Ortsgeschichtlicher Rundgang durch Echterdingen
13. Häuser an der ehemaligen Mauer der Burg: Burgbereich
In diesem Bereich war im Mittelalter der östliche Teil der Mauer der "Unteren Burg", die 1281 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Darunter hat man sich ein ummauertes Steinhaus mit einem Turm und einem Tor vorzustellen. In noch früherer Zeit war dieser Bereich der sogenannte Herren- oder Fronhof. Die Burg war Sitz des Ortsadels, der Herren von Echterdingen. Sie waren Lehnsleute der Welfen bzw. der Pfalzgrafen von Tübingen. Es gab zwei Linien: die Linie Friedrichs von Echterdingen und die seines Bruders Heinrich.
Ende des 13. Jahrhunderts errang das Kloster Bebenhausen, durch den Erwerb von umfangreichem Grundbesitz, eine starke Stellung in Echterdingen, wobei es vom Niedergang der Herren von Echterdingen profitierte: Im Jahr 1281 wurde Echterdingen zwischen der Linie Heinrichs von Echterdingen und dem Kloster Bebenhausen geteilt, nachdem die Friedrich´sche Linie ihren gesamten Besitz je zur Hälfte an die Heinrich´sche Linie und an das Kloster Bebenhausen verkauft hatte. Das Dorf zerfiel so in zwei unterschiedliche Herrschafts- und Rechtsbereiche. Die Friedrich´sche Linie lässt sich bis zum Jahr 1296 verfolgen, die Heinrich´sche sogar bis 1406. In diesem Jahr verkaufte der letzte verarmte Spross der Heinrich´schen Linie seinen restlichen Anteil an Gütern und an der Burg an die Grafen von Württemberg. Doch auch das Kloster Bebenhausen musste im Laufe der Zeit seine Besitzungen in Echterdingen und seinen Anteil an der Burg an Württemberg abtreten.
1474 war dann die gesamte Burganlage in württembergischen Besitz. Ungefähr seit Anfang des 16. Jahrhunderts existiert die Burg nicht mehr, denn die Steine des Turms wurden zum Bau des neuen Chors der Kirche und zum Kirchenumbau verwendet. In seiner Abhandlung "Die einstigen Herren von Echterdingen" schreibt Adolf Murthum: "Der Herren- oder Fronhof war in alter Zeit nicht nur der Sitz und Mittelpunkt der Haus- und Hofhaltung seines Inhabers, sondern auch der von diesem Hof aus betriebenen Landwirtschaft." In Verbindung mit dem Wohnhaus für die Herrschaft und den Unterkunftsräumen für das Gesinde, d.h. für die Unfreien und Hörigen, standen die Wirtschaftsgebäude, die Ställe, Scheunen, Speicher und Keller. Diese Gebäulichkeiten waren anfänglich einstockige, nur einen einzigen Raum enthaltende einfache Häuser aus Holz. Erst gegen das Mittelalter ging man daran, sogen. Steinhäuser zu erstellen. Die ganze Anlage nebst den dazugehörigen Hofräumen war mit einem starken Palisaden-Zaun, später mit Mauer und Graben versehen. Dadurch erhielten die Fronhöfe jenes burgartige Aussehen..."
Adresse
Burgstraße 7
70771 Leinfelden-Echterdingen
