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Musberg gestern und vorgestern. Historische Fotografien - Leseprobe

Die Bewohner

Im Ort gab es viele arme Leute, wenige Vermögende und einen kleinen Mittelstand (aus Kleinbauern und Handwerkern mit Nebenerwerb - später sprach man von "Kommunistenbauern" - und Kleinhandwerkern ebenfalls mit einer weiteren zusätzlichen Tätigkeit zur Aufbesserung des zu geringen Einkommens). Besser erging es den Mühlen und der Ziegelei der Familie Lorenz. Ungelernte Kräfte fanden Arbeit bei den Bauern, in der Ziegelei und in der nur per Fuß erreichbaren Stadt Stuttgart; später ging man nur noch zur Haltestelle Kaltental und noch später fuhr man mit der Bahn ab Vaihingen weiter. Frauen und junge Mädchen verdingten sich als Dienstmädchen und Hilfen in den Landhaushalten oder bei den Herrschaften in der Stadt. Männliche Jugendliche, die nach spärlichem Schulbesuch (es gab nichts Besseres) einen Beruf erlernen wollten, mussten meist auswärts bei einem Meister eintreten und wohnten beim Meister. Für Kost und Wohnung war "Lehrgeld" von den Eltern zu bezahlen, was den Eltern nicht immer möglich war. Frauen und Männer, soweit sie nicht eine feste oder saisonale Beschäftigung hatten, arbeiteten stunden- oder tageweise als Tagelöhner bei Bauern auf dem Feld oder bei Handwerkern, die Frauen im Haushalt, zum Beispiel als Wäschehilfen. Andere suchten im Wald Moose für die Gärtner in der Stadt, Binsen für die Wengerter, Besenreis für die Besenbinder, alles, was der Wald damals bot - auch gegen Verbote der Obrigkeit (Wildern gehörte auch dazu). Den größeren Kindern wurde aufgetragen, mitzuhelfen, Brennholz für die Küche und den Winter zu sammeln und auf der Schulter - wenn es hoch kam mit einem Wägele - heimzuholen. Eingekauft wurde, was nicht in Musberg zu haben war, in Stuttgart oder Vaihingen, in Möhringen, Echterdingen oder auf den Märkten in Bernhausen und Echterdingen. Der Pferdemarkt in Leonberg war schon ein Groß-Markt. Was in Stuttgart gekauft wurde und nicht selbst transportiert werden konnte, brachte der Bote Georg Keller - den "Doppelzentner zu 50 Pfennig Fuhrlohn" wie es in einer Anzeige im "Filderboten" 1899 zu lesen ist - per Pferdefuhrwerk nach Musberg. Sammelstelle war ein Wirtshaus in der Hauptstätter Straße in Stuttgart. Hausierer kamen nach Musberg. Sie brachten mit: Uhren, Hosenträger, Knöpfe, Faden und Holzwaren. Die Bürstenmacher aus Bonlanden oder Lützenhardt im Schwarzwald boten Bürsten an und die Häfner aus Neuenhaus im Aichtal verkauften Töpferwaren, die sie in Stroh eingepackt mit dem Pferdewägele ins Dorf brachten.

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