Luftkrieg. Die Stadtteile von Leinfelden-Echterdingen im Luftkrieg (1939 - 1945)
Autoren: Dr. Bernd Klagholz, Heinz Bardua
Veröffentlichungen des Stadtarchivs LE, Band 1
Leinfelden-Echterdingen 1994
132 Seiten mit rund 100 Fotos
13,50 Euro
Luftangriffe auf LE
Der erste Band der neuen Schriftenreihe des Stadtarchivs erschien zum 50. Jahrestag der Zerstörung der vier Stadtteile durch britische Bomber. Der Schwerpunkt der Dokumentation mit zahlreichen Zeitzeugenberichten liegt auf der Schilderung der beiden schweren Luftangriffe vom 22. November 1942 und vom 15./16. März 1944, die das über Jahrhunderte gewachsene Ortsbild dramatisch veränderten.
Mit dem Luftangriff vom 15. auf 16. März 1944 erreichte der Luftkrieg für die westlichen Fildergemeinden seinen Höhepunkt. Das eigentliche Angriffziel der 863 britischen Bomber war Stuttgart. Von den insgesamt abgeworfenen 2500 Tonnen Spreng-, Phosphor- und Stabbrandbomben ging jedoch der größte Teil auf die westliche Filder nieder. In Echterdingen, Leinfelden und Musberg wurden Gebäude zerstört, die sogar den 30-jährigen Krieg überdauert hatten.
Der Luftangriff auf Musberg begann gegen 23.00 Uhr und dauerte eine Dreiviertelstunde. Danach war der Ort eine Brandruine. 399 Menschen wurden obdachlos. 322 Gebäude wurden zerstört oder beschädigt, darunter das Lorentz-Haus, eines der schönsten Fachwerkhäuser aus dem 17. Jahrhundert, und das 1622 errichtete Fachwerkhaus der Familie Belz.
In ganz Echterdingen entstanden große Brände, durch die fünf Menschen ihr Leben verloren und rund 150 Familien obdachlos wurden. 84 Wohnhäuser, 105 Scheuern und sonstige Gebäude, zwei Schulhäuser, der Farrenstall und das Feuerwehrmagazin fielen den Flammen zum Opfer, weitere 100 Gebäude wurden schwer beschädigt. Die alte Zehntscheuer aus der Zeit vor den 30-jährigen Krieg sowie viele alte Fachwerkhäuser in der Hauptstraße und der Obergasse wurden zerstört.
Auch Leinfelden mit Ober- und Unteraichen wurden bombardiert und schwer getroffen. Neben 68 Wohnhäusern wurden 68 Scheuern und fünf öffentliche Gebäude vernichtet. Unter den zerstörten Bauwerken befand sich auch das alte Leinfelder Rathaus, das vor dem 30jährigen Krieg erbaut wurde. In Stetten waren die Schäden glücklicherweise wesentlich geringer als in den anderen Stadtteilen.
Für viele ältere Bürgerinnen und Bürger setzt sich das Bild des Krieges zu einem erheblichen Teil aus dem Erleben dieser Zerstörungen zusammen. Durch die Luftangriffe wurden sie selbst hautnah mit dem Schrecken des Krieges konfrontiert. Es drohten materielle Verluste oder sogar der Tod von Verwandten und Bekannten. Die psychische Belastung war enorm. Die im Lauf des Jahres 1944 und zu Kriegsende stark zunehmenden Luftalarme beherrschten das Leben fast vollständig.
Der Krieg hatte jedoch auch noch eine andere Seite, die für aufmerksame Zeitgenossen in unmittelbarer Nähe sichtbar wurde: Vom 1939 eröffneten Flughafen Echterdingen aus starteten während des Frankreichfeldzugs 1940 deutsche Bomber. In den Werkstätten der Deutschen Lufthansa mussten Hunderte Menschen Zwangsarbeit leisten. Auf dem Flughafengelände war vom November 1944 bis Februar 1945 eine Außenstelle des elsässischen Konzentrationslagers Natzweiler-Struthof untergebracht. Auch auf diese schrecklichen Tatsachen, die mit dem Thema Luftkrieg in unmittelbarem Zusammenhang stehen, weist das Buch hin.
Der Dank des Stadtarchivs gilt allen Bürgerinnen und Bürgern, die ihre Erlebnisse und Erfahrungen während des Luftkriegs geschildert haben, insbesondere den Mitgliedern der Geschichtswerkstatt Leinfelden-Echterdingen für ihre engagierte Arbeit, sowie den Sponsoren für die Unterstützung bei der Drucklegung.


