Aktuelles
Lotte Doll und das Ehepaar Doris und Gerhard Kappes erhalten Bürgermedaille der Stadt Leinfelden-Echterdingen Lebenshilfe für behinderte Mitmenschen
Lotte Doll und das Ehepaar Doris und Gerhard Kappes wurde die Bürgermedaille unserer Stadt verliehen. „Alle drei haben sich große Verdienste im Bereich der Arbeit für und mit Menschen mit Behinderungen erworben,“ würdigte Oberbürgermeister Roland Klenk während des Festaktes in der Zehntscheuer die Verdienste der Geehrten. Die Bürgermedaille stellt die höchste Auszeichnung dar, die Leinfelden-Echterdingen zu vergeben hat. Seit Einführung dieser Ehrung ist erst 17 Personen diese hohe Ehrung zuteil geworden. Einige der Trägerinnen und Träger der Bürgermedaille waren beim Festakt dabei, als Oberbürgermeister Klenk die Medaillen an Lotte Doll und das Ehepaar Kappes überreichte. Unter den zahlreichen Besuchern erwiesen auch der Ehrenbürger BM i.R. Breitling, Bürgermeister Alexander Ludwig, Stadträte – der Gemeinderat hat die Verleihung einstimmig beschlossen - , Kirchenvertreter und Vertreter der Vereine den neuen Trägern der Bürgermedaille die Ehre.
Andrea-Marie Brachwitz, Tochter von Lotte Doll, leitete die Feierstunde mit einem Violinenkonzert ein. Oberbürgermeister Klenk hob in seiner Laudatio die besonderen Verdienste von Lotte Doll, Doris Kappes und Gerhard Kappes hervor. Der im Juni 88 Jahre alt werdenden Lotte Doll bescheinigte er bewundernd, dass sie als Mutter eines behinderten Sohnes nie aufgegeben habe, sondern im Gegenteil neben der schwierigen Pflege intensiv mehr als ein Jahrzehnt im Bodelschwingh-Kreis Stetten ehrenamtlich bei der Betreuung und Begleitung behinderter Menschen mitwirkte. 1989 gründete sie aus dem Bodelschwingh-Kreis heraus den Paul-Gerhard-Kreis. Dessen Aufgabe war und ist es, Menschen mit Behinderungen zu fördern und ihnen Hilfe in allen Lebenslagen anzubieten. Innerhalb dieses Vereins war Lotte Frau Doll ca. 15 Jahre lang die 1. Vorsitzende, bis sie 2005 altersbedingt dieses Amt niederlegte.
Um Behinderten die Möglichkeit zu geben selbstständig zu musizieren, hat sie als Musikpädagogin notenähnliche Anweisungsblätter entworfen, mit deren Hilfe Behinderte Stücke auf der Veeh-Harfe in der von ihr gegründeten und geleiteten Veeh-Harfen- und Psalter-Gruppe spielen können. An der Volkshochschule initiierte sie Koch- und Werkkurse, um behinderten Menschen Freude an kreativen und naturwissenschaftlichen Themen nahe zu bringen. Für ihr ehrenamtliches Engagement in der Behindertenarbeit wurde sie im Jahr 2000 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. Sie pflegte stets auch Kontakt zu Familien, die behinderte Angehörige haben. Sie förderte so Erfahrungsaustausch, gegenseitige Hilfe, aber auch den Kontakt zwischen Menschen, die sich in derselben, manchmal schwierigen und anstrengenden Lage befinden, und war Ihnen eine verständige Ansprechpartnerin. Sie organisierte Kurzzeitunterbringungen und organisierte Ausflüge und Theaterbesuche . Trotz ihres hohen Alters von 87 Jahren leitet Lotte Doll seit März 2008 den Musizierkreis Echterdingen, eine eigene Musikgruppe für Menschen mit Behinderung, die regelmäßig Gottesdienste der evangelischen Kirchengemeinde mit gestaltet. Die Veeh-Harfen und Psalter-Gruppe rundete mit Musikstücken auch die Feierstunde in der Zehntscheuer ab.
Ebenfalls in der Behindertenarbeit wirken seit vielen Jahren Gerhard und Doris Kappes mit. Sie gehören zu den Gründungsmitgliedern des Bodelschwingh-Kreises. Gerhard Kappes ist seit 19 Jahren, Doris Kappes seit 17 Jahren dort tätig, seit 1994 leiten sie den Kreis. Das Ehepaar hat ehrenamtliche Mitarbeiter ausgebildet und in ihrer Arbeit mit behinderten Menschen begleitet. Dadurch haben sie einen großen Beitrag zur Erhaltung und Weiterführung dieser Arbeit in Leinfelden-Echterdingen geleistet. Beide leiten die Durchführung von Programmen und Angeboten innerhalb des Kreises, organisieren Ausflüge, Freizeiten und anderen Aktivitäten, an denen Menschen mit Behinderungen teilnehmen können, darunter den jährlichen Tagesausflug in Kooperation mit dem Schwäbischen Albverein Echterdingen, der eine Begegnungsmöglichkeit von Behinderten und Nichtbehinderten schafft. Als Leitung des Bodelschwingh-Kreises haben die Eheleute Kappes eine enge Kooperation mit vielen ehrenamtlich tätigen Diensten im Bereich der Behindertenarbeit hergestellt, u.a. mit dem Familienentlastenden Dienst Filderstadt, und so eine umfangreiche Informations- und Hilfsplattform aufgebaut, von der sowohl Menschen mit Behinderung als auch deren Familien und Angehörige profitieren können. Hierbei kommt Gerhard Kappes sein Amt als Vorstandsmitglied des Familienentlastenden Dienstes Filderstadt zugute. Außerdem sind beide engagierte Mitglieder der evangelischen Kirchengemeinde Stetten und dort als Mitarbeiter, beispielsweise im Festausschuss oder in der Organisation und Durchführung von Bazaren, tätig. Gerhard Kappes war in den Jahren 1989 bis 1995 Mitglied des Kirchengemeinderates.
Bei der Sportvereinigung Stetten war er zudem von 1987 bis 1996 nicht nur aktiver Mitspieler, sondern auch Leiter der Abteilung Tischtennis sowie Jugendleiter und Trainer der Bambini-Mannschaft. Seit drei Jahren ist er Jugendleiter der Tischtennisabteilung. Er engagiert sich aktiv in der „Tischtennisschule“, einer Kooperation mit den Schulen, die Kinder aller Altersklassen für den Tischtennissport begeistern soll. „Wir brauchen diese Pioniere der Nächstenliebe“, betonte Pfarrer Joachim Scheuber, evangelische Kirchengemeinde Echterdingen. Es werde nicht lange geredet, sondern gehandelt, attestierte auch Pfarrer Stefan Ruppert in seinem Grußwort den Geehrten ein großes Engagement. Lotte Doll erklärte, sie sei von der Verleihung überwältigt. Sie dankte auch der Stadt, die sie immer mit großem Verständnis in ihrer Arbeit unterstütze. Dankbar ist auch das Ehepaar Kappes, das unter den Gästen die Bodelschwingh-Kreis „Bandenkegler“ begrüßte, die vollständig gekommen sind, um im feierlichen Rahmen des Festaktes ihr zehnjähriges Jubiläum zu feiern.
Pflegestützpunkt für LE
Leinfelden-Echterdingen erhält voraussichtlich zum 1. Juli einen von sieben Pflegestützpunkten im Landkreis. Der Technische Ausschuss hat am 24. Februar zugestimmt. Dieses dezentrale Konzept sieht ein wohnortnahes Beratungs- und Hilfsangebot vor, bei dem Betroffene und Angehörige umfassend informiert und unterstützt werden. Außerdem wird „Care Management“ betrieben, d.h. die vorhandenen Beratungs- und Hilfsangebote werden erfasst und vernetzt.
Pflegebedürftige sind in der Mehrzahl zwischen 80 und 100 Jahre alt, ihre Angehörigen oft auch schon im Rentenalter. Aufgrund des demografischen Wandels und zunehmender Singlehaushalte steigt die Nachfrage nach individueller Unterstützung. Das Pflegeweiterentwicklungsgesetz sieht zwar vor, dass diese Leistungen von Pflegeberatern der Krankenkassen übernommen werden; diese sind jedoch erst zuständig, wenn tatsächlich eine Pflegestufe festgestellt wurde. Viele Bürgerinnen und Bürger benötigen jedoch im Vorfeld der Pflege Beratung und Unterstützung.
Der Pflegestützpunkt wird im Amt für soziale Dienste sitzen. Er wird auf dem bereits gut ausgebauten Beratungs- und Unterstützungsnetz in LE aufbauen, das damit noch verbessert werden kann.
