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Startseite - Besucherservice - Entdecken + erleben - Wanderungen + Radtouren - Historischer Pfad Echterdingen - 27. Gasthof "Hirsch"
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Ortsgeschichtlicher Rundgang durch Echterdingen

27. Der Gasthof "Hirsch"

"Wenn wir uns auf dieser Welt nicht mehr sehen, im `Hirsch´ in Echterdingen treffen wir uns wieder" (altes württembergisches Sprichwort)! Bei der Gründung des Gasthauses hatte der Landesherr, Herzog Carl Eugen von Württemberg (1728-1793), höchstpersönlich seine Hände im Spiel. Der "Hirsch" wurde im Jahr 1772 von Schultheiß Johann Ludwig Stäbler (Amtszeit 1756-1781) errichtet, und zwar an derselben Stelle, wo sich bis dahin das Gasthaus "Zum Bären" von Jakob Hoffmann befunden hatte, das 1769 "vergantet", d.h. enteignet und abgerissen wurde. Hoffmann hatte nämlich im Streit einen Mitbürger erstochen, war daraufhin in die ihm Asyl gewährende Reichsstadt Reutlingen geflohen und verlor damit sein ganzes Vermögen. Bei dem Wiederaufbau des Hauses wurde Stäbler von Herzog Carl Eugen vor allem finanziell unterstützt. Dazu hatte er auch allen Grund. Der Landesherr "Karl Herzich" - wie er im Volksmund genannt wurde - verkehrte nämlich gerne im Haus des schlagfertigen Schultheißen Stäbler, was nicht zuletzt an dessen junger, gut aussehender Tochter Anna Katharina (geb.1753) lag, der er ausgesprochen herzlich zugetan war.

Als sie ein Kind von ihm erwartete, führte ihr Herzog Karl Eugen den Plieninger Wirtssohn Johann Friedrich Bayha als Ehemann zu. Für den Herzog selbst stellte dies kein außergewöhnliches Ereignis dar, denn die Zahl seiner illegitimen Kinder wird auf insgesamt 150 - 200 geschätzt. Der "Hirsch", der auch mit einer Holzgerechtigkeit ausgestattet wurde - von seinen Eigentümern durften jährlich im Schönbuch vier Klafter Buchenholz geschlagen werden - sollte die Existenzgrundlage der jungen Wirtsleute darstellen. Sie waren tüchtig und betrieben den "Hirsch" mit viel Erfolg. Auch der Herzog selbst war dort noch oft als Gast, wenn er im Schönbuch einer anderen Leidenschaft, der Jagd, nachging. Zu Beginn des letzten Jahrhunderts ging der "Hirsch" dann von den Bayhas auf die Familie Kizele über und wird heute von der Familie Mooser betrieben. Das großformatige Ölgemälde mit seinem Porträt, das Herzog Karl Eugen nach der Fertigstellung des Hauses als Zeichen seiner besonderen Gunst gestiftet hatte, hängt übrigens noch heute an seinem Platz im schön renovierten "Saal" im ersten Stock des "Hirschs".

Die Lage des Gasthofs an der ehemaligen Schweizer Straße - eine der wichtigsten Fernverkehrsverbindungen Württembergs nach Süden und wichtigste Verbindung zwischen der Landeshauptstadt Stuttgart und der Landesuniversität Tübingen - und nicht zuletzt die gute Küche des "Hirschs" - zog auch illustre Gäste an. Im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert kehrten dort auf der Durchreise Geistesgrößen wie Johann Kaspar Lavater (1782), Friedrich Schiller (1793) und Johann Wolfgang von Goethe (1797) ein. Der große deutsche Dichter bezeichnete Echterdingen als "wohlgebaut, heiter Dorf" und der schwäbische Dichter und Arzt Justinus Kerner (1786-1862) und andere ließen es sich bei Filderkraut und Neckarwein gut gehen. Der "Hirsch" wurde im Jahr 1845 auch Fürstlich Thurn und Taxis´sche Poststation. Im Vormärz war der "Hirsch" Treffpunkt der Demokraten: Uhland, Schwab, Schott, Cotta, Graf Waldburg, von Maukler trafen sich hier; auch die späteren württembergischen Märzminister Römer und Pfizer gehörten zu diesem Kreis. Cotta, Neurath, Graf Waldeck, von Maukler und von Wangenheim hatten hier schon 1817 die Ablehnung der Verfassung König Wilhelms I. beschlossen. Schließlich logierte am 5. August 1908 Graf Ferdinand von Zeppelin im "Hirsch", als er mit seinem Luftschiff "LZ 4" etwa ein Kilometer östlich von Echterdingen sicher gelandet war. Hier wurden ihm von den Echterdingern Ovationen dargebracht, doch hier erfuhr er auch, dass sein Luftschiff, das infolge einer Gewitterböe aus der Verankerung gerissen und gegen Obstbäume getrieben wurde, verbrannt war. Im "Hirsch" nahm vielleicht auch die "Deutsche Nationalspende" ihren Anfang: Deutsche aller Schichten und jeden Alters spendeten damals über 6 Millionen Mark und ermöglichten damit dem populären Grafen die Fortsetzung seines Lebenswerks auf einer sicheren materiellen Basis.

Im 2. Weltkrieg schien das Ende des altehrwürdigen Hauses nahe, als Echterdingen von britischen Bombern am 15./16. März 1944, schwer getroffen wurde und eine Luftmine im Nachbarhaus einschlug. Der "Hirsch" (sch)wankte, aber er fiel nicht: Das schwer beschädigte Gebäude konnte in letzter Minute gerettet und nach dem Krieg renoviert werden.

Adresse

Hauptstraße 64
70771 Leinfelden-Echterdingen

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