Keltische Toten- und Götterstelen
Auf dem 1981 untersuchten und jetzt wieder aufgeschütteten Grabhügel stand – belegt durch die Grabungsbefunde – ein unbehauener Sandsteinblock. Auch auf anderen keltischen Grabhügeln im weiteren Bereich des Schönbuchs wurden bearbeitete Stelen gefunden, bei denen es sich eindeutig um menschliche Darstellungen handelt. Die älteste Stele stammt aus Gomaringen/Stockach (1). Sie gehört zu einem mit Steinplatten umstellten Grabhügel der älteren Hallstattzeit (7. Jh.v.Chr.). Das Gesicht ist beschädigt, doch sind noch die Augen, die Nase und der Mund zu erkennen; die Brust ist durch eine Dreieckslinie verziert, vielleicht die Andeutung eines Kleidungsstücks. Etwas jünger ist die Stele von Tübingen-Kilchberg (2). Auch bei ihr ist ein stark stilisiertes Gesicht dargestellt, auf der Rückseite des Kopfes wohl eine Frisur mit Zopf. Eine der bekanntesten und interessantesten ist zweifellos die Stele von Hirschlanden, Kr. Ludwigsburg (3), die Darstellung eines nackten „Kriegers“ mit den deutlichen Standesabzeichen eines keltischen Herrn. Der vollplastisch dargestellte Mann trägt einen Hut aus Birkenrinde, ähnlich der gefundenen Kopfbedeckung aus dem Fürstengrab von Hochdorf, des weiteren einen goldenen Halsreif und einen Gürtel mit Dolch. Die beiden Figuren aus Steinenbronn (4) und Holzgerlingen (5) sind deutlich jünger. Sie gehören in die Latènezeit (um 400 v. Chr. oder jünger) und wurden nicht bei Grabhügeln gefunden. Von der Steinenbronner Stele (4) ist nur der untere Teil erhalten, doch zeigt die um die Kante des Steins greifende Hand, dass im abgeschlagenen Oberteil eine Figur dargestellt war. Die Verzierung dieser Stele ist außerordentlich qualitätvoll gearbeitet. Sehr eindrucksvoll ist vor allem die überlebensgroße Figur aus Holzgerlingen (5) mit einem Doppelgesicht und dem typisch keltischen Kopfschmuck, einer „Blattkrone“. Was bedeuten nun diese Stelen? Vermutlich sind es einerseits Darstellungen von keltischen Göttern, vielleicht „Wächter“ eines heiligen Bezirkes. Andererseits sind sie unmittelbar bei keltischen Bestattungen gefunden worden, dienten also als Grabstelen, wohl den toten Ahnen gewidmet. Die Originale der Figuren befinden sich im Württembergischen Landesmuseum Stuttgart.
