Überbringer der frohen Botschaft sind die dortigen Grünen. „OB Boris Palmer liest" verkünden Leinfelden-Echterdingens Öko-Engagierte mittels am Wegesrand aufgestelltem Plakat. Schön, dass wir das nun auch wissen. Allerdings heißt der hiesige OB nach unseren Recherchen Roland Klenk. Den erklärenden Zusatz „Tübingen" sucht man hingegen auf dem Plakat vergebens. Egal.
Palmer liest gern auswärts - zuletzt von Grubes Gnaden die Leviten den Stuttgarter Bahnhofsbauern. Da nach diesem Event nicht nur die Lage des Bahnhofs, sondern auch die Lust Palmers, OB in Stuttgart zu werden, sinken dürfte, könnte die Plakataktion in L.-E. auch als Auftakt zum Kampf um die Nachfolge Roland Klenks interpretiert werden. Dann aber wäre Palmer Chef der Messestadt, was ihm vielleicht auch nicht schmecken wird.
Nach Lektüre der Plakate bleibt jedenfalls unklar, was der Gast aus der Uni-Stadt zu Gehör bringt. Ist"s ein Fachvortrag über die Bedeutung von Schlagfertigkeit im politischen Tagesgeschäft? Da könnte er ja auf familiäre Erfahrungswerte zurückgreifen. Allen, die ratlos vor den Plakaten stehen, können wir weiterhelfen. Palmer liest aus seinem Buch „Eine Stadt macht blau". Das tun wir an dieser Stelle nicht und hoffen vielmehr für den „Blaumacher", dass ihm nach absolvierter Lesung nicht der Spruch des Schriftstellers Wilhelm Raabe in den Sinn kommt. Der hatte eins verlauten lassen: „Erst durch das Lesen lernt man, wieviel man ungelesen lassen kann."
08.02.2010 Glosse - Das Wunder
Stuttgarter Zeitung Ausgabe Kreis Esslingen (Nr. 30)vom Samstag, den 06. Februar 2010, Seite Nr. I
Filder-Zeitung
Die Grünen wissen Gutes von einem der ihren zu vermelden: Boris Palmer kann lesen. Von Christian Milankovic
Lesen ist ein großes Wunder", befand dereinst die österreichische Erzählerin Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach. Und weil es Wunder immer wieder gibt, wird ein solches nun auch für Echterdingen angekündigt.
