Das Filderkraut
Autoren: Nikolaus Back, Dr. Bernd Klagholz u.a.
Veröffentlichungen des Stadtarchivs LE, Band 2
Filderstadt und Leinfelden-Echterdingen 1995
240 Seiten
12,50 Euro
Vom Krautanbau bis zur Krautfabrikation
Das Filderkraut ist untrennbar mit der Landschaft der Filder verbunden. Das Spitzkraut war ehemals Wahrzeichen der Region, und die krautverarbeitenden Fabriken spielten lange Zeit neben dem Krauthandel eine wichtige Rolle im Wirtschaftsleben. In 18 Einzelbeiträgen geben zehn Autorinnen und Autoren einen umfassenden Überblick über das Kraut als Kulturpflanze, über Anbau und Vermarktung des Filderkrauts, über ortsbezogene Besonderheiten und die Geschichte der Krautverarbeitung.
Bereits bei den alten Ägyptern war das Kraut bekannt. Die Römer führten das Kraut vermutlich in Mitteleuropa ein. Auf der Filder angebaut werden die Krautköpfe seit Mitte des vergangenen Jahrtausends. Bei den Recherchen für dieses Buch stießen die Forscher auf die älteste, bisher bekannte urkundliche Erwähnung des Filderkrauts: Das Lagerbuch des Klosters Salem, das Besitztümer in Stetten hatte, belegt, dass es dort bereits im Jahr 1501 Krautanbau gab (in der betreffenden Passage ist von "zwei juchert ackers am kruttgartten" die Rede). Dabei ist allerdings unklar, ob es sich um Spitzkraut oder Rundkraut handelte. Möglicherweise wurde das Spitzkraut erst zu einem späteren Zeitpunkt aus dem Rundkraut gezüchtet.
Jahrhunderte lang diente das Kraut als Teil der Pfarrbesoldung (Kleiner Zehnt). Echterdingen war bis ins 19.Jahrhundert hinein als am besten besoldete Pfarrei des ganzen Landes bekannt. Maßgeblich dazu beigetragen hat das Filderkraut, von dem die Kirchengemeinde den zehnten Teil der Ernte an den Pfarrer abliefern musste. Philipp Matthäus Hahn (1739-1790), der selbst gerne Filderkraut aß, erwähnte das Kraut mehrmals in seinen "Echterdinger Tagebüchern".
Seit dem frühen 19. Jahrhundert spielt das Filderkraut als landwirtschaftliche Sonderkultur eine wachsende Rolle. Um 1900 war Echterdingen mit 168 Hektar die größte Krautanbaugemeinde auf der Filder und die neu gegründeten Sauerkrautfabriken boten einen willkommenen Zusatzverdienst für die Bevölkerung. Wie das Kraut in früherer Zeit angebaut wurde, wie sich die Anbauflächen bis in die Gegenwart entwickelt haben und wie sich ein Kohlkopf in schmackhaftes Sauerkraut verwandelt, schildert das Buch ebenso wie die Geschichte der drei größten Echterdinger Sauerkrautfabriken Otto Sommer, Erstkraut und Hofmann (Edelweiß). Auch dem Krautfest, das seit 1979 in Leinfelden-Echterdingen gefeiert wird, ist ein Kapitel gewidmet.
Das frühere Wahrzeichen der Filder, das Spitzkraut, ist zwar fast von den Feldern verschwunden, die Filder ist aber immer noch die größte zusammenhängende Krautbauregion in Baden-Württemberg. Angebaut werden heute vorwiegend runde Krautköpfe, die sich in den Fabriken einfacher verarbeiten lassen.
Der Dank des Stadtarchivs gilt Jochen Bender, Wilhelm Hertig, Gert Herzhauser, Michaele Siebe, Wolfgang Strobel, Dieter Weiland, Gerhard Wiegert und insbesondere der Tübinger Kulturwissenschaftlerin Lioba Schlör, den Mitgliedern der Geschichtswerkstatt Filderstadt sowie den Sponsoren für die Unterstützung bei der Drucklegung.


