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Leinfelden, Echterdingen, Stetten und Musberg in der Weimarer Republik (1918 - 1933): Der Aufstieg des Nationalsozialismus

Der Aufstieg des Nationalsozialismus

Autor: Dr. Bernd Klagholz Veröffentlichungen des Stadtarchivs LE, Band 11 Leinfelden-Echterdingen 2006 145 Seiten, 16,50 Euro

Wie die Nationalsozialisten an die Macht kamen

Der Hitler-Diktatur mit ihrem Terror und den ungeheuerlichen Verbrechen gingen Scheitern und Zerfall der ersten deutschen Demokratie voraus. Spätestens in den frühen 1930er-Jahren zeigte sich, dass die Weimarer Republik den großen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Schwierigkeiten - zu einem großen Teil Folge des vom Deutschen Kaiserreich verlorenen Ersten Weltkriegs - nicht gewachsen war. Zunehmende politische Radikalisierung und Polarisierung, insbesondere während der Weltwirtschaftskrise, führten zur Aushöhlung der Demokratie und zum Aufstieg der beiden radikalen Flügelparteien NSDAP und KPD. Der erste Teil der vierbändigen Reihe zur Aufarbeitung der Geschichte Leinfelden-Echterdingens während der Zeit des Nationalsozialismus setzt sich mit diesem verhängnisvollen Prozess auseinander.

Die Verschiedenheit der wirtschaftlichen und sozialen Strukturen in den Gemeinden Echterdingen, Leinfelden, Musberg und Stetten hat zu unterschiedlicher politischer Einstellung und damit zu unterschiedlichem Wahlverhalten geführt. Das eher landwirtschaftlich, protestantisch geprägte Echterdingen einerseits und die Pendler- und Arbeitergemeinde Musberg andererseits bildeten die beiden Pole: Während die Echterdinger Bürgerschaft zunächst zum Württembergischen Bauern und Weingärtnerbund, einer landwirtschaftlichen Interessenpartei mit antidemokratischem Einschlag und (erst) ab 1932 - dann aber in starkem Ausmaß - zur NSDAP tendierte, neigte die Bevölkerung Musbergs bereits lange vor der Weltwirtschaftskrise zu den beiden Arbeiterparteien, insbesondere der KPD, die den demokratischen Staat genauso radikal ablehnte wie die NSDAP.

Die Weltwirtschaftskrise als Katalysator der politischen Radikalisierung wird in ihren Auswirkungen Arbeitslosigkeit, Armut und Hoffnungslosigkeit ausführlich in dem Buch beschrieben. Der Niedergang der politischen Kultur zeigte sich auch auf den Fildern in den Auseinandersetzungen der Kampfverbände der politischen Parteien. Die höchste Gewaltbereitschaft war bei der zahlenmäßig stärksten Gruppierung, der SA als Kampfverband der NSDAP zu beobachten.

Der Erfolg der NSDAP bei den Reichstagswahlen 1932, der auch für den Bereich von Leinfelden-Echterdingen historische Tatsache ist, hat die Hitler-Partei für das konservative Establishment, das die Wiederherstellung der Monarchie oder eines autoritären Staates unter seiner Führung wollte, als möglichen Koalitionspartner erst interessant gemacht. Dieser Sachverhalt führte am 30. Januar 1933 dazu, dass Hitler zum Reichskanzler ernannt wurde.

Für das vorliegende Buch wurde umfangreiches Quellenmaterial in Aktenbeständen und Sekundärliteratur sowie Zeitzeugen-Berichte ausgewertet. Anhand der im Filder-Boten veröffentlichten Wahlergebnisse der Reichtags- und Reichspräsidentenwahlen wurde erstmals das Wahlverhalten der hiesigen Bevölkerung in der Zeit der Weimarer Republik analysiert. Ein besonderer Dank gilt den Bürgerinnen und Bürgern, die teils in Interviews, teils in schriftlichen Aufzeichnungen und mit historischem Bildmaterial ihre persönlichen Erinnerungen und individuellen Sichtweisen eingebracht haben.

Auf insgesamt drei Bände ist die Publikationsreihe angelegt, in der Stadtarchivar Dr. Bernd Klagholz die NS-Geschichte der vier heutigen Stadtteile und ehemals selbstständigen Gemeinden dokumentiert. Band 2 zur NS-Geschichte, der die Zeit von 1933 - 1939 behandelt, erscheint 2007. Den Abschluss wird 2009 der Band über den Zweiten Weltkrieg (1939 - 1945) bilden. Parallel zur Trilogie über die Weimarer Republik und die Zeit des Nationalsozialismus in Leinfelden-Echterdingen wurde in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv Filderstadt im Jahr 2008 ein Buch über das KZ-Außenlager Echterdingen herausgegeben.

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