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Leseprobe

Leinfelden, Echterdingen, Stetten und Musberg in der Weimarer Republik (1918 - 1933): Der Aufstieg des Nationalsozialismus, Seite 75f:

... In Echterdingen trat der spätere NSDAP-Ortsgruppenleiter Hermann Wörz (Jg. 1905) 1931 aus ähnlichen Motiven der NSDAP bei. Er erhoffte "von ihr die Beseitigung der Arbeitslosigkeit allgemein… Politischer Ehrgeiz lag meinem Beitritt nicht zugrunde. Es waren keine politischen Beweggründe, die meinen Beitritt veranlassten, sondern allein die Hoffnung auf Beseitigung der Arbeitslosigkeit, wie sie von der Partei versprochen wurde."

Wirtschaftliche Gründe und Angst vor Arbeitslosigkeit waren auch für seinen Nachfolger im Amte, den SA-Oberscharführer Dr. Hans Löhrl (Jg. 1911), nach eigener Aussage für den Beitritt zur NSDAP maßgeblich: "Da nun nach meinem damaligen Urteil die Parteien das Problem der Arbeitslosigkeit nicht energisch genug in Angriff nahmen, hörte ich in jener Stimmung mehr und mehr auf jene Partei, die wenigstens in ihrer Propaganda vorgab, diese Fragen energisch zu lösen. Auf der Universität wurde ich in dieser Richtung weiterhin beeinflusst und sah nun in der Regierungsübernahme durch den Nationalsozialismus den einzigen Ausweg aus der verzweifelten sozialen Lage."

Löhrl gehörte nach eigener Aussage "zu den Vielen, die der Partei aus Idealismus gedient haben, aber in ihrem Glauben maßlos enttäuscht wurden. Nie hatte ich daran gedacht, durch meine Parteitätigkeit eine Gewaltherrschaft zu fördern." Ob man diesen Aussagen der späteren NSDAP-Ortsgruppenleiter Glauben schenken kann, ist der Erörterung wert. Quellenkritisch ist anzumerken: Alle diese Aussagen entstanden im Zusammenhang mit den Anhörungen in den Entnazifizierungsverfahren nach 1945 vor der Spruchkammer und sollten der eigenen Entlastung dienen. Möglicherweise war es für die Betreffenden am wenigsten verfänglich oder wurde von ihnen als am wenigsten belastend angesehen, wenn sie die schlechte wirtschaftliche Situation als Grund für ihren Eintritt in die Partei angaben. Andererseits waren Arbeitslosigkeit oder die Angst vor Arbeitslosigkeit und der damit einhergehenden sozialer Deklassierung ein verbreitetes Motiv für den Eintritt in die NSDAP.

Die Beispiele zeigen, dass die späteren NSDAP-Ortsgruppenleiter bei ihrem Parteieintritt alle relativ jung waren: Ihr Alter lag zwischen 20 und 38 Jahren. Das Durchschnittsalter der NSDAP-Mitglieder, die zwischen 1925 und 1932 in die Partei eintraten, betrug 31 Jahre.81 43 % der 720 000 neuen Mitglieder, die zwischen 1930 und 1933 in die NSDAP eintraten, waren jünger als 30 Jahre. Joachim Fest schreibt hierzu: "Der wohl bemerkenswerteste Einbruch gelang der NSDAP innerhalb der Jugend. Wie keine andere politische Partei vermochte sie sich... die Erwartungen der jungen Generation .... zunutze zu machen. Naturgemäß war die Generation der Achtzehn- bis Dreißigjährigen, deren Ehrgeiz und Bewährungswille angesichts der herrschenden Massenarbeitslosigkeit ins Leere lief, von der Krise besonders betroffen. Radikal und wirklichkeitsflüchtig zugleich, bildeten sie ein riesiges aggressives Potential. Sie verachteten ihre Umwelt, die Elternhäuser, Erzieher und angestammten Autoritäten, die verzweifelt immer nur die alte bürgerliche Ordnung wiederhaben wollten, über die sie längst hinaus waren...In ihrer Mehrheit verachtete die Jugend die Republik..."

Im Vergleich zur SPD und den bürgerlichen Parteien war die NSDAP eine Partei der Jungen. Es mag sein, dass der Generationenkonflikt auch im Falle unserer NSDAP-Funktionäre mit ein Grund für deren Eintritt in die Partei war. Man kann jedenfalls davon ausgehen, dass der Beitritt zur NSDAP außer den angesprochenen wirtschaftlichen auch noch andere Gründe hatte. Ganz offensichtlich hat Hitler, der das "beschädigte (deutsche; B.K.) Selbstbewusstsein vollendet verkörperte", von allen Politikern die Gemütslage der Bevölkerung am klarsten erfasst und es am besten verstanden, in der Stunde der Krise ihre Wünsche, Sehnsüchte, Bedürfnisse, Sorgen und Ängste, die über das Wirtschaftliche hinausgingen, in politisches Kapital umzumünzen. ...

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