Ortsgeschichtlicher Rundgang durch Echterdingen
6. Der Kirchturm
Das Alter des 52 Meter hohen Kirchturms lässt sich auf das Jahr 1439 datieren, wie dies aus einer alten lateinischen Inschrift hervorgeht, die sich auf am unteren Stock der Südseite des Turms befindet: "Anno domini 1439, am Tag des heiligen Marcellus ist dieser Turm begonnen worden." Daneben befindet sich eine weitere Inschrift: "Ain Turn bin ich, maister Hainrich macht mich." Darüber links das Wappen des Zisterzienserklosters Bebenhausen sowie das Wappen der Grafen von Württemberg, der Schirmvögte des Klosters. Das alte Satteldach wurde erst um 1880 durch die im neugotischen Stil gehaltene steinerne Kirchturmspitze ersetzt. Der Turm hatte früher drei steinerne Stockwerke und darüber ein hölzernes Stockwerk. 1990/1991 wurden umfangreiche Renovierungsarbeiten an der Kirchturmspitze unternommen.
Zum Geläut im Glockenstuhl: Im Jahr 1880 wurden die drei alten, aus dem 16. und 17. Jahrhundert stammenden Glocken umgegossen und eine vierte hinzugefügt. Zwei davon mussten am Ende des 1. Weltkriegs - neben der Rathausglocke von 1779 - abgeliefert werden. In der Echterdinger Ortschronik von Schultheiß Stehle heißt es: "Um den Krieg zu einem glücklichen Ende führen zu können, wurden die Gemeinden des Reiches gezwungen, ihre Glocken abzuliefern. Echterdingen hat vorerst zwei seiner Glocken an den Staat abgeliefert, wo das Glockenmetall zu Geschützrohren verarbeitet wird. Da das Material zur Herstellung von Geschützen sehr fehlt, ist es dringende Pflicht, dass Jedes seine entbehrlichen Glocken abgibt... Als zweite Glocke musste von 4 Kirchenglocken die vierte - die Kleinste - dem Vaterlande zum Opfer gebracht werden, mit einem Gewicht von 203 kg. Auf dieser Glocke sind die schönen Worte eingegossen `Wachet und betet!. Gegossen von Heinrich Kurz in Stuttgart MDCCCLXXX. ´ Diese Glocke wurde von der Gemeinde sehr ungern hergegeben aus folgenden Gründen: Im Jahre 1880 wurde auf dem damals neuerbauten Kirchturmhelm von oben erwähnter Firma ein harmonisches Geläute, von 4 prachtvollen Glocken, mit eisernem Glockenstuhl geliefert. Das Geläute war eines der schönsten unseres Landes, um das wir vielfach beneidet wurden. Dem Wohl des Vaterlandes muss eben alles geopfert werden." Die Rathaus- und die vierte Kirchenglocke wurde dann in den Jahren 1923 und 1929 durch zwei neue Glocken ersetzt.
Im Kriegsjahr 1942 mussten zum Leidwesen der Gemeinde sogar alle drei Kirchenglocken für Kriegszwecke abgeliefert werden; nur das Petrusglöcklein (die Totenglocke) blieb verschont. Im Jahr 1950 wurden sie durch drei neu gegossene Glocken ersetzt und 1964 kam noch eine weitere Glocke, die große "Dominica"-Glocke hinzu.
