Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie ehrenamtliche Tätigkeit seien bei ihr nicht nur Theorie. Ihre politischen Aussagen drehten sich um die Förderung des Mittelstands, den Abbau von Bürokratie und ein einfacheres Steuersystem. Sie lobte das dreigliedrige Schulsystem Baden-Württembergs im Gegensatz zur „Gleichmacherei“ in den SPD-dominierten Ländern. Der Saal spendete angemessenen Applaus für eine Rede, die gut war, aber eben nicht mitreißend genug, um den Kreisvorsitzenden vom Sockel zu stoßen.
Kunzmann wurde mit kräftigem Applaus empfangen und Gejohle von den JU-Tischen. „Liebe Parteifreunde!“ Auf die weibliche Form verzichtete der Fraktionsvorsitzende der Nürtinger CDU trotz der weiblichen Konkurrenz und im Gegensatz zu den anderen CDU-Vorständen. Kunzmann skizzierte seine Politikkarriere. Einst „jugendlicher Parteirebell“, sei er nun „klug und erfahrener“ geworden, habe aber „keineswegs Herz und Leidenschaft für die Politik verloren“. Seine Rede war mindestens passagenweise lebendiger als die seiner Konkurrentin. Den bisherigen Nürtinger SPD-Abgeordneten Nils Schmid griff er frontal an. Schmid wechsle nach Reutlingen, weil er hier keine Chance mehr sehe: „Der SPD-Landesvorsitzende hat die Hosen voll, obwohl wir in Aich noch nicht mal gewählt haben.“ Schmid hat vor einigen Tagen den Wechsel angekündigt, weil er durch die Änderung der Sitzzuteilung tatsächlich in Nürtingen keine Aussicht auf ein Mandat mehr hat.
Seitenhieb auf den Kultusminister
Die FDP nahm Kunzmann bei den Themen Landesbank und Steuern ins Visier. Schulden machen bedeute „unsoziale Umverteilung“. Bevor man neue Leistungen verspreche, müsse man die Verschuldung reduzieren. SPD und Grünen hielt er vor, sie würden Baden-Württemberg als „Nowosibirsk der Bildungslandschaft“ beschreiben, dabei sei man anderen Ländern „haushoch überlegen.“Einen Seitenhieb auf den eigenen Kultusminister verkniff sich der Kreisvorsitzende aber auch nicht: Er verstehe nicht, wie man jetzt den Brennpunktschulen Lehrkräfte entziehen könne. Kunzmann erntete am Ende noch mal viel Applaus und wirkte bei der Fragerunde aus dem Publikum etwas sicherer als seine Herausforderin. Und so verkündete der Bundestagsabgeordnete und Versammlungsleiter Markus Grübel ein Ergebnis, mit dem der Saal nach den Vorstellungsrunden gerechnet hatte.
Als Zweitkandidaten nominierten die CDU-Mitglieder schließlich Thorsten Kroner, 35-jähriger Volkswirt aus Filderstadt. Er setzte sich mit 141 zu 94 Stimmen gegen Monika Strobel durch, Vorsitzende Richterin am Landgericht Stuttgart.


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