Alte Poststraße („Schweizer Straße”)
Über die Filder und durch den Schönbuch führt eine alte, wichtige Straße und Postlinie von Cannstatt in südlicher Richtung über Echterdingen, Tübingen bis Schaffhausen. Sie verläuft über das Tal der Körsch und deren Zuflüsse, über das des Reichenbaches, der Aich, der Schaich und des Goldersbaches. Die Fuhrleute mussten auf den Steigen zusätzliche Pferde vorspannen. In den Dörfern gab es eine Zunft vorspannberechtigter Bauern. Große, vier- bis sechsspännige, bedeckte Wagen brachten Handelsgüter von Frankfurt und Heilbronn über Stuttgart in die Schweiz. Große Wirtshäuser an der Straße luden zur Rast ein, so der berühmte „Hirsch“ in Echterdingen, in dem sich Reisende aus aller Herren Länder trafen. Zwischen Stuttgart und Tübingen, dem politischen beziehungsweise geistigen Mittelpunkt Württembergs, reisten Fürsten mit ihrem Gefolge, Beamte und Offiziere sehr häufig hin und her. Vor allem Professoren und Studenten waren auf dieser Straße unterwegs.
Es gab dreierlei Posten:
Metzgerposten waren verpflichtet, Reitpferde zu halten und nach Bedarf Briefe zu befördern. Metzger führten nämlich bei ihren Einkäufen Pferd und Wagen mit sich und waren somit bis ins 18. Jahrhundert prädestiniert für den Transport von Postsachen.
Taxis’sche Reitposten, eingeführt um 1500 von dem Niederländer Franz von Taxis, hatten berittene Postillione, welche verschlossene Felleisen (von franz. valise, ein Reisesack oder Ranzen zum Umhängen über die Schulter) mit Briefen des Kaisers und der Fürsten beförderten.
Landkutschen wurden 1683 von den Herzögen von Württemberg eingeführt. Sie beförderten Personen und Postsachen. An den Posthaltereien wurden die Pferde gewechselt.
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Die Entwicklung des Verkehrs auf der so genannten Schweizerstraße: | |
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1691 |
Eröffnung der Posthalterei in Waldenbuch |
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ab 1697 |
Landkutsche von Frankfurt über Stuttgart nach Schaffhausen |
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1775 |
Erster Taxis’scher Postwagen nach Schaffhausen |
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ab 1823 |
Eilwagen von Stuttgart nach Tübingen (fünfmal in der Woche) |
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ab 1837 |
tägliche Eilfahrten nach Schaffhausen |
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1845 |
Posthalterei in Echterdingen (Gasthof zum Hirsch) und in Dettenhausen; Aufhebung der Posthalterei in Waldenbuch |
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ab 1851 |
Ablösung des Taxis’schen Postlehens. Die Post wird württembergisch. |
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15.10.1861 |
Eröffnung der Eisenbahnlinie Reutlingen–Rottenburg. Von diesem Tage an befuhr kein Postwagen mehr die Schweizerstraße. |
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1892 |
Erbauung der neuen Straße durch den Schönbuch (heute B27 alt) |
Die Schönheit der Landschaft beflügelte den Geist der Dichter und Schriftsteller, die auf dieser Straße unterwegs waren, und manche Dichtung ist nachweislich hier entstanden. So schrieb Justinus Kerner im Herbst 1807 das Abschiedslied: „Wohlauf, noch getrunken den funkelnden Wein“ im Gasthaus „Hirsch“ zu Echterdingen. Ludwig Uhland dichtete am 5. Juli1814 unterwegs die Einleitung zu „Graf Eberhard der Rauschebart“. Nicolaus Lenau verfasste hier sein Gedicht „Der Postillon“: „Lieblich war die Maiennacht“.
Der Dichter Karl Mayer, ein Freund Uhlands, schrieb über diese Straße:
„Waren es nicht noch in ihrer Art schöne Zeiten, als junge, rüstige, geisteslebendige Männer, wie der Tübinger Prokurator Schott und Uhland es nicht verschmähten, den waldreichen, siebenstündigen Weg zwischen Stuttgart und Tübingen über Echterdingen und Waldenbuch und über die famosen sieben Berge zu Fuß zu machen...“
