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08.02.2010 Genossen respektieren Schmids Wahlkreis-Flucht


Stuttgarter Zeitung Ausgabe Kreis Esslingen (Nr. 30)vom Samstag, den 06. Februar 2010, Seite Nr. I Filder-Zeitung Filder. Der von Nils Schmid angekündigte Wechsel nach Reutlingen trifft die SPD härter als sie es offen zugeben mag. Von Norbert J. Leven Wie hat man sich im Spätherbst noch gefreut bei den hiesigen Sozialdemokraten. Einer der ihren war da in Karlsruhe zum neuen Landesvorsitzenden gewählt worden: Nils Schmid, Landtagsabgeordneter im Wahlkreis Nürtingen/Filder. Richtig stolz waren die Genossen auf ihren neuen Hoffnungsträger.


Plötzlich aber macht sich Ernüchterung breit in den Ortsvereinen von Filderstadt und L.-E. Der Parteichef schätzt den Wahlkreis 9, den er seit 13 Jahren in Stuttgart vertritt, als für seine Wiederwahl im kommenden Jahr zu unsicher ein, weshalb er nun blamage-prophylaktisch nach Reutlingen wechseln wird.
„Wir müssen diese Entscheidung respektieren", sagt der SPD-Ortsvereinsvorsitzende in Leinfelden-Echterdingen, Jörg Pauly. Er sagt aber auch: „Wir sind damit nicht ganz glücklich." In der Politik spielt Glück jedoch selten die Hauptrolle. Wohl deshalb kann die Filderstädter Parteichefin Cornelia Olbrich Schmids Kalkül durchaus nachvollziehen: „Das Verständnis ist vorhanden."
Für einen Wechsel nach Reutlingen spricht unter anderem die Entwicklung der SPD-Ergebnisse in Schmids Wahlkreis. 2001 lagen die Sozialdemokraten bei 32 Prozent, 2006 hielten gerade noch 23,04 Prozent den Genossen die Treue. War bei diesen beiden Wahlen noch die tatsächliche Stimmenzahl für die Verteilung der nicht direkt errungenen Mandate maßgebend, werden 2011 dafür nach der Änderung des Wahlgesetzes die Prozentwerte herangezogen. „Der Landesvorsitzende als amtierender Abgeordneter muss wieder sicher im Landtag sein." Für ihn dürfe es da „kein Restrisiko geben," sagt Schmid, dessen politische Karriere eng mit den Fildern und seinem Wahlkreis verknüpft ist: Er war in den 90er Jahren vier Jahre lang Juso-Kreisvorsitzender, ebenso lange Mitglied im SPD-Kreisvorstand. Als Zweitbewerber rückte er 1997 für den verstorbenen Filderstädter SPD-Abgeordneten Werner Weinmann in den Landtag nach.
Nun muss sich die SPD im Wahlkreis, der 2011 nach Jörg Döpper (CDU) und Ulrich Noll (FDP) in Schmid ein drittes landespolitisches Schwergewicht verlieren wird, einen neuen Hoffnungsträger suchen. Dass die SPD tatsächlich im Filder-Wahlkreis keinen Abgeordneten mehr stellen könnte, befürchten aber weder Olbrich noch Pauly. Er setzt nun auf den Rückenwind, den ein Neuer entfachen werde.


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