Ortsgeschichtlicher Rundgang durch Echterdingen
3. Gemeindebackhaus
Freistehendes, massives einstockiges Gebäude aus Sandsteinquadern und vierseitigem Zeltdach; erbaut 1841/42, Baukosten 1018 Gulden.In dieser Zeit wurden in Württemberg, auf Drängen der Obrigkeit, viele Gemeindebackhäuser gebaut, weil sie größere Feuersicherheit boten als die bis dahin üblichen, privaten Backhäuschen. In einer feuerpolizeilichen Generalverordnung vom 13. April 1808 heißt es: "da die Backöfen in den Häusern gefährlich sind, sollen Commun-Backöfen, jedoch von öffentlichen Wegen und Chausseen entfernt, errichtet werden". Gründe hierfür waren - neben der größeren Feuersicherheit - "der geringere Bauaufwand, der Raumgewinn im Haus, und vor allem die Holzersparnis. Denn in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war der Holzmangel extrem geworden... Die Holzpreise stiegen in astronomische Höhen". Im Dachgeschoss befand sich eine große Obstdarre für Birnenschnitze und Zwetschgen, die im Winter als notwendige Zusatznahrung beliebt waren.
Adolf Murthum (1878 - 1940) schrieb Mitte der 1930er zum Backen im Backhaus: "Ihr gutes, schwarzes Bauernbrot, ihre dicken, runden Weissbrot-Laibe auf den Sonntag, sowie ihre schmackhaften Kuchen auf die Kirchweihe und die sonstigen Feste bäckt die Bäuerin heute meist in dem der Gemeinde gehörigen Backhaus".Das Backhaus ist noch heute in Gebrauch.1968 wurden drei neue Backöfen in Betrieb genommen. In unseren Tagen wird das Backhaus vor allem bei Festen von Vereinen (z.B. den Landfrauen) zum Backen von Kuchen oder anderer Spezialitäten - wie den sehr beliebten Echterdinger "Deien" - benutzt. Ein zweites Backhaus befand sich übrigens im unteren Dorf an der Ecke Hauptstraße /Kanalstraße. Es wurde nach dem 2. Weltkrieg abgerissen.
Adresse
Backhausgasse
70771 Leinfelden-Echterdingen
