Leinfelden - ein Blick zurück: Leseprobe
Die Gesundheitsfürsorge
Einen Arzt hatten wir natürlich nicht. Aber da war ja die Gemeindeschwester. Diese Frauen tat in vielen Jahren ihren segensreichen Dienst an Alten und Kranken. Erst, wenn die Schwester es für nötig hielt, ging man zum Arzt oder ließ ihn kommen. Ich erinnere mich an folgende Begebenheit: Wie alle Schreiner und Wagner hat sich auch mein Bruder an der Bandsäge verletzt. Er hatte sich den Ringfinger zu drei Vierteln abgesägt. Man holte die Schwester, die ihn verband, ich aber musste zum Bahnhof rennen und bitten, dass der Zug ein paar Minuten warte, bis mein Bruder da war. So klappte es auch. Dr. Beißwenger in Vaihingen nähte den Finger wieder fest, später war er dann eben ein bisschen krumm. Damals waren meine Eltern nicht in der Krankenversicherung. Die Bezahlung der Rechnung erfolgte unter anderem so, dass ich im Frühjahr die ersten Eier zum Doktor bringen musste. Da ich mich mit dem Eierkorb natürlich nicht in der Schule (ich war damals in der Mittelschule in Vaihingen) sehen lassen wollte, gab ich diesen vor der Schule bei der Frau des Arztes ab und holte ihn nach der Schule wieder ab. Die ersten Eier kosteten damals um die elf Pfennige. Dass Dr. Beißwenger die Filder zuerst mit dem Pferd oder Kutsche versorgt hat, weiß ich nur noch aus Erzählungen, aber sein Kommen mit einem großen Auto und Chauffeur ist mir noch in Erinnerung.


