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Chronik Echterdingen

   
1185 Erste urkundliche Erwähnung als Ahterdingen: In der von Herzog Welf VI. ausgestellten Urkunde wird ein Tausch von Grundstücken zwischen dem staufischen Kloster Adelberg und der Kirche in Echterdingen bestätigt. Herzog Welf VI. ist Kirchenvogt.
   
1229 Bild der UrkundeEin Hof ("grangia") des Klosters Bebenhausen wird in einer Urkunde Papst Gregor IX. genannt. Erste urkundliche Erwähnung des Namens "Filder".
   
um 1250 Die Herren von Echterdingen, Lehensleute der Pfalzgrafen von Tübingen, treten als Ortsadelige in Erscheinung.
   
1279 Die in Echterdingen begüterten Herren von Bernhausen verkaufen den halben Echterdinger Fronhof an Bebenhausen.
   
1280 Ritter Friedrich von Echterdingen verkauft seine Besitzungen und die Vogtei an Bebenhausen.
   
1281 Echterdingen wird zwischen dem Echterdinger Ortsadel, den Herren von Echterdingen (der Linie Heinrichs von Echterdingen) und dem Kloster Bebenhausen geteilt. Das Dorf zerfällt in zwei unterschiedliche Herrschafts- und Rechtsbereiche. Das Kloster Bebenhausen erringt durch den Erwerb von umfangreichem Grundbesitz eine starke Stellung. Der Grundbesitz wird entweder von so genannten Laienbrüdern ("Konversen") bewirtschaftet oder an ortsansässige Bauern - gegen Entrichtung von Naturalabgaben - verliehen.
   
1286-1291 Das Kloster Bebenhausen gelangt durch Schenkung der Pfalzgrafen von Tübingen in den Besitz des Kirchenpatronats und des halben Zehnten.
   
1347 Dem Kloster Bebenhausen gelingt es, sich die Echterdinger Pfarrkirche ganz einzuverleiben (inkorporieren).
   
1356 Erste urkundliche Erwähnung der Zehntscheuer, die im Besitz des Klosters Bebenhausen ist (Mittelpunkt des Bebenhäuser Hofs, des früheren Fronhofs).
   
1358 Das Kloster Bebenhausen gibt die Eigenbewirtschaftung seiner Güter und den Klosterhof (Mönchhof) auf. Er wurde in mehrere Einzelhöfe, die Maierhöfe, aufgeteilt. Die Güter des Klosters werden an die Verwalter der Maierhöfe, die Maier, in Erbleihe verliehen. Sie müssen dafür einen Teil des Ertrags in Geld und Naturalien an das Kloster Bebenhausen abführen.
   
1379 Württemberg erwirbt Lehensgüter des verstorbenen Friedrich von Echterdingen.
   
1406 Wolf von Echterdingen (Heinrich´sche Linie) verzichtet zu Gunsten Württembergs auf die letzten Rechte in Echterdingen. Damit verschwinden die Ritter von Echterdingen aus dem urkundlichen Gesichtsfeld.
   
1439 Errichtung des 52 Meter hohen Echterdinger Kirchturms. Der älteste Teil des Schiffes stammt jedoch aus romanischer Zeit.
   
1477 Echterdingen stellt mit 97 Männern die meisten Wehrpflichtigen im Amt Stuttgart.
   
1478 Vogtei und Gerichtsbarkeit gehen von Bebenhausen auf Württemberg über.
   
1504 Balthasar Murer von Echterdingen ist bis 1511 als Buchdrucker in Frankfurt an der Oder bezeugt.
   
1508-1510 Der Chor der Kirche wird aus den restlichen Steinen der unteren Echterdinger Burg errichtet. Innen befindet sich ein schönes Netzgewölbe.
   
1522 Auf Michael Ott von Echterdingen, oberster Feldzeugmeister unter den Kaisern Maximilian I. und Karl V., wird eine Münze Medaille geprägt. Ott ist wohl Nachkomme einer nach Tirol ausgewanderten Linie der Herren von Echterdingen.
   
1524 Bau des Rathaus: Freistehender Fachwerkbau mit charakteristischem Krüppelwalmdach und Dachreiter (Glockentürmchen).
   
1534 Nach der Einführung der Reformation geht die Grundherrschaft des Klosters Bebenhausen an Württemberg über.
   
1535 Württemberg wird Rechtsnachfolger des in der Reformation aufgehobenen Klosters Bebenhausen. Dessen Besitzungen, einschließlich der Echterdinger Kirche, werden Bestandteil des unter der Verwaltung des Kirchenrates stehenden "gemeinen Kirchenkastens." In diesem Zusammenhang kommt auch die Zehntscheuer in den Besitz von Württemberg.
   
1540 Echterdingen hat ungefähr 1080 Einwohnerinnen und Einwohner.
   
1553 wird eine Schule in Echterdingen bezeugt. Erster Schulmeister und Diakon war damals David Greif (1553-1554). Die allgemeine Schulpflicht, die in Württemberg 1649 unter Herzog Eberhard III. eingeführt wurde, dauert vom 6. bis zum vollendeten 14. Lebensjahr.
   
1556-1558 besteht eine Lateinschule.
   
1575 Eine Feuersbrunst führt zu einem Hexenprozess: Catharina Köpler wird als Hexe in Stuttgart verbrannt.
   
1618-1648 Im 30-jährigen Krieg - 1634 nach der Schlacht von Nördlingen - werden nicht weniger als 244 Häuser (von insgesamt 307) durch kaiserliche Truppen zerstört. Das Rathaus bleibt als eines der wenigen Gebäude unzerstört.
   
1662/1663 Georg Schöffel von Echterdingen wird als Hexer zum Feuertod verurteilt.
   
um 1740 Pietistische Gemeinschaften entstehen.
   
1744 Errichtung des Pfarrhauses im Barockstil an Stelle eines bereits 1551 urkundlich erwähnten Vorgängerbaus.
   
1765 Jakob Auch wird am 22. Februar geboren. Er gilt als der begabteste und talentierteste Schüler von Pfarrer Philipp Matthäus Hahn (1739-1790). 1799 wird er Hofmechanicus in Weimar, wo er unter anderem astronomische Uhren für die Sternwarte in Gotha und eine Rechenmaschine fertigt sowie Bücher über Uhren verfasst. Er stirbt 1842.
   
1772 Errichtung des Gasthofs "Hirsch" durch Schultheiß Johann Georg Stäbler mit Unterstützung von Herzog Carl Eugen von Württemberg (1728-1793). Durch seine Lage an der "Schweizer Straße" wird er zum Treffpunkt von Geistesgrößen wie Lavater (1782), Schiller (1793), Goethe (1797), Kerner (1807), Uhland und anderen. Erste Erwähnung des Spitzkrauts durch Pfarrer Bischoff von Bernhausen.
   
1775 Umfangreiche Kirchenrenovierung unter Pfarrer Johann Ludwig Brecht (1701-1780).
   
1781 Pfarrer Philipp Matthäus Hahn (1739-1790) tritt sein Amt an. Echterdingen, die am besten dotierte Pfarrei Württembergs, wird Hahn auf Wunsch von Herzog Carl Eugen von Württemberg (1728-1793) übertragen. Hahn ist Pfarrer, Theologe, Astronom, Ingenieur und Unternehmer in einer Person und betreibt im Pfarrhaus seine berühmte Werkstatt. Dort entstehen wertvolle astronomische Uhren, Rechenmaschinen, Waagen und insbesondere Taschenuhren.
   
1790 Tod Philipp Matthäus Hahns.
   
1796 Die Folgen des Franzoseneinfalls sind spürbar (Teuerung).
   
1797 Johann Wolfgang von Goethe kehrt auf seiner Schweizer Reise im "Hirsch" ein und beschreibt Echterdingen als "wohlgebaut, heiter Dorf".
   
1805 Zwei Vieh- und Krämermärkte werden von nun an jährlich abgehalten.
   
1815 Die ständischen Oppositionellen Cotta, Neurath, Graf Waldeck, von Maukler und von Wangenheim beschließen in Echterdingen - wohl im Gasthof "Hirsch" -, die von König Friedrich I. von Württemberg entworfene Verfassung abzulehnen.
   
1815-1848 Im Vormärz ist der "Hirsch" immer wieder Treffpunkt der ständischen Opposition (Uhland, Schwab, Schott, Cotta, Graf Waldburg, von Maukler; auch die späteren württembergischen Märzminister Römer und Pfizer gehörten zu diesem Kreis).
   
1816-1817 Teuerung, Lebensmittelknappheit.
   
1820-1822 Ablösung der Schönbuchrechte: Als ehemaliger "Schönbuch-Genosse" erhält Echterdingen von Württemberg den Wald "Federlesmahd".
   
1841/1842 Errichtung des Gemeindebackhauses am Kirchplatz.
   
1840-1850 Echterdingen erhält mehrere Staatspreise für guten Flachs. Pfarrer Viktor Matthäus Bührer hat sich um den Flachsanbau verdient gemacht. In den 1850er Jahren umfasst die Anbaufläche für Flachs und Hanf 150-170 Morgen.
   
1845 Der Gasthof "Hirsch" wird Fürstlich Thurn und Taxis´sche Poststation.
   
1847-1857 Hauptsächlich aus wirtschaftlicher Not wandern 132 Personen nach Nordamerika aus. Die Einwohnerzahl sinkt von 1935 auf 1701 Personen.
   
1849 Die Kirche erhält eine Orgel mit 26 Registern von der Firma Carl Weigle.
   
1850 Die Gemeinde erwirbt die Zehntscheuer im Zuge der Zehntablösung von Württemberg für 2000 Gulden.
   
1852 Sämtliche Zehntrechte, die Württemberg auf Echterdinger Markung hat, werden durch die Gemeinde abgelöst. Echterdingen muss hierfür 66.467 Gulden aufbringen, 46 Personen wandern nach Nordamerika aus.
   
1854 Höhepunkt der Teuerung durch Missernten: Ein Laib Brot kostet statt 12 über 30 Kreuzer.
   
1862 Neuer Friedhof in der Plieninger Straße.
   
1865-1867 Ein neues Schulhaus aus Sandstein wird hinter dem damals noch stehenden älteren Schulhaus (Frühmesserhaus) errichtet.
   
1880 Das Satteldach der Kirche wird durch die im neugotischen Stil gehaltene steinerne Kirchturmspitze ersetzt. Die drei alten, aus dem 16. und 17. Jahrhundert stammenden Glocken werden umgegossen und eine vierte hinzugefügt.
   
1888 Die 1845 in Stuttgart von Carl G. Weigle gegründete Orgelfabrik verlegt ihren Sitz nach Echterdingen.
   
1892 Der spätere Landesbischof Theophil Wurm ist Vikar in Echterdingen.
   
1897 Anschluss an die Filderbahn Möhringen - Neuhausen (Schmalspur).
   
1900 Die Erste Echterdinger Sauerkrautfabrik ("Erstkraut") wird von Louis Stäbler gegründet. Echterdingen hat mit 168 Hektar die größte Krautanbaufläche seiner Geschichte (Filder insgesamt: 813 Hektar).
   
1902 Die Filderbahn wird von Schmalspur auf Normalspur umgestellt.
   
1906 Die Sauerkrautfabrik "Edelweiß" wird von Friedrich Hofmann gegründet.
   
1908 Am 5. August beobachten rund 50.000 Menschen, wie das vierte Luftschiff des Grafen Zeppelin auf seinem Landeplatz bei Echterdingen verbrennt. Durch die Deutsche Nationalspende, die in Echterdingen ihren Anfang nimmt und über 6 Millionen Mark erbringt, wird jedoch der Neubeginn der Luftschifffahrt ermöglicht. An der Stelle der Landung wird ein Gedenkstein ("Zeppelinstein") enthüllt.
Die Sauerkrautfabrik "Otto Sommer" wird gegründet.
   
1909 Autobus-Verbindung nach Degerloch. Von 1910 an wird die Linie nach Waldenbuch weitergeführt. Anschluss an die Elektrizitätsversorgung.
   
1911-1912 Errichtung einer Kleinkinderschule ("Kinderschüle") im Schafrain.
   
1914 Die Echterdinger Spar- und Darlehenskasse (seit 1960 Echterdinger Bank) wird gegründet. Schon vorher gab es eine Gewerbekasse. In der Brühlstraße wird ein neues Schulgebäude eingeweiht (heutige Zeppelin-Schule).
   
1914-1918 Echterdingen verliert im 1. Weltkrieg 90 Männer (83 Gefallene oder an Kriegsfolgen Verstorbene, 7 Vermisste). Zwei Kirchenglocken und die Rathausglocke von 1779 müssen für Kriegszwecke abgeliefert werden.
   
1927 Gründung des Obst- und Gartenbauvereins Echterdingen am 9. Oktober.
   
1928 Anschluss an die Stuttgarter Straßenbahn, die so genannte elektrische Filderbahn (Strecke Stuttgart-Möhringen-Leinfelden-Echterdingen).
   
1928-1931 Ortskanalisation, Ausbau der Hauptstraße.
   
1932 Umfangreiche Kirchenrenovierung unter Pfarrer Hermann Ott. Einführung des freiwilligen Arbeitsdienstes.
   
1933 Luftaufnahme EchterdingenSo genannte nationalsozialistische Machtergreifung: Gleichschaltung der Gemeinderäte und der Vereine durch die Nationalsozialisten.
   
1935 Anschluss an die Filderwasserversorgung. Inbetriebnahme der Kläranlage.
   
1936 Als erstes Teilstück der Autobahn Stuttgart-München wird die Strecke Echterdingen-Unterboihingen in Betrieb genommen.
   
1937 Errichtung des Sparkassengebäudes in der Hauptstraße.
   
1938 Nach der Auflösung des Amtsoberamts Stuttgart kommt Echterdingen zum Kreis Esslingen.
   
1939 Beginn des Zweiten Weltkriegs. Der Landesflughafen Stuttgart-Echterdingen wird als Militärflughafen in Betrieb genommen.
   
1942 Alle drei Kirchenglocken müssen für Kriegszwecke abgeliefert werden. Der Fasanenhof - bisher Echterdinger Gemarkung - wird nach Stuttgart eingemeindet. Bei einem britischen Fliegerangriff am 22. November werden zwei Jugendliche getötet.
   
1944 Bei einem schweren britischen Luftangriff (15./16. März) werden sechs Personen getötet, 84 Wohngebäude und 105 Scheuern zerstört, weitere 100 Gebäude stark beschädigt. Unter den zerstörten Gebäuden befinden sich das alte und das neue Schulhaus sowie die Zehntscheuer. Bei einem amerikanischen Luftangriff auf den Flughafen am 14. August werden 15 Personen getötet. Auf dem Flughafengelände befindet sich von November 1944 bis Februar 1945 ein Außenlager des Konzentrationslagers Natzweiler-Struthof; 111 jüdische Häftlinge kommen zu Tode ("Vernichtung durch Arbeit").
   
1945 Sprengung der Autobahnbrücke und des Flughafens am 7. April. Besetzung durch die Franzosen am 21. April, die im Juli von den Amerikanern abgelöst werden. Ehemalige französische Kriegsgefangene verhindern Übergriffe auf die Bevölkerung. Bürgermeister Rohleder wird durch den Sozialdemokraten Fritz Moltenbrey ersetzt.
   
1946 Die ersten demokratischen Gemeinderatswahlen seit 1933 finden statt. Es gibt zwei Listen, die "Sozialdemokratische Partei und Bauernschaft Echterdingen" sowie die "KPD". Unter den gewählten 12 Gemeinderäten sind sechs Bauern. Die ersten Heimatvertriebenen treffen ein.
   
1948 Währungsreform am 20. Juni: Die Auszahlung der so genannten Kopfbeträge erfolgt ohne Probleme.
   
1949 Das erste Kinderfest (mit Umzug) nach dem Krieg findet statt.
   
1950 Einweihung der wiederaufgebauten Volksschule (spätere Zeppelin-Schule). Die evangelische Kirche erhält drei neue Glocken.
   
1953 Einweihung der an alter Stelle neu aufgebauten Zehntscheuer. Mit der Renovierung des Rathauses wird begonnen.
   
1955 Der Personenverkehr der Filderbahn wird eingestellt. Die Jahrhunderte alte "Friedenslinde" in der Plieninger Straße wird gefällt, nachdem ihre Wurzeln durch den Bahnbau beschädigt worden waren.
   
1956 Einweihung der Katholischen Kirche St.Raphael.
   
1959 Ansiedlung der Renault-Werke (Auslieferungslager für Süddeutschland).
   
1962 Walter Schweizer folgt Bürgermeister Moltenbrey im Amte nach.
   
1963 Ein beim Abbruch des Hauses Stollsteimer entdeckter Silbermünzenschatz (505 Münzen aus der Zeit von 1572-1634) verschwindet auf kriminelle Weise.
   
1964 Der Erweiterungsbau der Zeppelinschule und die Gemeindehalle werden eingeweiht.
   
1967 Eröffnung der Jugendmusikschule; Inbetriebnahme der neuen Kläranlage (gemeinsam mit Stetten).
   
1968 Die Goldwiesenschule (zweite Volksschule) wird eingeweiht.
   
1969 Einweihung des Rathausneubaus.
   
1970 Anschluss an die Bodenseewasserversorgung. Walter Schweizer wird als Bürgermeister wiedergewählt.
   
1972 Einweihung des Philipp-Matthäus-Hahn-Gymnasiums. Drei alemannische Reihengräber (600 n.Chr.) mit Skelettresten und ein Tongefäß werden bei Bauarbeiten in der Leinfelder und Michael-Ott-Straße gefunden.
   
1973 Eine Graburne aus der späten Bronzezeit wird in der Langwiesenstraße bei Bauarbeiten gefunden. Sie ist von einer Stabbrandbombe aus dem zweiten Weltkrieg durchschlagen. Eine eiserne Pferdetrense aus der Zeit zwischen 750 und 500 v.Chr. wird in einem Grabhügel auf der Federlesmahd entdeckt.
   
1974 Das ehemalige Sparkassengebäude wird Heimatmuseum.
   
1975 Im Zuge der Gemeindereform schließen sich Echterdingen, Leinfelden, Musberg und Stetten am 1. Januar zur Stadt Leinfelden-Echterdingen (Kreis Esslingen) zusammen, die am 1. Juli zur Großen Kreisstadt erhoben wird.
   
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