Der Tag von Echterdingen - Leseprobe
Die Nachricht von der Landung sprach sich in Echterdingen und den benachbarten Filderorten wie ein Lauffeuer herum. Die Menschen ließen die Arbeit - viele waren um diese Zeit mit Feldarbeiten beschäftigt - stehen und liegen und eilten zum Landeplatz. Das Erscheinen des Luftschiffs weckte Emotionen, es löste Erstaunen und grenzenlos Bewunderung aus. Diese Gefühle spiegeln sich in den uns überlieferten Zeitzeugenberichten deutlich wider. Gottlob Schmid (Jg. 1896) aus Echterdingen z.B. erlebte die Landung als zwölfjähriger Junge. Das Motorengeräusch des Zeppelins konnte von ihm überhaupt nicht eingeordnet werden und wurde als `eine Art Musik´ wahrgenommen. Er berichtete: "Meine Schwester, mein Bruder und ich waren an diesem fraglichen Morgen zusammen bereits um 7 Uhr auf einem Acker zum Ährenlesen, etwa 100 Meter vom Elternhaus entfernt. Der Acker befand sich genau da, wo heute die Nordwestecke des Echterdinger Stadions ist. Während wir die Ähren sammelten, hörten wir alle drei eine Art Musik, die von der Luft her kam aus Richtung Degerloch... Da plötzlich sahen wir das Luftschiff, den Zeppelin. Die Musik war also das monotone Singen der Motoren. Das Luftschiff fuhr auffallend langsam genau in Richtung Echterdingen. Als es über der damaligen großen Linde in der Plieninger Straße in geringer Höhe war, stoppte es den Flug. Uns schien, als überlegten die Männer im Schiff, wie der Flug nun weitergehen soll. Plötzlich drehte das Schiff in südöstlicher Richtung ab. Aufmerksam verfolgten wir das Luftschiff. Nach etwa einem Kilometer blieb das Schiff wieder in der Luft stehen, senkte sich aber sofort nieder auf die Erde. Das war für meinen Bruder und mich das Signal: Wir warfen unsere Ährensäcke weg, .... Nach zehn Minuten etwa standen wir vor dem herrlichen Luftschiff. Dort wurde uns klar, dass in der Zwischenzeit (wohl vom Grafen Zeppelin) Anordnungen getroffen wurden. Z.B. sind zwei Wagen beladen mit Stroh angefahren, jeder Wagen vor eine Gondel. Das Schiff wurde etwas in die Höhe gelassen, und die Bauern haben das Stroh abgeladen und unter den Gondeln ausgebreitet. Das Schiff senkte sich und hatte ein Strohpolster unter jeder Gondel. Dann haben einige Männer einen Riesenanker etwa zehn Meter nach der rechten Spitze des Schiffes getragen, der mit einem dicken Seil mit dem Schiff verbunden war. Der Anker wurde in die Erde gerammt...Jetzt war für meinen Bruder und mich Gelegenheit zu einer der Gondeln zu gehen. Wir haben uns mit dem Monteur unterhalten; dieser kochte Saitenwürstle und gab meinem Bruder und mir je ein Würstchen, das war für uns ein Festessen..."


